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Potsdam-Mittelmark Selbst Hans Wurst gewann Publikum für sich
Lokales Potsdam-Mittelmark Selbst Hans Wurst gewann Publikum für sich
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20:10 06.08.2017
Mirco Thiele begeisterte als Hans Wurst das Publikum beim fünften Dahnsdorfer Festival für Freunde. Es erlebte am Wochenende seine 5. Auflage. Quelle: tobias potratz
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Dahnsdorf

Wo ist eigentlich Hans Wurst? Top-Manager haben Apps, um noch reicher zu werden. Kinder sind durchweg hochbegabt und sprechen schon im Kindergarten chinesisch. Alles super. Alles perfekt. Aber gibt es gar keinen Durchschnitts-Hans-Wurst mehr? Die Frage stellt Komiker Mirco Thiele beim Festival für Freunde.

„Heute muss man eine Superversion von sich selbst sein“, gibt er selbst die Antwort und erzählt von optimal optimierten Fotos in den sozialen Netzwerken, die Menschen häufig im Internet veröffentlichen. Sein Erscheinungsbild indes: Leicht übergewichtig, hohe freundliche Stimme und er trägt gern ein Bananenkostüm.

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Das Publikum macht mit

Letzteres ist ein wichtiges Hilfsmittel seiner Show. Vor 50 Zuschauern in der Hofscheune zeigt er wie einfach, lustig, ja wie hanswurstig das Leben sein kann. Als Banane verkleidet rutscht er auf Bananenschalen aus, trinkt Wurstwasser mit Strohhalm und fährt unbeholfen auf Rollschuhen durch den Raum. Er philosophiert über Komik und Freude. Die schönste Freude sei Schadenfreude, sagt der 44-Jährige. Die ist so schön, dass die Engländer nicht mal eine Übersetzung dafür haben. Sie heißt im Englischen tatsächlich: the schadenfreude. Auch der Liebe schenkt er Beachtung und stellt dem Publikum die Aufgabe sich doch bitte während seines Auftrittes ineinander zu verlieben. Einige Zuschauer greifen schnell ihren Nebenmann und lehnen sich an.

Im Publikum wird eine Stunde lang gelacht, gekuschelt und genascht. Zur großen Freude der Kinder in der ersten Reihe wirft Thiele Schokolade ins Publikum. Für die Eltern lässt er eine Wodkaflasche rumgehen. Ein Hans Wurst hat auch Durst. Aber nicht zu viel, denn die nächsten Höhepunkte warten.

Malerei von Eva Galonska aus Bad Belzig schmückt die Wände Quelle: Tobias Potratz

„Wir haben diesmal 26 Acts in vier Tagen“, sagt Organisatorin Marie Golüke über die fünfte Ausgabe der Veranstaltung. Theatereinlagen, Lesungen und Musikdarbietungen wechseln sich ab. An den Scheunenwänden gibt es zudem Bilder der Bad Belziger Künstlerin Eva Galonska zu sehen. Zwischen den Präsentationen auf den Bühnen schlürfen die Gäste unter sonnigem Himmel Eistee, Obstwein oder lassen sich frischgebackene Waffeln am Hof-Teich schmecken.

Gesellschaftskritik in Gedichten

Im Schatten des am Teich wuchernden Bambus liest derweil ein grauhaariger Mann mit weißem Vollbart japanische Gedichtformen, die sich um Natureindrücke ranken. Er heißt Parijato Muster. Der Autor kommt aus Lübeck und ist schon Stammgast auf dem Festival. Auch in seinem Auftritt schwingt Gesellschaftskritik mit. „Die neuen Medien planen eine feindliche Übernahme der eigenen Bilder“ heißt es in einem seiner lyrischen Texte. Kritik an perfekten und inszenierten Bildern in sozialen Netzwerken? Hans Wurst gefällt das.

Von Tobias Potratz

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