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Stahnsdorf Sprengung um 3.30 Uhr: Wie fünf Stahnsdorfer die Bombennacht erlebten
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Sprengung um 3.30 Uhr: Wie fünf Stahnsdorfer die Bombennacht erlebten
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14:26 08.02.2020
Am frühen Samstagmorgen konnte die Bombe gesprengt werden. Quelle: Julian Stähle
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Stahnsdorf

Am frühen Samstagmorgen gab es für die Stahnsdorfer Entwarnung: Die 500-Kilogramm-Fliegerbombe konnte erfolgreich gesprengt werden. Die Spuren der Nacht sind überall deutlich zu sehen. Doch wie erlebten die Stahnsdorfer die Bombennacht?

Bombengeburtstag

Einen Bombengeburtstag hatte Tiziana Aurich: Die junge Frau wollte ein nettes Wochenende im NH-Hotel in Kleinmachnow feiern, als auch sie evakuiert wurde. Als Entschädigung bekam sie einen leckeren Kuchen - und die Gemeinde versprach, sie auf den nächsten Aufenthalt in Kleinmachnow einzuladen. Den Rest des Abends verbrachte sie dann im NH-Hotel Potsdam, in das sie gemeinsam mit anderen Gästen aus Kleinmachnow evakuiert wurde.

Der Geburtstag von Tiziana Aurich verlief anders als geplant. Quelle: Redaktion

Geplatzte Weihnachtsfeier

Eine Anwohnerin, die nur wenige Häuser neben dem Bombenfund lebt, war entsetzt. Sie wollte mit ihrer eigens angereisten Familie Weihnachten nachfeiern, das Essen war bereits im Ofen. „Jetzt muss ich stattdessen erst einmal meine Dokumente zusammensuchen“, sagt sie ganz durcheinander. Dabei wollte sie mit ihrem zweijährigen Enkelkind einen schönen Abend verbringen.

In der Nacht von Freitag auf Samstag ist in Stahnsdorf eine 500-Kilogramm-Fliegerbombe gesprengt worden. Mehrere tausend Menschen mussten nach dem Fund kurzzeitig evakuiert werden, eine Entschärfung scheiterte, sodass nur die Sprengung blieb. Mehrere Häuser wurden beschädigt.

Nächstenliebe

„Ich habe mich in die Lage der Leute hineinversetzt“, sagt der 13-jährige Laurenz aus Stahnsdorf, der extra ins Gemeindezentrum gekommen ist, um hier mitzuhelfen. Wer evakuiert werde, könne nur eine Tüte mit Sachen mitnehmen und wisse nicht, ob die Bombe explodieren wird. „Ich helfe gerne und hoffe, dass uns auch geholfen wird, wenn uns mal was passiert.“ Außerdem hat Laurenz früher in der Wilhelm-Külz-Straße gewohnt, ganz in der Nähe von der Stelle, wo heute gegen 12.30 Uhr die 500-Kilo-Bombe entdeckt wurde. Daher fühlt er sich mit den Betroffenen besonders verbunden.Mit ihm ist sein ebenfalls 13-jähriger Freund Jonas ins Gemeindezentrum gekommen. Auch er möchte helfen und fühlt mit den Evakuierten. Als die beiden Schüler des Vicco-von-Bülow-Gymnasiums die vielen Blaulichter in der Annastraße sahen, wussten sie, dass sie tätig werden möchten. Laurenz: „Ich freue mich immer, wenn ich anderen helfen und was Gutes tun kann.“

Die beiden Freunde unterstützten die Helfer im Gemeindezentrum. Quelle: Redaktion

Suche nach dem Ehemann

Magdalena Ransch (74) wollte ihren Ehemann aus dem Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum abholen, der heute entlassen wurde. Sie hatte zwar aus dem Radio erfahren, dass es Sperrungen gibt, wusste aber nicht, wo. Also hat sie sich mit ihrem Rollkoffer einfach erst einmal zu Fuß auf den Weg gemacht. Kurz vor 21 Uhr traf sie schließlich auf dem Weg zum Busbahnhof in der Ruhlsdorfer Straße auf eine Helfergruppe. Nun wird sie mit einem Krankentransportwagen der DLRG des Katastrophenschutzes des Landkreises Potsdam-Mittelmark gebracht. Die Situation machte ihr große Sorgen, wusste sie doch nicht, wo sie ihren Mann wieder treffen würde.

Magdalena Ransch wollte eigentlich ihren Mann aus dem Krankenhaus abholen. Quelle: Julian Stähle

Tierwohl sichergestellt

Den Stahnsdorfer Lamas und Alpakas gehe es gut, berichtete Olga Weinert vom Lamazentrum Berlin-Brandenburg. Mit einem Einsatzfahrzeug der Feuerwehr durfte sie doch noch einmal zum Hof auf dem Dorfplatz und dort die Tiere versorgen und alle nötigen Geräte ausschalten, die über Nacht nicht angeschaltet sein dürfen. „Die Tiere sind sicher im Stall eingesperrt.“

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