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Stahnsdorf Ein Herz für Schwalben
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Ein Herz für Schwalben
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02:20 26.05.2018
Manfred Pohl (l.) vom Naturschutzbund hat Milić Škorić Urkunde und Plakette des Projekts „Schwalben willkommen!“ übergeben. Quelle: Stephan Laude
Güterfelde

Als Kind hat er jungen Katzen das Leben gerettet. Sie sollten ertränkt werden. Seine Stube glich einem Krankenzimmer für Tiere. Das ist eine Ewigkeit her. Milic Škoric lebte in einem Dorf bei Zadar, direkt an der Adriaküste. 1969 kam er nach West-Berlin. Seit 1990 lebt er in Güterfelde. An der Tür seiner Garage ist jetzt eine Acrylglas-Plakette angeschraubt: „Schwalben willkommen!“ Mit der Plakette und einer Urkunde ehrt der Landesverband des Naturschutzbundes Nabu Menschen, die sich für den Schutz der Schwalben verdient gemacht haben. Mehr als 700 solcher Ehrungen hat es seit Beginn des Projekts im Jahr 2012 schon gegeben. Man kann sich beim Nabu darum bewerben.

16 Schwalbenester auf dem Grundstück

16 Rauchschwalbennester hat Škoric momentan auf seinem Grundstück, fünf davon sind besetzt. Ein paar hat er selbst gebaut. „Ich kenne mich mit Lehmbau ja aus“, sagt der 69-jährige, der Garten- und Landschaftsbautechniker gelernt hatte. Er hatte sogar mal 28 Nester auf dem Grundstück. Aber dann musste er eine Halle abreißen. Wie sich dabei herausstellte, lebten dort nicht nur Schwalben, sondern auch Fledermäuse. Zweimal, berichtet Škoric, habe er eine Baugenehmigung beantragt, aber keine bekommen. Deshalb musste die Halle weg. Das bedeutete auch das Aus für die Lackier- und Karosseriefirma, die Škoric Ende der 1990er-Jahre gegründet hatte und in der er zehn Leute beschäftigte. Aber er hatte ja an der Adria ein Apartmenthaus. Es sollte seine Altersversicherung sein, doch es wurde gesprengt. Seine Schadenersatzklage gegen den kroatischen Staat sei in dritter Instanz abgelehnt worden, berichtet Milic Škoric. Er hatte nicht viel Glück im Leben. „Viele Menschen haben mich enttäuscht, die Tiere nie“, sagt er. Wenn er nicht auf seinem Grundstück ist, an dem er das Firmenschild trotzig drangelassen hat, dann wohnt er in Berlin als Untermieter bei einem Freund. Die Rente ist mager.

 In Milic Škorićs Garage in Güterfelde sind Rauchschwalben und ihre Artgenossen jederzeit herzlich willkommen. Quelle: Stephan Laude

In Güterfelde singen nicht nur die Schwalben. Manfred Pohl, 1. Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Potsdam, Ornithologe und Überbringer der Ehrung, hört am Gartentisch sitzend eine Nachtigall, einen Stieglitz, einen Girlitz, einen Fasan, einen Bluthänfling – die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Ein Hausrotschwanz ist auch dabei. Für den hat Škoric extra ein Domizil gebaut, falls eines gebraucht wird.

Ein Naturliebhaber ohne Ende, sagt Nabu-Chef Pohl über Škoric, einer der sich unglaubliche Mühe gebe. Auf einen Naturfreund, der in seinem Leben derart schmerzhafte Rückschläge erlitten hat, ist er beim Überbringen der Urkunden noch nicht gestoßen.

Zahl der Schwalben nimmt stetig ab

Der Nabu will mit den Auszeichnungen Öffentlichkeit für die Schwalben herstellen. Sie stehen unter Naturschutz, aber ihre Zahl nimmt seit Jahren stetig ab, nicht zuletzt, weil viele Menschen Schwalbennester an Wohnhäusern, Nebengebäuden und Ställen nicht mehr dulden. Bitte mehr Toleranz gegenüber wohnungssuchenden Vögeln! Das ist die Botschaft. Die Plakette, die auch Schulen, Hotels, Pferdehöfe und andere Einrichtungen bekommen können, sollen andere Menschen ermuntern, ebenfalls etwas für den Schutz der Schwalben zu tun, sagt Manfred Pohl.

Neben den Rauchschwalben gilt die Aufmerksamkeit auch den Mehlschwalben. Wer ihnen Nistmöglichkeiten am Balkon einräumt – gegen die Verschmutzung hilft ein Kotbrett –, kann ebenfalls eine Plakette bekommen, auch wer Uferschwalben entdeckt und dokumentiert. Sie sind an der Küste häufig zu finden, siedeln sich aber auch im Binnenland an, zum Beispiel an Sandgruben.

Info Bewerbungsformulare unter www.brandenburg-nabu.de oder Tel 0331/2 01 55 70.

Rauchschwalben, Mehlschwalben, Uferschwalben

Schwalbennester werden von vielen Hausbesitzern wegen der Verschmutzung durch Kot nicht geduldet.

Die Möglichkeiten zum Nestbau sind zunehmend eingeschränkt, weil raue Fassaden durch glatte ersetzt wurden. Auf ihnen halten die Nester der Schwalben schlecht.

Rauchschwalben leben in Kulturlandschaften mit Bauernhöfen, Wiesen und Teichen. Charakteristische Merkmale: tief gegabelter langer Schwanz, metallisch glänzender blau-schwarzer Rücken, Kehle kastanienbraun.

Mehlschwalben bauen ihre Nester zum Beispiel an senkrechten Wänden von Dachtraufen oder Toreinfahrten.

Im Vergleich zur Rauchschwalbe zeichnet sie ein weniger stark gegabelter Schwanz aus, Rücken, Flügel-Oberseite und Schwanz sind blau-schwarz, die Unterseite weiß.

Uferschwalben besiedeln vorzugsweise Flussufer, Küstenstreifen sowie Lehm- und Kiesgruben.

Sie haben einen nur leicht gegabelten kleinen Schwanz; die Oberseite ist erdbraun, die Unterseite der Vögel weiß mit graubraunem Brustband.

Von Stephan Laude

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