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Seddiner See Kinder zeigen ihre Talente
Lokales Potsdam-Mittelmark Seddiner See Kinder zeigen ihre Talente
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19:38 10.08.2018
Zur Abschlusspräsentation auf dem Neuseddiner Breitenbachplatz kamen auch einige Eltern der Kinder. 
Zur Abschlusspräsentation auf dem Neuseddiner Breitenbachplatz kamen auch einige Eltern der Kinder.  Quelle: Fotos (3): Andreas Trunschke
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Neuseddin

Ole Babenschneider (11) und Khaled Kagrum (10) aus Neuseddin sind sich einig: „Uns hat alles gefallen.“ Beide präsentieren auf dem Breitscheidplatz gemeinsam mit anderen Kindern, was sie in den vergangenen Tagen gemacht haben. Insgesamt zwanzig Kinder aus Deutschland, Syrien, Tschetschenien, Iran und Irak hatten an einem interkulturellen Ferienprojekt am Übergangswohnheim Neuseddin teilgenommen. Fragt man die beiden Jungen, was genau ihnen gefallen hat, dann nennen beide die Ausflüge in die Natur, das Eis, das sie bekommen haben, die Treffen mit Freunden aus der Schule, die Masken sowie die Geschichte, um die sich das Projekt drehte.

Mit Hilfe eines syrischen Tischlers bauten die Kinder in ihrem Talent-Camp in Neuseddin eine kleine Hütte und eine Bank. Quelle: Andreas Trunschke

Die Geschichte ist die von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. „Die Situation der beiden ähnelt ein wenig der Situation der teilnehmenden Kinder“, findet Anne-Rebekka Düsterhöft-Wallner, die nicht nur das Übergangswohnheim leitet, sondern sich das Projekt ausgedacht hat. Es richtet sich allgemein an Kinder, die nicht in die Ferien oder in den Urlaub fahren können. Anhand eines bekannten und sprachästhetisch anspruchsvollen Kinderbuches sollen die Kinder die sie umgebende Natur entdecken, miteinander spielen, sprachliche Barrieren überbrücken und Gemeinsamkeiten erkennen. Begleitet werden sie dabei durch Theaterpädagogen um Dominik Eichhorn aus Berlin: „Ganz wichtig war, dass auch gelesen und zugehört wurde.“

Anhand der Geschichte eigene Eigenschaften entdeckt

Das Talent-Camp in Neuseddin richtete sich an Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 18 Jahre.

In Neuseddin leben nach Angaben der Gemeindeverwaltung Seddiner See derzeit etwa 390 Kinder in dem genannten Alter.

Nach Angaben der Verwaltung leben 31 Prozent der Eltern, die ihre Kinder im Hort betreuen lassen, an oder knapp über der Grundsicherungsgrenze.

Begegnungen zwischen Neuseddiner Kindern und Kindern aus dem Übergangswohnheim gibt es bislang lediglich nur in der Grundschule.

Anhand der Geschichte von Tom Sawyer und Huckleberry Finn sollten die Kinder die Bedeutung solcher Eigenschaften wie Toleranz, Zusammengehörigkeit und Vertrauen für sich selbst entdecken.

Das war auch die Grundidee von Wallner, die selbst aus dem Theaterbereich kommt. Natürlich wurde vorher die anspruchsvolle Sprache von Mark Twain etwas vereinfacht. Bemerkenswert findet Eichhorn dennoch, wie sehr sich der Wortschatz in den zehn Projekttagen gesteigert hat: „Vor allem trauen sie sich jetzt mehr zu sprechen.“ Selbst ein Erstklässler aus Syrien trägt selbstbewusst vor den Zuschauern auf dem Breitscheidplatz einige Sätze des Huckleberry Finn vor.

Ein syrischer Junge trägt einen Auszug aus der Geschichte von Tom Sawyer und Huckleberry Finn vor. Mit der Maske sollte dabei bewusst die Mimik verdeckt werden. In dem Feriencamp kam es auf die Körpersprache an. Quelle: Andreas Trunschke

Theaterpädagoge Dirk Kaufmann aus Hildesheim fand das Projekt so spannend, dass er sich sofort bei Eichhorn bewarb, um mitmachen zu können. Er erzählt, wozu die Masken dienten, die die Kinder so toll finden, dass sie sie bei der Präsentation am liebsten nicht mehr absetzen wollen: „Wir wollten, dass sie sich auf die Körpersprache konzentrieren. Mit den Masken haben wir die Mimik weggenommen.“ Wichtig für das Projekt war auch, „dass gemeinsam etwas geschaffen wurde“. So halfen die Kinder passend zur Geschichte um Sawyer und Finn einem syrischen Tischler eine Hütte und eine Bank zu bauen und bunt anzumalen. Eigentlich sollten die Hütte und die Bank im Wald stehen. Aber wegen der aktuellen Brandgefahr ging das natürlich nicht mehr.

Das ganze Projekt begeistert auch Indra Kühlcke und Nicolle Wundrich von der Kreisvolkshochschule Potsdam-Mittelmark. Wundrich übernahm die Antragstellung im Rahmen der TalentCAMPus-Konzepts des Deutsche Volkshochschul-Verbands (DVV), das wiederum auf dem Förderprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung basiert. Der Erfolg mit dem größten Förderprogramm der kulturellen Bildung in Deutschland macht allen Mut. Wallner, Kühlcke und Wundrich planen schon die Fortsetzung mit Harry Potter.

Von Andreas Trunschke