Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Schwielowsee Warum Kerstin Hoppe Bürgermeisterin von Schwielowsee bleiben will
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Warum Kerstin Hoppe Bürgermeisterin von Schwielowsee bleiben will
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:15 06.09.2018
Sie will Bürgermeisterin bleiben: Kerstin Hoppe (CDU) tritt ein letztes Mal an. Quelle: Luise Fröhlich
Schwielowsee

Am 30. September wird in Schwielowsee gewählt: Die zweite Amtszeit von Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) in der Gemeinde geht zu Ende. Die 53-Jährige tritt gegen den SPD-Kandidaten Michael Holstein an. Warum Kerstin Hoppe Verwaltungschefin bleiben und was sie erreichen will, verrät sie im MAZ-Interview.

Frau Hoppe, Sie sind 16 Jahre Bürgermeisterin in Schwielowsee. Wie fühlt sich das an?

Kerstin Hoppe: Ich bin sehr stolz darauf, vor allem weil ich das Glück hatte, in den 16 Jahren eine unheimlich große Unterstützung aus der Bevölkerung zu bekommen. Mit den Gemeindevertretern habe ich ganz viel umsetzen können. Viele sagen, dass sich Schwielowsee insgesamt sehr gut entwickelt hat und das allerwichtigste ist, dass wir versucht haben, die Identität zu wahren. Das heißt, dass Schwielowsee nicht verfremdet und wir die einzelnen Wünsche der Ortsteile mit den politischen Gremien und vielen Ehrenamtlern versucht haben zu erfüllen.

Dennoch drückt in der Gemeinde an manchen Stellen der Schuh, wie zum Beispiel bei der Kapazität in der Kindergärten. Wie lässt sich das Problem lösen?

Die letzten Monate waren für alle sehr schwer. Aber aus der Krise sind letztlich Chancen entstanden, von denen wir geträumt haben, aber einfach nicht weitergekommen sind. Die Diakonie hat sich für den Bau einer Kindertagesstätte in Caputh entschieden und der freie Träger Fröbel baut eine neue Einrichtung an der Kaserne in Geltow. Wenn diese Einrichtungen fertig sind, haben wir eine bunte Vielfalt in unserer Gemeinde und die Bedarfe auf lange Sicht abgedeckt. Hinzu kommt die dreigeschossige Containeranlage in Geltow für die Schüler und Vorschüler, die pünktlich zum Schulstart fertig geworden ist. In Caputh gab es viele Diskussionen und Sorgen zum Umzug der großen Kita-Gruppe in der Schule, aber auch dort haben wir einen geräuschlosen Umzug geschafft, auch dank der großartigen Unterstützung unserer Schwielowseer Firmen, die uns eng zur Seite gestanden haben.

Gerade in der heißen Phase dieser Diskussionen haben teilweise sehr viele Bürger an den Sitzungen der Gemeindevertretung oder Ausschüssen teilgenommen. War diese Art der Beteiligung für Sie neu?

Nein. Wir haben in den Jahren gelernt, dass sich punktuell mehr Menschen äußern, wenn es um grundsätzlich schwierige Themen geht oder um Themen, die die Menschen direkt betreffen, wie Straßenausbau, Kita oder Schule. Es haben sich immer mal wieder Initiativen gegründet. Da hatten wir umfangreiche Diskussionen. Das wichtigste ist, dass man zuhört, transparent miteinander umgeht und gemeinsam Lösungsschritte erarbeitet.

Angefangene Dinge zu Ende bringen

Ist Schwielowsee zu schnell gewachsen?

Wenn ich die Zahlen sehe, muss ich sagen, dass Schwielowsee ganz sachte und langsam gewachsen ist. Da müssen wir auch in Zukunft aufpassen, weil wir mit den Bebauungsplänen natürlich die Weichen stellen. Wir haben zum Beispiel nur noch ein Baugebiet in Caputh. Aber ich denke, dass es eine gesunde Entwicklung ist.

Was hat Sie motiviert, sich noch einmal zur Wahl zu stellen?

Ich bin die erste hauptamtliche Bürgermeisterin seit es die Gemeinde Schwielowsee gibt und habe mit den Gemeindevertretern damals in der ersten Legislaturperiode die Gebietsreform umgesetzt. Das war eine ganz große Herausforderung für alle. Bis heute ist es unser Traum, dass die Menschen sagen: Wir sind Schwielowseer. In meiner zweiten Legislaturperiode hatten wir zum Beispiel den Mut, den Antrag auf den Staatlich anerkannten Erholungsort zu stellen. Das sind alles Sachen, die nicht von heute auf morgen gehen. Es gibt Dinge, die ich zu Ende bringen möchte und die Energie hat bisher nicht nachgelassen – im Gegenteil. Mit Herz, Sachverstand und Motivation möchte ich die weiteren Herausforderungen bewältigen. Aber ich sage auch ganz ehrlich, ich trete definitiv zum letzten Mal an.

Quereinsteigerin

Bevor Kerstin Hoppe 2003 Bürgermeisterin wurde, war sie Leiterin in einem Potsdamer Tragwerksplanungsbüro. Ihr Fachgebiet war der Stahlbetonbau.

Von 1985 bis 1988 hat sie an der Ingenieurschule für Bauwesen und Ingenieurpädagogik Magdeburg (Außenstelle Potsdam) studiert und ihren Abschluss als Ingenieurin für Hochbau gemacht.

In der Baubranche, sagt sie, hat sie gelernt, sich auch in schwierigen Situationen durchzusetzen und immer schnell Lösungen zu finden. „Diese zwölf Jahre haben mich sehr geprägt“, erzählt sie.

Seit 2001 ist die gebürtige Luckenwalderin Mitglied der CDU. Zudem engagiert sie sich als stellvertretende Bundesvorsitzende der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU/CSU (KPV). Dort vertritt sie die Interessen der kleinen Kommunen.

Seit April dieses Jahres ist Kerstin Hoppe 1. Vize-Präsidentin des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg.

Angenommen Sie werden wieder gewählt: Würden Sie etwas anders angehen?

Es besteht der Wunsch, dass wir die Verwaltungsstruktur überprüfen lassen. In meiner ersten Amtszeit haben wir das schon einmal gemacht. Allein bei der Frage nach der Umsetzung der Digitalisierung in unseren Verwaltungen sind so viele Herausforderungen mit dem Land Brandenburg zu bewältigen. Da brauchen wir viel Mut und Entschlossenheit. Was unsere Verwaltung angeht, bin ich da aber sehr optimistisch.

Zettel und Stift sind immer dabei

Was liegt Ihnen für die Zukunft Schwielowsees am Herzen?

Für mich ist wichtig, dass sich die Menschen wohlfühlen und dass sich alle Generationen weiterhin gerne in unser Gemeindeleben einbringen. Dafür möchte ich weiter einen Rahmen schaffen, auch künftig immer zuhören und beobachten und keine Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinwegtreffen.

Wo sehen Sie rückblickend Ihre Stärken und Schwächen?

Meine Schwäche ist die Ungeduld. Und wenn Kritik unsachlich, verletzend und unterhalb der Gürtellinie geäußert wird, habe ich damit ein Problem. Für konstruktive Kritik bin ich immer offen, denn sie bringt uns weiter. Meine Stärke ist meine Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und dass ich alles mit Herz angehe und nicht aufgebe.

Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass der Bürgermeister in seiner Gemeinde lebt?

Ich könnte mir nicht vorstellen, Bürgermeisterin zu sein und nicht hier zu leben. Man geht zum Blumenladen, zum Bäcker, zu Rewe und überall trifft man unsere Menschen. Somit ist man ganz nah an ihren Problemen. Viele sprechen mich direkt an. Ich habe immer einen Zettel und einen Stift dabei und schreibe mir Hinweise oder Probleme auf, die dann verlässlich bearbeitet werden. Das ist gelebte Bürgernähe. Man darf dann aber auch nicht ärgerlich sein, wenn der Einkauf etwas länger dauert. Wenn man nicht zuhört, hat man verloren.

Sie haben sich vor dem Wahlkampf die Zeit genommen, bei einer Alpentour Kraft zu tanken. Was bedeutet Ihnen der Sport in der Freizeit?

Ich habe in all den Jahren erkannt, dass ich ohne den Sport diesem Druck gar nicht standhalten könnte. Ich brauche einen Ausgleich, der mich motiviert und meinen Kopf frei macht. Im Mai bin ich mit Freunden den Salzalpensteig gelaufen, 20 bis 22 Kilometer am Tag. Als ich auf dem Gipfel saß, habe ich gemerkt, wie klein wir als Menschen sind und das gab und gibt mir unheimlich viel Kraft. Hier zu Hause laufe ich jedes Wochenende um den Schwielowsee und bin dankbar, dass ich dort leben kann, wo andere Urlaub machen.

Wie finanzieren Sie den Wahlkampf?

Komplett privat. Ich habe vor langer Zeit begonnen, Unterstützer zu suchen. Es fließt kein Parteigeld.

Info: Das Interview mit Kerstin Hoppes Herausforderer, Michael Holstein (SPD), folgt in dieser Woche.

Von Luise Fröhlich

Am Dienstagabend ist die Machbarkeitsstudie für den Ausbau der Caputher Schule vorgestellt worden. 450 Schüler sollen auf dem zukünftigen Campus Platz finden.

29.08.2018

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten beginnt am Mittwoch damit, die Wege nördlich des Schlosses wiederherzustellen. Dazu müssen einzelne Wege oder auch Parkeingänge temporär geschlossen werden.

27.08.2018

Der Naturschutzbund hatte Widerspruch gegen die Baum-Fällungen eingereicht, jetzt wirft der Nabu der Gemeinde Untätigkeit vor und hat Klage eingereicht. Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) weist Vorwürfe zurück.

27.08.2018