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Schwielowsee Wie das Hausboot an den Schwielowsee kam
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Wie das Hausboot an den Schwielowsee kam
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21:21 17.10.2018
Das Hausboot liegt seit rund 40 Jahren in Geltow und war lange Zeit dauerhaft an einen Künstler vermietet. Quelle: Luise Fröhlich
Geltow

Seichte Wellen schlagen gegen das Heck und lassen das Hausboot schaukeln. Im Inneren knarrt das Holz, während der Schiffsrumpf an den Bojen reibt. Der Blick auf den Schwielowsee ist von hier aus einzigartig. Vergleichsweise wenige Boote liegen am Fuße des Franzensberges in Geltow. Es ist die Wetterseite und das Ufer versandet regelmäßig. Dennoch ist es einer der schönsten und romantischsten Plätze, die Geltow zu bieten hat. Das wussten auch schon Filmemacher. Vor allem aber schätzen den Ort die Kinder und Pädagogen der Evangelischen Jugendhilfe, die sich seit vielen Jahren um das Boot kümmern. „Es ist der schönste Ort, den wir haben“, sagt Jörn Kurth, pädagogischer Leiter. Vor 40 Jahren begann die Geschichte des knallblau gestrichenen Hausbootes in Geltow.

Die Kinder des Heims auf dem Franzensberg bekamen das Schiff einst von Arbeitern des Wasserstraßenbaus Berlin geschenkt. Sie waren die Paten der Kinder und richteten das Hausboot gemeinsam mit ihnen am Steg in Geltow her. Dabei wurden sie 1977 von einem Defa-Dokumentarteam begleitet. Der Film „Das Patenschiff“ zeigt, wie das Hausboot in Geltow ankommt, wie die Kinder es entdecken, gemeinsam mit den Arbeitern sauber machen, Betten aufstellen, darin kochen und letztlich übernachten. In kurzen Interviews verraten einige Kinder, warum sie ins Heim gekommen sind. Der Film zeigt auch die Schiffstaufe, bei der die Kinder dem Boot den Namen „Tambari“ geben. Seitdem liegt das Schiff ganz in der Nähe der Baumgartenbrücke. Vormals wohnten die Arbeiter darin, wenn sie für mehrere Tage auf dem Wasser unterwegs waren.

Mehrere Auftritte im Fernsehen

Heute nutzt es die Evangelische Jugendhilfe hauptsächlich wieder für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Es ist toll zu sehen, wie anders die Kinder hier sind. Sie kommen runter“, sagt Jörn Kurth. Auf und an dem Boot werden Geburtstage gefeiert, erlebnispädagogische Wochenenden verbracht oder Teamtage für die Mitarbeiter durchgeführt. Regelmäßig gibt es Arbeitseinsätze, um das Schiff in Schuss zu halten. Vom Steg aus startet die Segel-AG oder die Kinder gehen am Ufer baden oder angeln.

An den Wochenenden wird es an Urlauber vermietet. „Wir sind ganz gut ausgebucht und inzwischen bekannt“, erzählt Jörn Kurth. Das dürfte auch daran liegen, dass das Hausboot schon mehrmals Auftritte im Fernsehen hatte. Im Film „Die Welle“ (2008) etwa lebt Jürgen Vogel in seiner Rolle als Lehrer auf dem Schiff am Ufer des Schwielowsees. Danach waren Boot und Steg in der Telenovela „Anna und die Liebe“ sowie in einer Discounter-Werbung zu sehen. Die Vermietung des Hausbootes sorgt vor allem für Bewegung, die Vandalen abschreckt, mit denen die Evangelische Jugendhilfe dort zu kämpfen hatte. Die Einnahmen fließen in Reparaturen oder Neuanschaffungen für das Boot. Vor vier Jahren wurde es für einen neuen Grundschliff in die Werft geschleppt. Seitdem macht es den Filmproduzenten einen zu frischen Eindruck, wie Jörn Kurth berichtet. Im Inneren des Bootes, das übrigens selbst nicht fährt, befindet sich eine kleine Küche sowie zwei kleine und zwei größere Räume.

Ziel: Kinder in ihre Familien zurückführen

Der Verein Evangelische Jugendhilfe ist seit 1992 in den drei Wohngruppen auf dem Franzensberg tätig. Getragen wird die Einrichtung hauptsächlich vom Dachverband Diakonieverbund Schweicheln, vorher lag sie in der Hand des Kreises. Bis 1989 wurden in dem Heim Kinder und Jugendliche ab einem Alter von drei Jahren bis zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit betreut. Der Begriff „Kinderheim“ ist inzwischen veraltet, denn seit der Wende hat es sich zu einer modernen und flexiblen Jugendhilfeeinrichtung entwickelt. Betreute Wohngruppen wurden nach Werder oder Potsdam ausgelagert.

Zuerst wurden Säuglinge betreut

1874/75 entstand auf dem Franzensberg in Geltow eine Villenkolonie, die meist auswärtigen Besitzern als Sommersitz diente. Das heutige Gebäude kann als Vorläufer der Evangelischen Jugendhilfe betrachten.

1945 betreuten evangelische Schwestern dort für kurze Zeit Säuglinge, die ihre Heimat verloren hatten. Danach entstand aus den Häusern ein geschlossener Komplex als staatliches Kinderheim namens „Lotte Pulewka“. Der Auftrag der Heimerziehung änderte sich im Laufe der Zeit.

„Mit der Förderschule und der Oberschule auf dem Franzensberg haben die Kinder die Möglichkeit, einfacher den Abschluss zu schaffen“, erklärt Jörn Kurth, der seit zehn Jahren dabei ist. „In dem Job braucht man Nerven und Knowhow. Man öffnet ihnen Lebenswege, begleitet die Kinder oft über viele Jahre und ist für sie ein Familienersatz“, sagt er. Größtes Ziel der pädagogischen Arbeit sei es, die Kinder in ihre Familien zurückzuführen.

Info: Am 4. November führen die Wohngruppen ihr alljährliches Fußballturnier, diesmal auf dem Sportplatz der SG Geltow durch. Beginn: 13 Uhr.

Von Luise Fröhlich

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