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Stahnsdorf Marshalls bringen Futter
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Marshalls bringen Futter
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15:23 02.01.2019
Evelyn Marschall füttert seit Jahren die Schwanenfamilie an der Badstelle des Hussees in Güterfelde. Quelle: Heinz Helwig
Güterfelde

Wenn Evelyn Marschall nach ihnen ruft oder pfeift, kommen sie allmählich heran. Hope, die Mutter, Rambo, der Größte in der Familie, der seinen Geschwistern am liebsten immer alles wegfuttern möchte, oder Lampi, der Jüngste, wissen, dass ihnen die Güterfelderin etwas Leckeres mitgebracht hat. Die Namen hat sich die Seniorin selbst ausgedacht. Sie füttert allerdings keine Hunde oder Katzen, sondern – Schwäne. Im Schilf neben der Badestelle am Güterfelder Haussee haben sich die Wasservögel vor Jahren niedergelassen. Manchmal stellen sie sich brav in einer Reihe auf, wenn sie mit dem Futter kommt, sagt Marshall. Nur wenn der See zugefroren ist, hilft alles Rufen und Pfeifen nichts. Dann bleiben die Schwäne im Schilf.

Zur Wende hatten die Tiere an der Nordseite des Sees gesiedelt. Doch jugendlicher Vandalismus am Ufer zwang die Gemeinde, einen Zaun zum Schutz der Schwäne um das Schilf zu ziehen. Trotzdem zog die Schwanenfamilie irgendwann ans ruhigere Ufer neben der späteren Badestelle.

Menü aus Weizen und Haferflocken

Auf der Suche nach Nahrung war Vater Schwan vor etwa drei Jahren aus dem Wasser über die Liegewiese auf die vorbeiführende Straße gelaufen und dort von einem Auto erfasst worden. Als Evelyn Marshall und ihr Ehemann Christopher davon erfuhren, beschlossen sie, sich um die Familie zu kümmern. Von den Fenstern ihres Hauses gegenüber dem Haussee aus können sie die Schwäne jeden Tag sehr gut beobachten.

Zweimal täglich im Sommer und in den Wintermonaten einmal am späten Nachmittag gehen die Marshalls an den See, um ihre Schützlinge zu bewirten. Weizen und Haferflocken stehen dann auf dem Speiseplan. Mitunter gibt’s hinterher eine Scheibe Schwarzbrot dazu. Die Schwäne stört das etwas eintönige Menü nicht.

Mit einer kleinen Weihnachtsüberraschung dankte der Ortsbeirat Güterfelde Evelyn und Christopher Marshall für die Fürsorge für die Schwäne am Güterfelder Haussee Quelle: Heinz Helwig

Wenn sie in der Badesaison zwischen den Handtüchern über die Wiese laufen, steckt ihnen auch manch ein Badegast eine Kleinigkeit zu. „Nur Weißbrot sollten die Leute den Schwänen nicht geben. Das verstopft ihre Därme“, warnt Evelyn Marshall. Sie ärgert sich, wenn Besucher nach dem Baden leere Lebensmittelverpackungen oder Plastetüten einfach am Strand zurücklassen. Die Schwäne versuchen, die Reste zu fressen.

Auch Hundebesitzer lassen ihre Tiere oft im Wasser gleich neben den Menschen planschen oder auf der Wiese ihr Geschäft verrichten, obwohl Schilder das Mitführen der Hunde eindeutig verbieten. Schon oft hat Christopher Marschall hinterher die Häufchen beseitigt und die Wiese geharkt, damit die Schwäne nicht die Hinterlassenschaften finden. Mitunter müssen sich die Marshalls von den Badegästen sogar beschimpfen lassen, wenn die Schwäne zur Fütterung aus dem Wasser kommen. Nicht jeder ist eben ein Tierfreund.

Ein Dankeschön vom Ortsbeirat

Ganz gefährlich wird es, wenn die Tiere einen der Köder verschlucken, die Angler am See mit der Angelsehne ausgelegt haben. Dann muss Evelyn Marshall meist den Tierrettungsdienst in Potsdam anrufen, der den Schwan schnell in die Tierklinik der Freien Universität Berlin nach Düppel bringt, in der die Tierärzte den Vogel vor dem Ersticken bewahren. Mehr als einmal hat Marshall auch schon selbst mit Hilfe von Badegästen die Tiere vor Ort vor einem qualvollen Tod gerettet.

Evelyn Marshall ist gebürtige Güterfelderin und mit dem heutigen Ortsvorsteher Dietrich Huckshold seinerzeit in eine Schule gegangen. Seit 2009 lebt sie wieder in ihrem Heimatort. Aus England hatte sie ihren Ehemann Christopher mitgebracht und nach 17 Jahren ihr Grundstück zurückbekommen.

Zum Dank für ihre Fürsorge für die Schwäne überreichte Dietrich Huckshold dem Ehepaar eine Tüte voller kleiner Weihnachtsüberraschungen. „Wir haben etwa 20 Senioren in unserem Ort damit beschenkt, die aus gesundheitlichen Gründen nicht an unserer Weihnachtsfeier teilnehmen konnten“, sagt Huckshold. Diese Leckereien behalten die Marshalls allerdings diesmal für sich, ohne sie mit ihren Schwänen zu teilen.

Von Heinz Helwig

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