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Schwielowsee Stimmen am Tag nach der Entscheidung für die Fercher Windkraftanlagen
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Stimmen am Tag nach der Entscheidung für die Fercher Windkraftanlagen
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19:37 05.12.2019
Die Demonstration gegen die sieben Windkraftanlagen in Ferch, kurz bevor die Entscheidung für den Bau der Anlagen fiel. Quelle: Annika Jensen
Ferch

Nach der Entscheidung der Schwielowseer Gemeindevertreter für die sieben Windkraftanlagen im Ortsteil Ferch, herrschen Freude und Enttäuschung gleichermaßen. Im großen Sitzungssaal des Rathauses war sich der Großteil der Anwesenden, sowohl Gemeindevertreter als auch Zuhörer darüber einig, dass die Gemeinde ihren Teil zum Klimaschutz beitragen sollte. Und dass dafür diese sieben Windräder notwendig sind. Vor dem Rathaus hingegen zeigten rund 100 Bürger ihren Unmut über die Pläne. Ihr Hauptkritikpunkt: Für den Bau der Windräder müssen tausende Bäume gefällt werden.

Zu diesem Punkt sagte der grüne Gemeindevertreter Matthias Plöchl in der Diskussion vor der Entscheidung: „Bei dem betreffenden Gebiet handelt es sich nicht um Wald, sondern um Forst und der wird regelmäßig gerodet. Das ist ganz normal.“ Wegen seines Alters müsse der Forst in Ferch an der Grenze zum Werderaner Ortsteil Bliesendorf, nördlich und südlich der Autobahn in einigen Jahren ohnehin gerodet werden, so Plöchl weiter.

Roland Büchner: „Vertrag ist ausgewogen“

Roland Büchner, Ortsvorsteher von Ferch sagte: „Ich halte den Vertrag mit der Betreiberfirma für sehr ausgewogen.“ Bezogen auf das gestrichene achte Windrad teilte er mit: „Wir habe uns auf sieben Anlagen einigen können, weil wir 1500 Meter Abstand zur Wohnbebauung einhalten. Ich möchte nicht, dass wir durch die Hintertür die achte Windanlage bekommen. Sieben Räder reichen.“

Die zwei Tagesordnungspunkte, die sich mit dem Vertrag über den Anlagenbau befassen, wurden vorgezogen, vor die Einwohnerfragestunde. Der Saal war nämlich voll. Zahlreiche Besucher waren gekommen. Und meisten, die sich zu Wort meldeten, sprachen sich für die Anlagen aus. Einzig die Bürgerinitiative „Waldsiedlung Wildpark-West“ äußerte ihre Hoffnung, dass sich die Gemeindevertreter gegen den Bau der Anlagen entscheiden würden.

Bürger wollen eigenes Windrad betreiben

Dagegen sagte Thorsten Spehr, Mitglied im Schwielowseer Klimabeirat und der Initiative „Bürgerwind Schwielowsee“: Unsere Initiative kümmert sich um eine Bürgerwindanlage. Von den sieben wollen wir Bürger eine kaufen und betreiben. Unsere Verhandlungen mit der Anlagen-Firma Notus wind schon fortgeschritten und wir sehen gute Perspektiven.“ Mit diesem einen Windrad können 13 Millionen Kilowatt-Stunden Strom produziert werden, so Spehr weiter. „Das wäre die Menge Strom, die die komplette Gemeinde im Jahr braucht.“

Die Gegner lassen sich durch solche Rechnungen von ihrem Widerstand nicht abbringen. „Wälder sind die größten Co2-Speicher, die wir haben. Da gehört einfach keine Industrieanlage rein“, sagte Winfried Ludwig, Vorsitzender der Bürgerinitative „Waldkleblatt“, die gegen Windanlagen in Wäldern kämpft. „Windkraft ist, wie Sonne, keine konstante Versorgungsform. Wir machen uns was vor, wenn wir meinen, mit Sonne und Wind unser Energieversorgungsproblem lösen zu können.“ Außerdem fehlen die Speicher und Leitungen, die den regenerativen Strom von Nord- nach Süddeutschland transportieren könnte, so Ludwig.

Bürgermeisterin kontert Landtagsabgeordneten

Unterstützung erhält er von der Landtagsabgeordenten Saskia Ludwig. Sie teilte kurz vor der Entscheidung in Schwielowsee mit: „Der Windanlagenbau an dieser Stelle ist schon aus rechtlichen Gründen nicht möglich, weil die Fläche zum Bau der Windanlage in einem Bereich liegt, für den der Regionalplan Havelland- Fläming 2020 für unwirksam erklärt wurde.“ Und weiter: „Außerdem wäre ein Aufbau von sieben Windkraftanlagen dort fatal für die touristische Entwicklung der gesamten Region.“ An Windkraftanlagen gucke man eben nicht vorbei. Der Protest der Ortsvorsteher und Anwohner sei mehr als verständlich, „und die Politik wäre gut beraten, die Pläne für mehr Windenergieerzeugung in dieser Gegend zu begraben.“

Auf den Vorwurf an unzulässiger Stelle Windanlagen zu errichten, entgegnete Ludwigs Parteikollegin und Schwielowsee Bürgermeisterin Kerstin Hoppe: „Grundsätzlich sind auch Ausnahmen möglich, z.B. ist im Prüfverfahren zu berücksichtigen, ob Gemeinden, Städte und Ämter über einen rechtskräftigen Flächennutzungsplan, der auch Flächen für die Windenergienutzung festlegt, verfügt.“ Das Verfahren zur Ausnahmeprüfung sei ebenfalls durch das entsprechende Ministerium veröffentlicht worden, so Hoppe weiter.„Die Genehmigungsbehörde für die Windkraftanlagen ist jedoch nicht die Gemeinde Schwielowsee, sondern das Landesamt für Umwelt. Ich bin mir sicher, dass das Landesamt für Umwelt alle rechtlichen Bedenken, soweit sie denn zutreffen, prüfen wird.“

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Von Annika Jensen

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