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Potsdam-Mittelmark Seeadler ist größte Gefahr für junge Trappen
Lokales Potsdam-Mittelmark Seeadler ist größte Gefahr für junge Trappen
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17:29 10.04.2018
Exklusive Bilder erhofft. Wolfgang Piecha aus Berlin auf dem Fotoposten in den Belziger Landschaftswiesen, Quelle: Andreas Trunschke
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Baitz

In den Belziger Landschaftwiesen geht es gerade zur Sache. Bei den ohnehin seltenen Großtrappen wird spektakulär gebalzt. Doch Nachwuchs ist noch lange nicht gewiss.

Aus dem Grund wird das erste Gelege wvon den Menschen weggenommen und dann stationär ausgebrütet. „Zu der Zeit sind Vor Ort noch nicht ausreichend Insekten als Nahrungsgrundlage vorhanden, so dass die Küken nicht überleben würden“, erklärt Katrin Dörrwand. „Außerdem werden auf diese Weise die Hennen motiviert, sich noch einmal einen Hahn zu suchen und neue Eier zu legen“, so die Rangerin.

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Zuletzt erhebliche Verluste

Der Eingriff der Menschen verbessert demnach die Chance auf eine zweite Brut, von der in den vergangenen Jahren allerdings nie ein Vogel überlebt hat. Von den in beim Förderverein in Buckow ausgebrüteten und später ausgewilderten Tieren überlebt immerhin die Hälfte.

Das erfahren die Teilnehmer der Exkursion der Naturwacht „Hoher Fläming“, die alljährlich im Frühjahr in eines der letzten Reviere des Märkischen Straußes angeboten werden. Zum Glück hat der Regen aufgehört, nur zuweilen bläst der Wind noch herüber.

Rangerin Katrin Dörrwand informiert über die Entwicklung der Bestände in die Belziger Landschaftswiesen Quelle: Andreas Trunschke

Zwar ist Katrin Dörrwand optimistisch ist, dass die Trappen noch balzen. Zu sehen bekommen die Besucher das aufgeplusterte Gefieder der Männchen nicht. Niemand äußert Enttäuschung. Denn mit den Spektiven sind zumindest die Großtrappen auch in mehreren hundert Metern noch gut zu erkennen. Nur der Hahn mit seinen fünf Hennen, von dem Dörrwand zuvor an der Naturschutzstation in Baitz erzählt hatte, ließ sich nicht blicken.

Via Brück geht es bis Freienthal. Dörrwand berichtet über die schwierige Rettung der Großtrappe, von der es auf dem Tiefpunkt gerade noch 57 Exemplare in Deutschland gab. Heute sind es zumindest wieder 259. Unter anderem wegen aufwendi

Faszinierendes Schauspiel: der Balztanz der Großtrappen. Quelle: Dpa

gem Naturschutz und Rücksichtnahme der Landwirtschaft.

Der größte Feind der Trappen derzeit ist nach Beobachtung von Katrin Dörrwand ein Seeadler. Er schwebt regelmäßig vom nahen Truppenübungsplatz ein und treibt die Herde auseinander. Deshalb bekommen die jungen Trappen alle einen Peilsender, damit sie anschließend wieder eingesammelt werden können. Pro Woche holt sich der fliegende Räuber zwei bis drei Jungtiere. Selbst waren die Adler bis in die 80er fast ausgerottet, Bejagung ist demnach kein Thema. Der Abstand des Geheges zu seinem Horst ist jetzt noch mal vergrößert worden.

Wolf lässt die Trappe in Ruhe

Im vergangenen Jahr hat zudem der viele Regen seine Opfer gefordert, hieß es. Ein anderer Feind der Jungtrappen ist der Fuchs. Nach drei Wochen haben die Tiere die Größe eines Huhns, können aber noch nicht wegfliegen. Eine ideale Beute für Meister Reinecke. Deshalb bemüht sich eine Hegegemeinschaft der Landschaftswiesen, junge Füchse zu schießen. Der Wolf dagegen ist bisher kein Problem für die Trappen, auch wenn er sich durchaus auf den Belziger Landschaftswiesen blicken lässt.

Hobby-Natur-Fotogras Wolfgang Piecha ist extra aus Berlin wegen der Vögel angereist und hat sich gleich für drei Tage einquartiert: „Mir war schon klar, dass ich nicht gleich Glück haben werde.“

Spannende Entdeckungen am Rande

Kathrin Piske wohnt in Brück und hatte sich schon lange vorgenommen, sich die Vögel einmal bei einer Führung anzusehen. Die ehrenamtliche Engagierte von der Initiative „Brück hilft“ hat gleich noch vier syrische Jungs mitgenommen. Auch für sie gibt es neben den Trappen noch mehr zu entdecken. Zwei Rehe springen immer wieder mal über die Wiesen. Nicht weit entfernt sitzt ein Fischadler, der anders als der Seeadler keine Gefahr für die Trappen bedeutet.

Ronald Kohl aus Luckenwalde ist jetzt begeistert: „Durch die Spektive habe ich sie besser gesehen als je zuvor. Außerdem sorgt der Wind dafür, dass es aussieht, als ob die Hähne sich zur Balz aufplustern.“ Er ergänzt ganz ohne mit den Augen zu zwinkern: „Mich hat meine Frau geschickt. Ich soll mir was abschauen, um mein Balzverhalten zu verbessern.“

Von Andreas Trunschke