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Stahnsdorf Künstler kopiert Christusrelief
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Künstler kopiert Christusrelief
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13:56 23.04.2019
Mit dem letzten langen Pinselstrich vollendet der Stahnsdorfer Künstler Eberhard Trodler sein Wandbild in der Friedhofskapelle. Quelle: Foto: Gesine Michalsky
Stahnsdorf

Eine Wandmalerei von Eberhard Trodler schmückt jetzt die Friedhofskapelle auf dem Stahnsdorfer Friedhof an der Sputendorfer Straße: Der Stahnsdorfer Maler hat das Zentrum des berühmten Christusreliefs auf dem Südwestkirchhof als Gemälde an eine Innenwand kopiert. Eine Woche lang arbeitete Trodler an dem historischen Motiv im neuen Anbau, der vor etwa vier Wochen fertig geworden war. „Wir sind sehr begeistert und dankbar“, sagt Bettina von Schmitterlöw, Friedhofsverwalterin der evangelischen Kirchengemeinde.

Das berühmte Original: Das Christus-Relief von Ludwig Manzel auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf. Quelle: Stephan Laude

Den letzten langen Pinselstrich trug Trodler dieser Tage auf. „Ganz fertig bin ich ja nie, irgend etwas finde ich immer noch, was ich verbessern könnte“, kommentierte der Künstler den Abschluss seiner Arbeit. Anderthalb mal zwei Meter misst das Bild, das Trodler in ehrenamtlicher Arbeit schuf. Passend zum Thema „Trost“ hatte Stahnsdorfs Pfarrer Peter Edert ihn gebeten, das Christusrelief von Ludwig Manzel auf die neue Wand zu zeichnen. Es soll jenen Menschen Zuspruch symbolisieren, die einen Angehörigen oder Freund verloren haben. Auch die Eltern Trodlers und sein Sohn Steffen sind auf dem Friedhof bestattet. „Es steckt viel Herzblut der Beteiligten in der umfangreichen Restaurierung der Kapelle“, erklärt von Schmitterlöw.

Die Friedhofskapelle auf dem Friedhof an der Sputendorfer Straße in Stahnsdorf. Ihren neuen Anbau schmückt jetzt ein Wandbild des Stahnsdorfer Malers Eberhard Trodler. Quelle: Gemeinde Stahnsdorf

Sparsame Farben waren eine der wenigen Vorgaben des Pfarrers, als dieser Trodler von seiner Idee berichtete, ein Abbild des Christusreliefs im Eingangsbereich des Südwestkirchhofs in die Kapelle an der Sputendorfer Straße zu holen. „Für mich war es keine Frage, zuzusagen. Das macht mir einfach Spaß“, meint Trodler. Auch bei den Mitarbeitern des Stahnsdorfer Südwestkirchhofs gab es große Freude über das Interesse am bildhauerischen Werk Ludwig Manzels, der auf dem Südwestkirchhof seine letzte Ruhe fand.

Relief ist kein Grabmal

Eberhard Trodler hat den Malerberuf erlernt. Er absolvierte ein Studium an der Schule für angewandte Kunst und arbeitete als Ingenieur für Farbgestaltung, bevor er freischaffender Künstler wurde.

Die ursprüngliche Friedhofskapelle wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die 50 Plätze in der in den 1950-er Jahren errichteten zweiten Kapelle reichten nicht mehr. Der neue Anbau bietet Platz für weitere 25 Besucher.

Das Original auf dem Südwestkirchhof ist zwölf Meter breit und zwei Meter hoch. Es ist kein Grabmal, sondern zählt als Kunst auf dem Friedhof.

Das Christus-Relief war ursprünglich nicht für den Südwestkirchhof bestimmt. Es sollte in einer Kirche in Gnesen (preußische Provinz Posen) aufgebaut werden. Unterbrochen vom Ersten Weltkrieg zog sich die Arbeit des Bildhauers Ludwig Manzel von 1909 bis 1924 hin. Als das Relief fertig war, gehörte Gnesen nicht mehr zum Deutschen Reich, sondern wurde ab 1920 nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages zu Gniezno in Polen. Das Relief steht seit 1924 auf dem Südwestkirchhof.

Fünf Figuren hat der freischaffende Künstler gemalt und ganz besonders darauf geachtet, das Wandgemälde harmonisch in den Neubau zu platzieren. Mit Acrylfarben, Pinsel und seinem Malstock ausgestattet, den er seit seiner Lehrzeit bei seinem Vater im Stahnsdorfer Malerbetrieb benutzt, ging er ans Werk. Das Wichtigste dabei war eine ruhige Hand, denn jeder Pinselstrich musste auf Anhieb sitzen. Fehler durften da nicht passieren. Einmal auf die Wand aufgetragen, lassen sich Acrylfarben nicht mehr entfernen. „Ich bin zufrieden mit meinem Werk und erleichtert, dass mir die malerische Übertragung gelungen ist.“

Für weitere 25 Besucher erweitert

Gut gelöst hat Trodler das Problem, dass Christus in dem Relief erhöht auf einem Podest steht, wofür an der Wand kein Platz ist. Wer genau hinschaut, erkennt den Unterschied zwischen Original und Gemälde. Denn nur auf der Kirchenwand stehen die Figuren auf dem Boden. Als Orientierung dienten dem Maler viele Fotos von Detail- und Gesamtansichten. Die Konturen und Proportionen hat er nach den Fotos mit dünnen Kohlestrichen vorgezeichnet. Der zum Terrakotta-Fußboden passende Farbton wirkt sogar wie bestellt. Trodler hat ihn sorgfältig vor Ort gemischt.

Bereits am vergangenen Karfreitag führte ein ökumenischer Meditationsgang Stahnsdorfer und Kleinmachnower Frauen über den mehr als 100 Jahre alten Friedhof und in die Kapelle, die für weitere 25 Besucher erweitert wurde. Nach den Bauarbeiten soll sie nun am 22. Mai ab 19 Uhr öffentlich wieder eingeweiht werden.

Von Gesine Michalsky

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