Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Stahnsdorf Nach Bombensprengung in Stahnsdorf: Tierärztin fürchtet um Existenz
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Nach Bombensprengung in Stahnsdorf: Tierärztin fürchtet um Existenz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
21:11 12.02.2020
Tierärztin Cordula Wirtz hat ihre Praxis weiter geöffnet. Einen Ausfall kann sie sich nicht leisten. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
Anzeige
Stahnsdorf

Am Tag fünf nach der Bombensprengung auf der Bonava-Baustelle in Stahnsdorf versuchen die betroffenen Anlieger, in einen einigermaßen geordneten Alltag zurückzukehren. Tierärztin Cordula Wirtz zum Beispiel öffnet weiter ihre Praxis in der Wilhelm-Külz-Straße für ihre Patienten, nachdem ein Glasermeister die Frontscheibe notdürftig zusammengeklebt hat, die am vergangenen Samstagmorgen von der Druckwelle der Detonation zerborsten worden war. „Einen Ausfall kann ich mir finanziell nicht leisten“, sagt die Medizinerin.

Dentalbohrer und Röntgenbildbetrachter defekt

Zumindest die Kosten für neue Fenster bekommt Wirtz aus der Inventarversicherung erstattet, hat sie am Mittwoch per Post vom Versicherer erfahren. Inwieweit medizintechnische Geräte noch funktionieren oder neu angeschafft werden müssen, muss die Tierärztin noch prüfen. „Ich hoffe, dass auch da die Versicherung hilft. Sonst wäre meine Existenz bedroht. Einen neuen Kredit kann ich nicht aufnehmen.“

Die Polizei hatte Wirtz am 8. Februar um 8 Uhr über den Schaden informiert. Als die Tierärztin später völlig geschockt in ihrer Praxis stand, lag der Röntgenbildbetrachter mitten im Raum. Er ist total verzogen und nicht mehr benutzbar, genau wie ein Dentalbohrer, den Wirtz am Mittwoch, am OP-Tag ihrer Praxis, erstmals wieder einsetzen wollte. Ob die übrigen Geräte noch einwandfrei arbeiten, muss sie erst überprüfen. Sämtliche Betäubungsmittel aus der Praxis hat die Tierärztin vorsorglich an einen sicheren Ort gebracht.

Historischer Wohnwagen zerstört

Eine Frau mit einem Kaninchen war am Bomben-Freitagabend die letzte Patientin, die Wirtz inmitten der Behandlung wegschicken musste, bevor sie die Praxis für die Evakuierung zuschloss. Die Frau wollte ein Hotel außerhalb des Sperrkreises aufsuchen. Als Wirtz das Tier jetzt erneut untersuchte, stellte sie ein sogenanntes pathologisches Lungennebengeräusch bei dem Kaninchen fest, das als Folge des Detonationsgeräusches bei dem Tier aufgetreten sein kann. Die Medizinerin musste es einschläfern.

Einen Schaden in Höhe bis zu 80 000 Euro hat ein Gutachter am und im Haus von Sven Ratzburg ermittelt. Die Versicherung hat dem Stahnsdorfer bereits signalisiert, fast alle Kosten zu übernehmen. Die Soundanlagen und Messgeräte in der Werkstatt haben die Druckwelle offenbar überstanden, sagt Ratzburg. Zerstört ist aber ein Schiebetor zu seinem Grundstück, das sich nicht mehr schließen lässt. Ein neues Tor ist bestellt. Doch bis es in etwa sechs Wochen geliefert wird, kann der Stahnsdorfer nicht arbeiten. „Die Auftragsbücher sind voll. Ich verliere mindestens 10 000 Euro.“

Der Auto-Hifi-Händler Sven Ratzburg kann sein Geschäft aufgrund der Schäden an seinem Haus und auf seinem Grundstück in den nächsten sechs Wochen nicht wieder aufnehmen. Dadurch gehen ihm mindestens 10 000 Euro an Umsatz verloren sagt er. Quelle: Friedrich Bungert

Verärgert ist er über den Verlust seines Oldtimer-Wohnwagens von 1978, der nicht versichert ist. Ratzburg hat ihn sich mühevoll aufgebaut. Die Druckwelle zerriss das komplette Innere des Wohnwagens. „Er war fast fertig. Die Teile kriegst Du nie wieder. Ich wollte mit ihm in den Urlaub fahren“, kann er sein Unglück noch immer nicht fassen.

Lesen Sie mehr:

>>>Entschärfer: „Im Umkreis von 200 Metern hätte wohl niemand überlebt“

>>>Bombe in Stahnsdorf: Baufirma hat Kampfmittel-Auflage missachtet

>>>Die Explosion bedroht seine Existenz: „Ich wollte diesen Knall nicht“

Von Heinz Helwig

Lange standen die Bäumchen an der neuen Biomalzspange in Teltow nicht. Sie wurden jüngst reihenweise herausgerissen. Die Polizei hofft bei den Ermittlungen auf Zeugenhinweise.

12.02.2020

Ein Subunternehmer habe an einer Stelle gebaggert, die noch nicht auf Kampfmittel untersucht war. Das sei nicht mit Bonava abgesprochen gewesen, so die Sprecherin des Bauherren. Sie baut darauf, dass die Versicherungen der Geschädigten zahlen.

11.02.2020

Eike Ines Redlich saß mit ihren Kindern im Zug auf dem Weg zurück nach Stahnsdorf, gerade den Ski-Urlaub hinter sich, als sie die Nachricht von der bevorstehenden Bombensprengung erreichte. Tausend Gedanken setzten sich in Gang. Redlich schrieb sie auf und verarbeitete sie in einem Comic. Ein Gastbeitrag.

11.02.2020