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Potsdam-Mittelmark Sportverein behält Regie für Flämingbad
Lokales Potsdam-Mittelmark Sportverein behält Regie für Flämingbad
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16:04 24.11.2017
In der herausgeputzten Gaststätte „Flämingbad“ in Dietersdorf veranstaltet ein  Kulturverein regelmäßig Tanznachmittage sowie Vorträge für Senioren. 
In der herausgeputzten Gaststätte „Flämingbad“ in Dietersdorf veranstaltet ein Kulturverein regelmäßig Tanznachmittage sowie Vorträge für Senioren.  Quelle: Uwe Klemens
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Dietersdorf

Das Freibad im Ortsteil Dietersdorf verbleibt im Eigentum der Stadt Treuenbrietzen. Diese soll die Freizeitstätte samt des Sozialgebäudes mit verwaister Wohnung sowie ehemaliger Gaststätte nun langfristig an den örtlichen Sportverein Flämingbad verpachten. Dafür ist ein symbolischer Preis von einem Euro jährlich vorgeschlagen. Auf diese neue Variante verständigten sich die Mitglieder des Hauptausschusses am Mittwochabend. Entscheiden muss letztlich noch die Stadtverordnetenversammlung.

In deren Sitzung eine Woche zuvor sollte noch über einen Verkauf für einen Euro an den Verein befunden werden. Doch wurde der Beschluss vertagt. Kurz zuvor ging nämlich noch ein Angebot eines Privatmannes aus Treuenbrietzen ein. Gerhard Sperber bot den Kauf an zum Bodenrichtwert von 9999 Euro für das insgesamt knapp 14 900 Quadratmeter große Gelände samt Gebäuden.

Privates Kaufgebot abgelehnt

Der Hauptausschuss lehnte dieses Angebot nun jedoch ab. Vielmehr soll der Sportverein langfristig Planungssicherheit erhalten. Er betreibt das Bad seit 1990 und seit 2009 in Eigenregie ohne Zuschüsse der Stadt. Im wieder sind neue Probleme zu meistern. Das gelingt vor allem durch den Einsatz treuer ehrenamtlicher Helfer. Der Vertrag zwischen Stadt und Sportverein verlängerte sich jährlich automatisch, während die finanziell angeschlagene Kommune im Zuge ihrer Haushaltskonsolidierung seit Jahren einen Käufer für den Komplex suchte. Jedoch ohne Erfolg.

Sprungturm zieht Gäste an

Das Gelände des Freibades Dietersdorf gehört der Stadt Treuenbrietzen. Es umfasst zwei Flurstücke mit einer Gesamtgröße von 14 867 Quadratmetern.

Errichtet wurde das Bad von 1972 bis 1974 unter maßgeblicher Beteiligung von Landwirtschafts-Genossenschaften und weiteren Betrieben aus Orten der Umgebung.

Nach der Wende stand die Schließung des Bades zur Diskussion. Schließlich war aber der Sportverein bereit, das Freibad zu betreiben.

Von Besuchern geschätzt werden die beiden je 50 Meter langen Badebecken sowie der Drei-Meter-Sprungturm und die großen Grünflächen drumherum.

Die ewige Unsicherheit sollte endlich mal ein Ende haben“, sagte Vereinschef Joachim Theuerkauff im Hauptausschuss. Der Dietersdorfer begrüßte das nun für mindestens 20 Jahre vorgeschlagene Pachtmodell. Damit werde es dem Verein möglich, „das Bad den Bürgern weiterhin als Sport-, Kultur- und Begegnungsstätte zur Verfügung zu stellen“.

Gerhard Sperber hatte indes geplant, im Bad preiswerte Quartiere für Touristen anzubieten. „Das Bad und die Landschaft sind gute Anziehungspunkte“, sagte Sperber. Dem Verein bot er eine mietfreie Kooperation an.

Alle Fraktionen sind sich einig

Über alle Fraktionen hinweg herrschte jedoch Einigkeit für das Pachtmodell mit dem Sportverein, um dessen Engagement zu honorieren. „Die 10 000 Euro beim Verkauf retten unsere Finanzlage auch nicht entscheidend“, sagte Anja Schmollack. Ein privater Verkauf „ würde das Ehrenamt aushebeln“, so die CDU-Chefin. „Wenn wir verkaufen, dann nur zum Restbuchwert von knapp 54 000 Euro“, sagte Gerald Paul (TBV). Frank Leopold und Fraktionschefin Edith Rettschlag von der BIV verwiesen auf die Leistungen der Betriebe aus dem Umland damals zum Aufbau des Bades. Auch heute fließe von dort noch finanzielle und materielle Unterstützung. „Aber wohl nur für einen Verein“, so Rettschlag.

Das Flämingbad Dietersdorf ist auch wegen der großen Schwimmbecken beliebt. Quelle: Uwe Klemens

Angst um die Zukunft ihres Treffpunktes in der ehemaligen Gaststätte „Flämingbad“ hat unterdessen nun die Gruppe „Begegnungsstätte Treuenbrietzener Kulturverein“. Der Verein war im Jahr 2015 von Treuenbrietzen nach Dietersdorf gezogen, wo die Stadt die Gaststätte am Bad zur Verfügung stellte. „Bis zu zweimal monatlich bieten wir Tanznachmittage für Senioren sowie Vorträge und Beratungstermine an“, erklärt der Vereinsvorsitzende Manfred Lukas. Bis zu 60 Personen aus Orten der näheren und weiteren Umgebung bis hin nach Borkheide und in den Landkreis Teltow-Fläming hinein schätzen das Angebot. Auch der Fastnachtstanz im Dorf lebte so dieses Jahr in der alten Gaststätte wieder auf.

Kulturverein hat Gaststätte aufgemöbelt

„Wir haben viel eigene Kraft, Material und etwas Fördergeld in die Räume gesteckt, damit sie überhaupt wieder nutzbar sind“, erzählt Vereinsmitglied Wolfgang Meyer. Es wurden Räume renoviert, Tresen und Elektroanlage in Schuss gebracht, Möbel besorgt und ein neues Heizgerät eingebaut. Der Verein trägt alle Betriebskosten. „Acht Jahre lang stand die Gaststätte zuvor leer und war teilweise verwüstet. Niemand hatte sich gekümmert“, sagt Manfred Lukas. Er und seine 17 Vereinsmitglieder fürchten nun, „dass wir hier wieder raus müssen“, wenn es neue Besitzverhältnisse gibt. Die Kommunikation mit dem Sportverein sei bisher schwierig. „Doch hoffen wir weiter, mit dem Badverein ins Gespräch zu kommen, um uns beim Erhalt des gesamten Komplexes gegenseitig zu ergänzen“, sagt Elfriede Meyer vom Kulturverein.

Von Thomas Wachs