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Potsdam-Mittelmark Stahlhelm und Forum-Schecks fürs Museum
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahlhelm und Forum-Schecks fürs Museum
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17:45 18.08.2016
Solcherlei Zeugen der Geschichte haben Kleinmachnower aufgehoben und für die erste Ausstellung am 10. September angeboten. Quelle: Martin Steger
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Kleinmachnow

Auf dem Weg zu einem Museum, „das keine Heimatstube sein soll“, begleitet Alexis Hyman Wolff (33) die Kleinmachnower und gibt als Kuratorin „einen Rahmen zur Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und Geschichte“. Spannend für die Amerikanerin, die seit 2012 in Deutschland lebt: „Hier kann mit breiter Bürgerbeteiligung ein Museum ohne Sammlung aufgebaut werden. Es ist toll, dass die Gemeinde offen ist für neue Möglichkeiten.“ Von März bis Ende September läuft ihre Projektanstellung.

Die Wissenschaftlerin, die seit 15 Jahren Erfahrungen in der Museumsarbeit hat, kennt die Debatten um Für und Wider und den Standort für ein Museum. Ihre Konzeptempfehlungen legt sie am 20. September im Kulturausschuss dar. „Ich werde ein Konzept erarbeiten, das überall machbar ist“, so Hyman Wolff. Das von der Museumsinitiative favorisierte Haus Karl-Marx-Straße 117, in der jetzt die Projektarbeit mit fünf Themengruppen läuft, hat „einen wunderbaren historischen Wert als erstes Siedlungshaus“, aber eine Ortsempfehlung gebe sie nicht. „Ein Museum muss nicht groß sein, aber es braucht einen Ort, der als Begegnungsstätte und Werkstatt“ dienen könne. Auch sei „eine Dauerausstellung nicht zwingend“. Ihre Idee: Es gibt Ausstellungen mit unterschiedlichen Fragestellungen, aber auch „Basisgeschichte“ zum Ort; „das ist der Wunsch vieler“. Dafür wäre der Heimatverein mit seinem Archiv ein Kooperationspartner.

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Museumskuratorin Alexis Hyman Wolff vor dem Haus Karl-Marx-Straße 117, in dem jetzt die Projektarbeiten laufen und die erste Ausstellung gezeigt werden soll. Quelle: Martin Steger

Da gerade für Kleinmachnow der Heimatbegriff besondere Bedeutung hat, weil hier „Umwandlung immer da ist“, würde Hyman Wolff auch die Erfahrungen und kulturellen Hintergründe der Zugezogenen miteinbeziehen.

Einen Zwischenschritt im Prozess der Museumsgründung bildet die Ausstellung vom 10. bis 18. September mit Ideen und Exponaten. Dafür sind die Einwohner aufgerufen, „Gegenstände mit Geschichten“ auszuleihen. Vieles ist schon zusammengekommen – vom Stahlhelm bis zu Forum-Schecks und einer Pistole, die aus dem napoleonischen Krieg stammen soll. Auch alte Lebensmittelmarken, deren Rückseite aus Mangel an Papier in der Verwaltung als Amtsschreiben genutzt wurden sind dabei. Es gibt alte Grenz-Schilder aus der DDR-Zeit, „Kochlöffel mit deutlichen Gebrauchsspuren“, Frosch-Spielzeug aus den 1960er Jahren, das bei einem Kleinmachnower Holzspielzeugmacher entstanden ist. „Das Interesse ist sehr groß. An den Freitagen kommen immer so bis zu 20 Leute, die sich hier informieren, sich das Haus anschauen und über die Dinge sprechen, die gewünscht sind“, erzählt Hyman Wolff. Viele denken, sie müssten sich von alten Artefakten trennen. Doch dem ist nicht so, beruhigt die Kuratorin. „Es geht um Gegenstände, die die Menschen aufgehoben haben und die eine Geschichte haben.“ Die Kuratorin fotografiert, aber lagert die Exponate nicht. Die Geschichten werden in der Ausstellung dann anonym dazu gestellt.

Unter dem Motto „Wir machen ein Museum – Machen Sie mit!“ können noch bis zum 2. September, immer freitags von 14 bis 18 Uhr, Exponate in der Karl-Marx-Straße 117 vorgestellt und mit Alexis Hyman Wolff Gespräche geführt werden.

Auch eine Sammlung von Bleistiftanspitzern hat für Kleinmachnower eine Geschichte. In der ersten Ausstellung soll sie anonym erzählt werden. Quelle: Martin Steger

Von Claudia Krause

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