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Stahnsdorf Stahnsdorf: Was tun, wenn Wildschweine den Garten umwühlen?
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19:06 08.12.2019
Wildschweine haben diesen Garten in Stahnsdorf umgepflügt. Quelle: privat
Stahnsdorf

Der Tod der Stahnsdorfer Hündin Kessy, die im umzäunten Garten von einer Rotte Wildschweinen getötet wurde, hinterlässt viele Unsicherheiten in der Region. Nun haben sich MAZ-Leser gemeldet, in deren Gärten Wildschweine wüteten. „Alles zerwühlt und verwüstet“, beschreiben Andreas und Petra Kautz den Anblick, der sich ihnen bot, als sie aus dem Fenster sahen.

Betroffene fühlen sich von Jagdpächter allein gelassen

Doch auf der Suche nach Hilfe, fühlten sie sich allein gelassen: Der Jagdpächter, den sie anriefen, könne nichts tun, habe er ihnen am Telefon mitgeteilt. Außerdem sei jetzt die Zeit, zu der sich die Schweine ohnehin zur Ruhe legen würden. „Wir sollten ein Tor öffnen, durch das die Tiere eventuell am Abend den Garten verlassen könnten. Man könnte nur die Polizei rufen“, erzählt das Ehepaar.

Diese jedoch teilte den Kautzs ebenfalls zuerst mit, man könne nichts unternehmen, versprach aber nach längerem Bitten, sich darum zu kümmern. Zwei Polizisten kamen, sahen sich die Angelegenheit an und gingen wieder unverrichteter Dinge, berichten die Betroffenen. Schließlich nahm die Nachbarschaft die Sache mit den Wildschweinen, die es sich inzwischen in Kuhlen gemütlich gemacht hatten, selbst in die Hand: Mit Silvesterböllern, Steinen und lauten Geräuschen wurden acht unterschiedlich große Tiere verjagt.

Experten raten: Wildschweine nicht bedrängen

Doch, ob das richtig ist, da gehen die Meinungen der Fachleute auseinander. Die einen sagen zwar, dass Wildschweine weiterziehen, wenn es laut werde, weil es ihnen zu ungemütlich werde. Andere empfehlen jedoch, die Tiere nicht zu bedrängen, da es nicht zielführend sei und gefährlich werden könnte. Sie könnten in Panik geraten und dann auch Menschen umrennen.

Jördis Teistler von der Gemeinde Stahnsdorf empfiehlt: „Bürger sollen sich in erster Linie selbst sichern. Sie sollen sich nicht in Gefahr bringen, indem sie die Schweine selbst vertreiben.“ Begegnet man Wildschweinen im Wald oder auf der freien Fläche, sollte man ruhig bleiben und möglichst einen anderen Weg nehmen. Gefährdet sind hier besonders freilaufende Hunde – vor allem, wenn Bachen ihre Frischlinge schützen wollen. Anleinen schützt hier.

Ordnungsamt hilft nur während Öffnungszeiten

In der Gemeinde Stahnsdorf können Anwohner, die zum Beispiel im Garten auf Wildschweine treffen, während der Öffnungszeiten im Ordnungsamt um Hilfe rufen: 03329/646-209, -211, -223. Außerhalb der Bürgersprechzeiten ist die Polizei der richtige Ansprechpartner. Hier sind auch die Kontaktdaten der beiden ehrenamtlichen Gemeindejäger hinterlegt.

Sofern einer der beiden verfügbar ist, fährt er auch zeitnah zum Einsatzort, verspricht Teistler. Auch einen Beratungswunsch kann man in der Gemeindeverwaltung per E-Mail anmelden – möglichst gemeinsam mit dem Gemeindejäger gibt es dann einen Besichtigungstermin vor Ort.

Betroffene sind glücklich über aufmerksame Nachbarn

Den Kautzs steckt jedenfalls noch heute der Schrecken in den Knochen: „Wir haben einen verwinkelten, naturnahen Garten mit großen Büschen, geschlossenen Kompostern – keinen glattpolierten Garten mit Rasenflächen oder Kiesflächen. Wenn uns unsere Nachbarn nicht gewarnt hätten, wären wir auf dem Weg zum Komposter geradewegs auf die ruhenden Wildschweine zugelaufen. Ich mag mir nicht ausmalen, was dann passiert wäre“, beschreibt Andreas Kautz. „Die Fragen bleiben: Was kann getan werden? Warum gibt es keine Antibabypille? Warum werden nicht dort Futterstellen eingerichtet, wo auch geschossen werden darf?“

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Von Konstanze Kobel-Höller

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