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Stahnsdorf Pfeifton zermürbt Sputendorfer
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Pfeifton zermürbt Sputendorfer
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19:47 19.07.2019
IT-Architekt Martin Lohrke aus Sputendorf fühlt sich von dem hohen Pfeifton, der von der Windkraftanlage ausgeht, sichtlich genervt. Quelle: Privat
Sputendorf

Schlaflose Nächte und zermürbende Tage bereitet dem IT-Architekten Martin Lohrke in Sputendorf seit einer Woche eine Windkraftanlage, die etwa einen Kilometer entfernt von seinem Haus auf einem freien Feld bei Neubeeren steht. Der Grund ist ein anhaltender hoher Pfeifton, der bei Westwind besonders durchdringend zu hören ist, wenn sich die Rotorblätter drehen. „Das Geräusch wirkt wie ein Tinnitus“, beschreibt Lohrke seine Wahrnehmung. In der Nacht sowie an Tagen, an denen er in seinem Arbeitszimmer unterm Dach seines Hauses arbeitete, mussten die Fenster geschlossen bleiben, damit sich der IT-Spezialist auf seine Arbeit konzentrieren kann. Trotzdem sei der Ton noch unterschwellig zu hören. Ein längerer Aufenthalt in Garten ist nicht möglich, da der Dauerton psychisch nervt, sagt Lohrke. Zum Wochenende hat er sich Freunde zum Grillen eingeladen. Vielleicht muss er die Begleitmusik doch etwas lauter machen, um das störende Geräusch zu überspielen.

Kein Hinweis auf Betreiber

Lohrke hat an das Landesumweltamt, an die Gemeinde Stahnsdorf und an Sputendorfs Ortsvorsteher Rolf-Denis Kupsch (Wir Vier) geschrieben und darum gebeten, sich dafür einzusetzen, dass das unerträgliche Pfeifen endlich aufhört. Mit dem Auto ist er zum Windrad gefahren, um nachzuschauen, ob er irgend einen Hinweis auf einen Betreiber findet, den er von der Belastung informieren kann. Weit ist er allerdings nicht gekommen. Vor dem Windrad versperrt eine Schranke und das Hinweisschild „Durchfahrt verboten“ den weiteren Weg. Das Schild einfach zu ignorieren, hat sich der Sputendorfer nicht getraut.

Mit der Aufstellung des Windrades bei Neubeeren war Ende Februar des vergangenen Jahres begonnen worden. Quelle: Jutta Abromeit

Betreiber der Windkraftanlage sind die Berliner Wasserbetriebe, die zwischen dem Golfplatz Großbeeren und der Landesstraße 40 in Stahnsdorf zwei weitere Windräder sowie in Ladeburg bei Bernau eine weitere Anlage aufstellen ließen. Ein Serviceteam sei bereits beauftragt worden, noch am Freitag, spätestens aber in der nächsten Woche zum Windrad nach Neubeeren zu fahren und dort nach der Störungsquelle zu suchen, sagte eine Unternehmenssprecherin auf MAZ-Nachfrage. Defekte Vortex-Generatoren, die bei einem Betrieb des Windrades die Turbulenzen und Laufgeräusche der Rotorblätter verringern sollen, könnten die Störung verursachen, informiert sie nach Rücksprache in ihrem Unternehmen. Ohne diese Wirbelgeneratoren wären die Windräder wesentlich lauter, bestätigt die Sprecherin.

Serviceteam kontrolliert einmal im Monat

An jedem Windrad würde sich ein Informationsblatt befinden, auf dem eine Rufnummer angegeben sei, die bei einer Störung angerufen werden könne. Somit hätten die Anwohner die Möglichkeit, auf kurzem Weg direkt mit dem Betreiber zu sprechen und einen Schaden umgehend zu melden. Im Normalfall kontrolliert das Serviceteam einmal im Monat die Windkraftanlagen. Eine Störung im technischen System habe es bislang lediglich ein einziges Mal an der Anlage in Ladeburg gegeben. An jedem Rotorblatt würden sich je nach Höhe und Größe der Windkraftanlage 15 bis 30 solcher Vortex-Generatoren befinden, erklärt die Pressesprecherin.

Reichweite bis 50 Kilometer

Die Windkraftanlagen der Berliner Wasserbetriebe im Raum Stahnsdorf/Großbeeren und in Ladeburg haben nach Angaben des Betreibers eine Gesamtkapazität von 20,4 Megawatt. Damit können sie 26 000 Haushalte mit Windenergie versorgen.

Die Montage des Windrades bei Neubeeren hatte am 28. Februar 2018 begonnen. Die Anlage ist 200 Meter hoch und hat nach Angaben der Berliner Wasserbetriebe eine Leistung von 3,45 Megawatt.

Stahnsdorf hatte sich mit eigenen Bebauungsplänen für Sputendorf und Schenkenhorst gegen die Aufstellung von Windkraftanlagen in dieser Höhe gewehrt. Die Gemeinde fühlt sich von Großbeeren hintergangen.

Ein Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe Hannover hat in einer Studie festgestellt, dass sich Infraschallwellen von Windkrafträdern bis zu 50 Kilometer weit ausbreiten.

Das Windrad bei Neubeeren wird nicht das einzige bleiben. Im Entwurf des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Großbeeren sind vier Konzentrationsflächen für Windenergieanlagen ausgewiesen, auf denen mindestens vier Windräder aufgestellt werden könnten, teilt der stellvertretende Bürgermeister und Bauamtsleiter der Gemeinde Großbeeren, Lutz Ritter, auf MAZ-Nachfrage mit. Die Gemeinde selbst plane keine konkreten Standorte, sondern weise nur die Flächen aus, auf denen Windräder konzentriert werden könnten. Die konkrete Genehmigung zur Aufstellung einer Anlage erfolge jeweils in einem entsprechenden Verfahren auf der Grundlage des Bundesimmissionsschutzrechtes.

Gefahr für Gesundheit wissenschaftlich erwiesen

Dass Infraschall und Lärm, die von Windkraftanlagen ausgehen, sich gesundheitsschädigend auf Menschen auswirken können, sei inzwischen auch wissenschaftlich nachgewiesen worden, hatte Waltraud Plarre schon früher in dieser Zeitung erklärt. Sie ist Sprecherin der Volksinitiative „Rettet Brandenburg“, die sich energisch gegen weitere Windkraftanlagen positioniert. Plarre beruft sich dabei auf eine Studie der Physikalisch-technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, die dort der Fachbereichsleiter Schall, Christian Koch, federführend mit erarbeitet hat. Koch ist davon überzeugt, dass auch sogenannte Infraschall-Töne, deren Schwingungen unterhalb von 20 Hertz liegen, vom Menschen prinzipiell gehört werden können.

Von Jutta Abromeit und Heinz Helwig

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