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Stahnsdorf Licht für den Baum vorm Bundesrat
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Licht für den Baum vorm Bundesrat
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21:47 18.11.2018
Guido Kaatz (l.) und Ulrich  Schindler schmücken in jedem Jahr persönlich den Weihnachtsbaum vor dem Gedenkturm in Großbeeren.
Guido Kaatz (l.) und Ulrich Schindler schmücken in jedem Jahr persönlich den Weihnachtsbaum vor dem Gedenkturm in Großbeeren. Quelle: Varvara Smirnova
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Stahnsdorf

Bald nun ist Weihnachtszeit, ... – jedenfalls für den Elektronikfachbetrieb von Guido Kaatz und Ulrich Schindler in Stahnsdorf. Wie in jedem Jahr seit 2004 werden Elektriker am Mittwoch den etwa 14 Meter hohen Baum vor dem Gebäude des Bundesrates in der Leipziger Straße 4 in Berlin mit Lichtern schmücken. Den Baum liefert stets das Technische Hillfswerk. Die notwendige Arbeitsbühne für die Elektriker bringt eine Vermietungsfirma mit.

Einer guten Tradition folgend, drückt der aktuelle Präsident des Bundesrates nach dem Ende der Arbeiten bei einer kurzen Ansprache den Buzzer und prüft so die Funktionstüchtigkeit der Lampen. In diesem Jahr wird Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, diese Aufgabe übernehmen. Dann wird das Licht jedoch wieder ausgeschaltet. Der Baum darf erst nach dem Totensonntag leuchten.

200 Meter Lichterketten und 800 Lampen für einen Baum

Drei Mitarbeiter der Firma bringen vier etwa 50 Meter lange Lichterketten mit bis zu 800 weißen Lampen an dem Baum an. „Wir setzen LED-Lampen mit einer Stärke von einem Watt ein. Die halten meist zwei Saisons lang durch. Früher nahmen wir Glühlampen mit sieben Watt. Die mussten wir jedes Mal hinterher entsorgen“, sagt Guido Kaatz. Manchmal muss einer seiner insgesamt fünf Mitarbeiter auch mal in der Adventszeit ein Licht auswechseln beziehungsweise erneuern, weil es doch kaputt gegangen oder von einem Unbekannten vielleicht für den eigenen Hausgebrauch mitgenommen worden ist.

Der Baum vorm Bundesrat ist nicht der einzige, den die Stahnsdorfer jedes Jahr vorm Advent erhellen. Auch mit der Gemeinde Großbeeren gibt es seit 2004 eine Kooperation, die Tanne, Kiefer oder Fichte vor dem Gedenkturm mit Lichtern sowie mit Weihnachtselementen, wie Sterne, Schweife oder Glocken zu schmücken. Das machen Kaatz und Schindler übrigens selbst. Vorgaben gibt es keine, sagen die beiden Firmenchefs. Die Gestaltung bleibt ihrem ästhetischen Gefühl überlassen. Den Baum besorgt in jedem Jahr die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde.

Zur Eröffnung des Weihnachtsmarktes am ersten Advent werden die rund 750 Lichter erstmals eingeschaltet. „Wir haben seinerzeit nach dem Ausbau der Durchgangsstraße die alten Straßenlaternen aus DDR-Zeiten gegen moderne Masten ausgewechselt. Da hatte uns die Gemeindeverwaltung angesprochen, ob wir nicht auch die Weihnachtsbeleuchtung in ihrem Ort übernehmen würden“, berichtet Ulrich Schindler über den Ursprung der Kooperation.

Reichhaltige Erfahrungen mit Großprojekten

Mit Großprojekten haben Kaatz und Schindler reichhaltige Erfahrungen gesammelt. Bis 2003 dekorierten sie zur Adventszeit zahlreiche große Einkaufszentren von Berlin bis Hamburg. Das bekannteste Beispiel dort ist wohl das Elbe-Center. „Doch die Centermanager haben ihren Handwerkern offenbar gesagt, sie sollen uns schön über die Schulter gucken. Jetzt lassen sie ihre Häuser von ihren eigenen Leuten schmücken“, meint Schindler.

Bei einem renommierten Pharmahandelsunternehmen in Berlin-Reinickendorf hat der Stahnsdorfer Kleinbetrieb die komplette Elektrik installiert. Zahlreiche Firmen- oder Werbeschilder für verschiedene Reformhäuser in ganz Berlin wurden schon von den Elektrikern aus Stahnsdorf erhellt. Den Parkplatz am neuen Volvo-Standort in Ludwigsfelde rückte die Firma mit ihren 12-Meter-Masten ebenfalls ins rechte Licht, und die Erstausstattung der gesamten elektrischen Anlage im Rathaus Ludwigsfelde stammt auch aus dem Stahnsdorfer Betrieb.

Daheim schmücken die Familienangehörigen den Baum

Über einen Mangel an Arbeit können sich Kaatz und Schindler sowie ihre Kollegen nicht beklagen. Mehr als 350 Aufträge im Durchschnitt stehen jährlich in den Geschäftsbüchern der Firma. „Wir arbeiten zu 95 Prozent für Hausverwaltungen in Berlin“, sagen die beiden Geschäftsführer. Bauvorhaben und Altstadtsanierungen in der Bundeshauptstadt sichern dem Unternehmen mitunter für mehrere Jahre die Aufträge.

Daheim überlassen Guido Kaatz und Ulrich Schindler meist ihren Familien das Schmücken des Weihnachtsbaumes. „Irgendwann muss man auch mal abschalten können“, sagen die beiden Elektriker.

Von Heinz Helwig