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Schwielowsee Training in Ferch: Suchhund Sherlock spürt vermisste Menschen auf
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Training in Ferch: Suchhund Sherlock spürt vermisste Menschen auf
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09:01 03.07.2019
Christina Gerlach und ihr Hund Emma kommen zum Einsatz, wenn Menschen vermisst werden. Quelle: Linus Hoeller
Ferch

24 Stunden alt ist die Fährte, der Sherlock folgt. Er soll einen Menschen finden, der sich versteckt hat. An einer Gabelung zögert er: geradeaus oder abbiegen? Viele Gerüche gibt es hier. Sherlock folgt seiner Nase nach links, kommt kurze Zeit später an ein Einfamilienhaus. Tatsächlich: Im Garten sitzt der „Vermisste“. Sherlock freut sich – besonders darüber, dass er ein Leckerli bekommt.

Sherlock ist ein Mantrailer-Hund, wörtlich aus dem Englischen übersetzt ein „Menschen-Verfolger“. Immer wieder kommen die speziell ausgebildeten Hunde in Brandenburg zum Einsatz, wenn Personen als vermisst gelten.

Ausbildung zum Fährtenhund in Ferch. Simone Kaiser (l.) und Sabine Storch mit Hündin Lotte. Quelle: Linus Hoeller

Es war diesmal zwar kein echter Einsatz, nur eine Übung auf dem Areal des Paradies Schwielowsee in Ferch. Die Wetter-Bedingungen waren für Sherlock alles andere als ideal: Bei Hitze und Trockenheit verlieren die Geruchspartikel, an denen sich die Hunde orientieren, an Stärke. Auch Wind kann die Aufgabe eines Mantrailing-Hundes schwieriger gestalten, da er die Duftspur verwischen oder in die Zugrichtung verblasen kann. Feuchtigkeit hingegen bewirkt, dass die Düfte besser für den Hund wahrzunehmen sind, doch Seen ziehen Duftspuren auch an und verändern so ihren Verlauf.

Etwa drei Ausbildungsjahre braucht es laut der German Bloodhound Mantrailing Association (GBMA), um ein gutes Team von Hundeführer und Mantrailing-Hund auszubilden. „Jeder Hund ist individuell“, sagt auch Jürgen Conrad, Präsident des Vereins, „für Behörden kann die Ausbildung etwa vier Monate dauern, bei Ehrenamtlichen sind ein oder zwei Jahre das Minimum.“

Fährten sind bis zu 48 Stunden alt

„Ein Mantrailing-Hund ist ein Spezialist in seinem Bereich“, erklärt Christina Gerlach (56) von der Freiwilligen Feuerwehr Ludwigsfelde, die kürzlich einen Workshop in Ferch organisiert hatte. „Fährten können bis zu 48 Stunden alt sein und noch immer von Hunden erfasst werden. Außerdem können sie alte von neuen Geruchsspuren unterscheiden“, berichtet sie und bereitet sie eine „Trail-Splitting“-Übung vor. „Dabei trennen sich die Duftspuren“, erklärt Gerlach, „das heißt, die gesuchte Person ist mit anderen Leuten wo entlanggegangen, hat sich dann aber von den anderen getrennt.“ Die Hunde seien dann dennoch in der Lage, der richtigen Spur zu folgen.

Sabine Storch mit Hündin Awinita. Quelle: Linus Hoeller

Voraussetzung dafür, dass der Hund sich auf die Suche begeben kann, ist ein kontaminierter Geruchsartikel – etwa ein Kleidungsstück, welches der Gesuchte getragen hat, oder auch eine Haarbürste. Da ein Großteil der gesuchten Personen demente Altersheimbewohner sind, haben manche dieser Unterkünfte angefangen, in Einweckgläsern entsprechende Proben der Bewohner aufzubewahren.

Mantrailing-Hunde seien aber auch in der Lage, Düfte auszuschließen, so Gerlach. Wenn etwa vier Gerüche in der Luft liegen, aber nur drei Personen vor Ort seien, würde der Hund jede der Personen riechen, um herauszufinden, welche der Spuren nicht von einem der vorhandenen Menschen stammt.

Suchhundeführer sind im Ehrenamt tätig

Die brandenburgische Polizei hat, im Gegensatz etwa zu Mecklenburg-Vorpommern, keine eigenen Mantrailing-Hunde, sondern nur Drogen- und Sprengstoffsuchhunde sowie Fährtenhunde. Alle Einsätze mit Mantrailing-Hunden werden deshalb von Ehrenamtlichen durchgeführt – also ohne jegliche Bezahlung. „Wir sind schon ein bisschen bescheuert, was wir an Zeit und Energie da reinstecken“, meint Christina Gerlach, „im Einsatz ist es dann doch auch extrem viel Verantwortung, alles richtig zu machen.“ Jürgen Conrad fügt hinzu: „Da ist man schon mal vier, fünf Stunden in der Nacht im Einsatz und muss dann in der Früh wieder beim Arbeitgeber auf der Matte stehen.“

Leider gebe es häufig wenig Verständnis seitens der Dienstgeber für die wichtige Aufgabe der Hundeführer. „Im vorigen Jahr wurden wir in Brandenburg 240 Mal alarmiert“, berichtet Christina Gerlach. Sie würde im Monat etwa zweimal mit ihrem Bloodhound namens Emma ausrücken. „Mir fallen insgesamt in Brandenburg auch nur acht Mantrailer ein“, sagt sie. Es sei ja auch eigentlich die Aufgabe der Polizei, vermisste Personen zu suchen.

Besser als eine Wärmebildkamera

Mantrailing-Hunde sind dank ihres Geruchssinns hervorragend dafür geeignet, vermisste Personen aufzuspüren.

Laut Bundesverband Rettungshunde gab es 2018 insgesamt 1233 Einsätze, davon 16 Prozent im Mantrailing.

Die Suche mit Hund hat viele Vorteile gegenüber etwa einer Wärmebildkamera. Letztere nimmt auch andere Tiere auf. Ein Hund aber folgt einer bestimmten Geruchsspur und kann auch stark unterkühlte Personen aufspüren.

Die German Bloodhound Mantrailing Association (GBMA) bietet Informationen und Ausbildung zum Thema Mantrailing mit Bluthunden für Interessierte und Hundeführer. Weitere Informationen findet man unter https://gbma.de.

„Sobald ich die Jacke und meinen Koffer nehme, weiß Emma, dass es jetzt ernst wird“. Im Einsatz habe die Hündin ein anderes Verhalten als sonst. Die Zeichen seines Hundes lesen und interpretieren zu können, sei essenziell. „Wenn der Hundeführer nicht zum Hund passt, oder nicht von klein auf richtig erzogen wurde, kann man eigentlich nur raten, ihn abzugeben“, sagt Gerlach.

Von Linus Höller

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