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Seddiner See Generationswechsel in der „Diamantenschmiede“
Lokales Potsdam-Mittelmark Seddiner See Generationswechsel in der „Diamantenschmiede“
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10:06 16.08.2019
Nach mehr als 25 Jahren übergibt Heiner Vollstädt (stehend) seinen Betrieb zum Jahresende an seinen Mitarbeiter Jörg Frenzel. Quelle: Heinz Helwig
Neuseddin

Generationswechsel in der Vollstädt Diamant GmbH in Neuseddin: Mit 80 Lebensjahren legt Firmengründer Professor Heiner Vollstädt aus Seddin nach mehr als 25 Jahren die Leitung seines Betriebes zum Jahresende in jüngere Hände. Jörg Frenzel, mit 48 Jahren jüngster Mitarbeiter im wissenschaftlich-technischen Bereich, wird ab Januar 2020 die Geschäftsführung übernehmen. Das Unternehmen soll unter seinem bisherigen, in seiner Branche bekannten Namen weiterarbeiten.

Loslassen fällt nicht leicht

Die Vollstädt Diamant GmbH entwickelt, produziert und vertreibt Geräte und Werkzeuge, mit denen Industriediamanten und kubisches Bornitrid (CBN) auf Härte, thermische Festigkeit, Verunreinigung durch Metall und Bruchverhalten geprüft und entsprechend sortiert werden können. Die Prüf- und Sortieraufgaben übernehmen die Seddiner aber auch selbst als Service für andere Hersteller. Industriediamanten, die in Neuseddin geprüft wurden, werden unter anderem im Bauwesen, in der Medizintechnik, in der Optik sowie in der Audiotechnik eingesetzt.

Kein Schmuckstück für den schönen Frauenhals: Vollstädts Diamanten werden in der Industrie eingesetzt. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Natürlich fällt es mir nicht leicht, nach so vielen Jahren einfach loszulassen. Sicher werde ich auch hin und wieder im Betrieb vorbeischauen. Doch ich habe mich endgültig entschieden“, sagt Vollstädt. Schon jetzt hat Nachfolger Frenzel einige Aufgaben seines Noch-Chefs, wie die Bestellung von Materialien oder die Kontakte zu Kunden und Geschäftspartnern, übernommen, um sich in seine neue Funktion einarbeiten zu können. Der Diplomingenieur für Elektrotechnik nimmt derzeit an einer Konferenz beim Partnerunternehmen in China teil.

Große Freiheit bei eigenen Entscheidungen

„Wir müssen sehen, wie wir die Geschäfte ausbauen und den Betrieb verjüngen können“, sagt der geborene Luckenwalder, der heute in der Gemeinde Nuthe-Urstromtal lebt. Obwohl Frenzel bereits seit 19 Jahren in dem Neuseddiner Betrieb arbeitet, weiß er, dass jetzt noch andere Herausforderungen auf ihn zukommen als die auf den Kunden oder den Geschäftspartner individuell zugeschnittene Entwicklung und Herstellung von Prüf- und Messgeräten für den Edelkristall.

Erste Diamanten schon 1979 gezüchtet

Die ersten Diamanten züchtete Heiner Vollstädt bereits 1979 als Bereichsleiter in der Hochdruckforschung des DDR-Zentralinstituts für Physik der Erde auf dem Potsdamer Telegraphenberg.

Mit der Gründung seiner Firma in den Jahren 1992/93 rettete Vollstädt die Forschung und die begonnene Produktion von Industriediamanten in der DDR, die nach der Wende nicht mehr gefragt waren. Den betreffenden Firmen fehlten Werkzeuge und Industriediamanten sowie deren Know how zum effektiven Einsatz der Diamanten.

Die ersten Geräte zur Qualitätsprüfung und Sortierung der Diamanten wurden in den Jahren 1995 bis 2000 entwickelt und produziert.

In den 25 Jahren ihres Bestehens hat die Vollstädt Diamant GmbH zehn verschiedene Mess- und Sortiergeräte entwickelt und produziert sowie mehr als 200 Stück davon verkauft.

„In all den Jahren hat uns Heiner Vollstädt unsere Stärken ausspielen lassen. Wir hatten bei ihm die große Freiheit, Entscheidungen eigenständig zu treffen“, sieht Frenzel seiner neuen Aufgabe zuversichtlich entgegen. Doch es ist nicht so einfach, Leute zu finden, die mit ihrer eigenverantwortlichen Arbeit jene Qualität erreichen, die der Betrieb braucht, und die auch bereit sind, sich dafür qualifizieren zu lassen, räumt der designierte Geschäftsführer ein.

Körnungen sollen kleiner werden

Auch auf wissenschaftlich-technischem Gebiet arbeitet die Firma an neuen Anforderungen. So soll die bisherige Körnung der Werkstoffe weiter verkleinert werden. Dafür müssen wieder Geräte entwickelt beziehungsweise vorhandene Technik – wie beispielsweise ein Spezialmikroskop, mit dem dann besonders kleine Körnungen von Schleifstoffen auf ihre Qualität untersucht werden können – angepasst werden. Die 20 Parameter, die derzeit für die herkömmliche Körnung gelten, sollen natürlich ebenso aktualisiert werden.

Wechsel seit einem Jahr geplant

Seit etwa einem Jahr arbeiten er und Vollstädt an dem gleitenden Führungswechsel. Nach seinem Studium in Magdeburg hatte Frenzel zunächst in einer kleinen Teltower Firma gearbeitet, die für die Vollstädt Diamant GmbH zugeliefert hatte. Von dort hatte ihn der habilitierte Mineraloge schließlich nach Neuseddin geholt. Mit ihrer dreigliedrigen Firmenstruktur von Gerätefertigung für die Prüfung und Sortierung von Diamanten, Technikum für das Prüfen von Diamanten und Handel mit Diamantwerkzeugen nimmt die Vollstädt GmbH auf dem kleinen, überschaubaren Markt in der Welt seit Jahren eine stabile Alleinstellungsposition ein.

Die Vollstädt Diamant GmbH will die bisherige Körnung der Werkstoffe verkleinern. Dazu muss sie entsprechende Geräte entwickeln und herstellen beziehungsweise die vorhandene Technik anpassen. Quelle: Julian Stähle

Seine zweite, kleinere Privatfirma an seinem Wohnhaus in Seddin möchte Vollstädt allerdings noch ein wenig weiter betreiben. Dort will sich der Jubilar den gezüchteten Edelkristallen widmen und alle Leute beraten, die sich mit geschliffenen Diamanten beschäftigen. Seine Frau wartet schon sehnsüchtig darauf, dass er ihr einige Arbeiten im Garten abnimmt, sagt Vollstädt. Bislang kümmert sie sich zu 90 Prozent um die häusliche Grünpflege.

Mineralien bleiben sein Hobby

Auf die Mineralienstrecke will Vollstädt jedoch nicht ganz verzichten. Sie bleibt auch weiterhin sein Hobby, sagt er. Sein größtes Projekt ist der Findlingsgarten in Kähnsdorf, den er im September 2001 eröffnet hat. In den Jahren sind seitdem zahlreiche Attraktionen, wie etwa die schwimmende Kugel oder der Summstein hinzugekommen. Steinmetze stellen auf mehreren Festen im Jahr ihre Arbeit vor und Chöre messen beim Sängerfest ihre musikalischen Qualitäten. Der nächste Wettstreit findet am 25. August statt. Noch will Heiner Vollstädt die Betreuung der Anlage nicht aus der Hand geben. Doch er weiß, dass er auch dafür bald einen Nachfolger braucht.

Von Heinz Helwig

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