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Stahnsdorf In der Bosch-Siedlung blieb es zu Weihnachten kalt
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf In der Bosch-Siedlung blieb es zu Weihnachten kalt
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18:50 27.12.2019
Die Bosch-Siedlung in Stahnsdorf (Archivbild aus dem Jahr 2011). Quelle: Joachim Liebe
Stahnsdorf

Sehr unweihnachtlich hatte es ein Teil der Stahnsdorfer: Ausgerechnet am Vorabend zum 24. Dezember fielen Warmwasser und Heizung aus – und erst am Freitag konnte das Problem behoben werden. Die gesamte Bosch-Siedlung fror über Weihnachten, betroffen war auch ein Quartier mit 54 seniorengerechten Wohnungen in der John-Graudenz-Straße. Quasi zum Drüberstreuen gab es in einem der Häuser am Heiligen Abend schließlich auch noch einen Rohrbruch mit Wasser, das von der Decke tropfte.

Ähnliche Probleme gab es auch in der Waldstadt in Potsdam. Dort müssen mehr als 100 Mieter seit neun Tagen ohne warmes Wasser und Heizung auskommen, eine Lösung ist dort aktuell nicht in Sicht.

Doch was war in Stahnsdorf geschehen? Die Steuerung des großen Heizkessels hatte den Geist aufgegeben, das Ersatzteil war über die Feiertage nicht zu beschaffen. So mussten die Bewohner der von der WGT verwalteten Siedlung bis Freitag warten. Bürgermeister Bernd Albers kündigt am ersten Weihnachtstag in der örtlichen Facebook-Gruppe zwar an, dass die Fernwärme Teltow eine mobile Heizstation zur Verfügung stellen würde, die am 26. Dezember angeschossen werden sollte. Doch auch hier gab es wieder Probleme, wie er die Bewohner über Facebook informierte: „Die mobile Heizstation ist geliefert worden, allerdings gab es keine Genehmigung für eine Heizöllieferung vom Land Brandenburg. Daher musste aus Berlin ein Lieferant gesucht werden.“ Das habe erneut für Verzug gesorgt. „Technisch ist nicht mehr möglich, als jetzt umgesetzt ist.“

Kein warmes Wasser zum Duschen

In der Zwischenzeit klagten die Bewohner darüber, dass sie kalt duschen müssten, da es warmes Wasser nur gab, wenn sie es – wie zu Großmutters Zeiten – auf dem Herd warmkochen würden, und dass sie Zusatzkosten durch das Verwenden mobiler Heizgeräte hätten. Nicht überall reichten die Geräte aus – mancherorts wurde von 15 Grad und weniger Raumtemperatur zu Weihnachten berichtet. Andere schrieben von zehn oder gar nur acht Grad in der Früh in ihren Dachgeschoßräumen.

Gleichzeitig wurden auf Facebook Heizgeräte von anderen Bürgern zum kostenlosen Verleih angeboten – diese aber nicht angenommen. Das Thema Mietminderung wurde aufgebracht: „Hauptsache, die bekommen ihre Miete pünktlich. Wir als Mieter interessieren sie nicht“, ärgerte sich eine Nutzerin. Viele dachten aber auch daran, dem Hausmeister zu danken, der auch an den Feiertagen unermüdlich auf den Beinen war, um zu tun, was er konnte. Langfristig sei die Sanierung der Warmwasserversorgung bereits kurz vor der Umsetzung, erklärte Gemeindevertreter Olaf Binek (BfB) den genervten Bewohnern. „Die Mittel sind beschlossen und freigegeben.“

Hilfsangebote auf dem RSV-Gelände

Schließlich gab es für die Betroffenen am Zweiten Weihnachtstag eine kleine nachträgliche Weihnachtsüberraschung: Von 16 bis 18 Uhr gab es die Möglichkeit, auf dem RSV-Gelände in der Zille-Straße eine warme Dusche zu genießen. Auch Gebäck und warme Getränke wie Glühwein wurden angeboten. Zu dieser Zeit gab es in einem Teil der Wohnungen wieder lauwarmes Wasser, die Heizung war aber nach wie vor überall kalt. Die Bewohner wurden über das Internet und über Aushänge in den Aufgängen davon informiert, für die Senioren wurde ein Fahrdienst angeboten.

Angenommen wurde das Angebot nur schwach: Obwohl die Beschwerden auf Facebook über die unhaltbaren Zustände massiv waren, kamen nur drei Personen auf das RSV-Gelände. Begründet wurde es damit, dass sich die Initiative damit überschnitten hatte, dass es zu diesem Zeitpunkt endlich wieder in einigen Wohnungen warmes Wasser gab, und dass sich die meisten bis dahin schon alternative Lösungen gesucht hatten.

Verwaltung reagierte rasch

Trotz des raschen Reagierens der Verwaltung und der Informationen durch den Bürgermeister über die sozialen Medien wurde starke Kritik geübt: Vor allem im Haus Nummer 62 würden vorwiegend alte Menschen leben, von denen viele frieren würden, weil sie krank seien. Die Kommunikation diesen gegenüber sei praktisch nicht vorhanden, hieß es auf Facebook. „Sie wissen nicht, warum es kalt ist.“ Decken seien mittlerweile schon Mangelware. Und während ein Teil der Bewohner der Bosch-Siedlung über die sozialen Medien nicht nur ihrem Unmut Luft machte, sondern sich darüber auch informierte oder die Möglichkeit hatte, sich von anderen Stahnsdorfern mobile Heizungen zu leihen, hätten die Senioren diese Chance eben oft nicht.

Doch auch andere Bewohner fühlten sich alleingelassen, forderten, dass ihnen mobile Heizgeräte zur Verfügung gestellt werden und ein Pauschalbetrag für entstehende Heizgeräte gutgeschrieben wird. „Wenn man Kinder hat, sind vier Tage frieren echt bitter.“

Am Freitagnachmittag gab es dann Entwarnung: Die Heizungen wurden langsam wieder warm. „Gott ist das schön warm jetzt langsam wieder“, schrieb eine Nutzerin. „Da weiß man mal, wie selbstverständlich Wasser und Heizung für uns geworden sind.“

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Von Konstanze Kobel-Höller

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