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Stahnsdorf Am Anfang einer großen Vision
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Am Anfang einer großen Vision
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18:52 14.01.2019
Wolfhardt, Anne und Sebastian Schroedter (v. l.) wollen die Ruine der ehemaligen Hautklinik in Güterfelde zu einem Elisabeth-Sanatorium mit Mehrgenerationenhaus umbauen. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
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Güterfelde

„Es geht mit großen Schritten voran“, sagt Sebastian Schroedter – und denkt mit Freude an das große Projekt „Elisabeth-Sanatorium“, das er seinem Vater Wolfhardt und seiner Schwester Anne Schroedter vorantreibt. Der wohl größte Erfolg seit dem Kauf des verfallenden Gebäudes an der Abfahrt der L40 in Güterfelde vor einem Jahr sei, dass ihnen die Befreiung aus dem Landschaftsschutzgebiet Parforceheide in Aussicht gestellt wurde, in dem ein Teil des Grundstückes liegt, erzählt er.

Verschiedene Wohnformen und eine Kita

Das bestätigt die Untere Naturschutzbehörde: Die Gemeinde Stahnsdorf habe um die Feststellung einer „Befreiungslage“ gebeten, heißt es auf MAZ-Anfrage: „Diesem Antrag konnte entsprochen werden.“ Im Verfahren zum Bebauungsplan „Mehrgenerationen-Campus am Potsdamer Damm“ und der parallelen Änderung des Flächennutzungsplanes wird der Landkreis noch beteiligt und Stellung nehmen. So werde sichergestellt, dass auch tatsächlich umgesetzt wird, was angefragt worden sei, erklärt Schroedter.

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Das Gebäude der ehemaligen Hautklinik in Güterfelde soll zuerst saniert werden, um es vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Quelle: Archiv/Claudia Krause

Inhaltlich habe sich aber nichts geändert, sagt er. Nach wie vor sei ein Mehrgenerationen-Konzept geplant, mit verschiedenen Wohnformen und einer Kita. Klar sei, dass die Sanierung der alten Klinik Vorrang vor neuen Modulen habe, da der Verfall des Gebäudes aufgehalten werden müsse. Schroedter ist sich der damit verbundenen Probleme bewusst: „Das ist ein Denkmal, da können wir natürlich nicht komplett frei agieren.“ Es dürfe jedoch keine überzogenen Forderungen von den Behörden geben, hofft er. Küchen und Bäder mit Originalfliesen etwa seien nicht realisierbar. Es müssten Räume vergrößert werden, während der ursprüngliche Charakter beibehalten werde, und die Barrierefreiheit müsse gewährleistet werden. „Es muss ein Miteinander geben“, sagt er. Die Familie habe jedoch auf jeden Fall vor, „das Denkmal in einem vernünftigen Maß zu erhalten“.

Einladung zur Projektvorstellung

Um Nachbarn und allen Interessierten ihre Pläne zu präsentieren, lädt die Familie Schroedter am Samstag, dem 26. Januar, von 13 bis 16 Uhr zur Diskussion bei Grillwurst, Bier und alkoholfreien Getränken auf das Grundstück des Elisabeth-Sanatoriums, Potsdamer Damm 1, ein.

Aus Bausicherheitsgründen kann zwar das Gebäude in dem Stahnsdorfer Ortsteil nicht besichtigt werden, die Familie steht aber für alle Fragen zur Verfügung, Pläne und Fotos werden ebenfalls vorliegen.

Wolfhardt Schroedter hat Ingenieurwissenschaften studiert und wurde bekannt, als er mit anderen Studenten von der Bernauer Straße aus einen Fluchttunnel in den Osten grub, über den 29 Menschen am 14. und 15. September 1962 in den Westen entkamen („Tunnel 29“).

Sebastian Schroedter ist Wirtschaftsingenieur.

Anne Schroedter ist in der Pflegebranche leitend tätig.

Das Elisabeth-Sanatorium wurde 1912 erbaut und zunächst als Lungenheilanstalt, dann als Hautklinik genutzt.

In den vergangenen 25 Jahren stand das Gebäude leer. Das Anwesen wurde von Neugierigen geplündert – von Türbeschlägen bis zu einem Klavier ist alles verschwunden, was nicht niet- und nagelfest war.

Im Hauptgebäude soll die Verwaltung ihren Platz finden, auch Unternehmen aus dem Pflegeumfeld können sich dort einmieten. „Das Schallschutzproblem macht den Altbau nicht für Dauerbewohner nutzbar“, erklärt Schroedter. Die geplante Lärmschutzwand würde die Belastung zwar reduzieren, aber nicht genug, um im ehemaligen Sanatorium ein Pflegeheim anzusiedeln. Dies sei erst nach innen auf dem Grundstück möglich, in den neuen Bauten. Vor allem die Kita hat dabei gute Chancen, gleich zu Beginn errichtet zu werden. „Was wir als erstes machen, hängt auch vom Bedarf in der Gemeinde ab“, sagt Schroedter. Und der Kita-Bedarf in Stahnsdorf ist groß.

Banken zeigen großes Interesse

Letzten Endes steht und fällt alles mit der Finanzierung. „Die Kosten kann man noch nicht wirklich abschätzen“, ist der Wirtschaftsingenieur vorsichtig. Ein Denkmal zu sanieren sei jedenfalls teurer als ein Neubau. Investoren gebe es nicht, die Familie verfüge auch nicht über die nötigen Mittel. Banken hätten in Vorgesprächen großes Interesse gezeigt – doch sie wollen Verträge mit künftigen Mietern und Konzepte sehen, etwa auch, wie man mit dem Fachkräftemangel im Pflegebereich umgehen möchte.

Nach einer ersten Abschätzung beziffert Schroedter die Sanierung des Altbaus als neun Millionen Euro, für die Neubauten wären weitere 30 Millionen Euro nötig. „Wir können heute keine 40 Millionen stemmen“, sagt Schroedter und gibt zu, dass diese Zahlen auch schon mal zu schlaflosen Nächten führen. „Doch wir wollen das durchziehen. Wir müssen das Konzept soweit voranbringen, dass wir andere davon überzeugen können“, sagt er, „was uns antreibt, ist die Vision.“

Von Konstanze Kobel-Höller

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