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Stahnsdorf Kupferdiebe plündern Mausoleen auf Südwestkirchhof
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Kupferdiebe plündern Mausoleen auf Südwestkirchhof
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01:15 22.02.2019
Das Kupferdach von diesem Grabmal auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf ist demontiert und geraubt worden.
Das Kupferdach von diesem Grabmal auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf ist demontiert und geraubt worden. Quelle: privat
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Stahnsdorf

„Das tut richtig weh, mir war heute früh eine Stunde lang richtig übel“, ist Olaf Ihlefeldt, Verwalter des Südwestkirchhofs in Stahnsdorf, erschüttert. Bei Vollmond haben in der Nacht zu Dienstag erneut Kupferdiebe auf seinem Friedhof zugeschlagen, diesmal waren die Dächer von zwei Mausoleen betroffen. Geschätzte 30 bis 40 Quadratmeter Metall haben sie dabei erbeutet, eine Spur zu ihnen fehlt.

Ohne Kupferdach steht das Grabmal nun da. Quelle: privat

„Wir kriegen sie nie zu fassen, das ärgert mich. Man hat da ja auch einen Ehrgeiz und möchte die Anlage schützen“, sagt Ihlefeldt. Denn sein Friedhof wurde nicht das erste Mal Opfer einer solchen Schändung: 2011 gab es den ersten Vorfall, 2013 mit sieben betroffenen Mausoleen und Schäden von insgesamt rund 140.000 Euro die schlimmsten Diebstähle. 2017 wurde dann ein weiteres Mausoleum seines Kupferdachs beraubt, und nun erneut zwei – ein jugendstilartiges und ein einfacheres, beide von Kaufmannsfamilien.

Foliendächer als Notsicherung über Mausoleen

Für Ihlefeldt und seine Mitarbeiter heißt es nun, mittels einer Notsicherung die Substanz zu schützen. Foliendächer sorgen erst einmal dafür, dass keine Feuchtigkeit ins Innere der Mausoleen eindringen kann. Wie es danach weitergeht, ist noch nicht klar. Beide Bauwerke sind im Eigentum des Friedhofs, der „keinen Cent dafür in der Kasse“ hat. Doppelt schlimm ist der Diebstahl, weil sich ausgerechnet für diese Mausoleen Interessenten für Patenschaften gefunden hatten. Diese kümmern sich zeitlebens um den Erhalt der Bauwerke, um nach ihrem Tod schließlich dort bestattet zu werden. Nun fürchtet Ihlefeldt, dass die Interessenten doch noch abspringen könnten, weil sie vielleicht nicht unbedingt direkt mit einer teuren Dach-Sanierung in ihre Aufgabe einsteigen wollen.

Olaf Ihlefeldt ist Verwalter des Stahnsdorfer Südfriedhofs. Quelle: Stefan Laude

Denn die Kosten schätzt der Verwalter grob auf „nicht deutlich unter 10.000 Euro für beide zusammen.“ Verwendet wird dabei seit 2013 kein Kupfer mehr: Nach der großen Diebstahlswelle wurde erreicht, dass Zink für die neuen Dächer genutzt werden darf. Glücklich ist Ihlefeldt darüber nicht, er spricht von „hässlichem Zink“, doch man habe sich eben dem Druck durch die Kriminellen beugen müssen.

Diese kommen nachts. Noch am Vorabend hatte ein Mitarbeiter eine Nachricht an Ihlefeldt geschickt, dass ein Stück des Zauns, der den Friedhof erfolgreich gegen Wildschweine schützt, an einer Stelle von oben eingedrückt sei. Gestern Vormittag sollte die Stelle repariert werden – da war aber schon klar, dass es sich dabei wohl um die Einstiegsstelle für die Diebe gehandelt hatte.

Schädel von Nosferatu-Filmregisseurs gestohlen

Und sie nehmen nicht nur Kupfer mit. 2015 ist etwa der Schädel des Nosferatu-Filmregisseurs Friedrich Wilhelm Murnau gestohlen worden, der bis heute nicht mehr aufgetaucht ist. Was nicht niet- und nagelfest ist, wird gestohlen: Porträts, Türknäufe, Metallbuchstaben von Grabinschriften, Kreuze, Sterne, Büsten, Kupfertüren, die den Weg ins Jenseits symbolisieren, Reliefplatten.

Der Südwest-Kirchhof steht mit diesem Problem nicht allein da. „Das ist ein deutschlandweites Problem. Es ist ein Trauerspiel“, berichtet Ihlefeldt. Alarmanlagen waren am Südwest-Kirchhof nur vorübergehend installiert, nach der großen Diebstahlswelle. Da die Mausoleen nicht mit Strom versorgt sind, waren teure Akkus nötig. „Eine Überwachung ist nicht wirklich möglich“, sagt Ihlefeldt, der auch weiß, dass die große und unübersichtliche Fläche den Dieben ebenfalls zugute kommt.

Gräber von Breitscheid und Zille

Der Südwestkirchhof wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von der Berliner evangelischen Kirchengemeinde eröffnet, als im Südwesten der Stadt die Grabstellen knapp wurden.

Er hat eine Fläche von 206 Hektar und ist als Waldfriedhof angelegt.

Der Friedhof hat 25 Mausoleen. Einige sind mit Ziegeln gedeckt, drei noch mit Kupfer, der Rest ist inzwischen mit Zinkdächern ausgestattet.

Auf dem Südwestkirchhof sind zahlreiche Prominente begraben, darunter Verleger Gustav Langenscheidt, die Politiker Otto Graf Lambsdorff und Rudolf Breitscheid, der Komponist Engelbert Humperdinck, der Industrielle Werner von Siemens oder der Maler Heinrich Zille

Wenn schließlich die Kostenangebote der Fachfirmen für die neuen Zink-Dächer eingeholt wurden, geht es darum, das Geld aufzutreiben. Bisher sei dies über Förderprogramme und Spenden aus dem Förderverein möglich gewesen, sagt Ihlefeldt, der auch Vorsitzender des Vereins ist. „Aber natürlich hat man da auch andere große Projekte, für die wir schon lange gesammelt haben – und jetzt haut uns das wieder rein.“

Am 1. Januar feierte der Verwalter sein 30-jährige Jubiläum in seinem Job, doch trotz solcher Querschüsse hat er nie ans Aufgeben gedacht, versichert er. „Diese Anlage ist mir ans Herz gewachsen. Und wenn ich heute zu Tode betrübt bin, dann habe ich morgen wieder Mut.“

Von Konstanze Kobel-Höller