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Stahnsdorf Trauergruppe für Kinder
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Trauergruppe für Kinder
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20:13 21.11.2018
Sabine Elvert aus Stahnsdorf will in der Teltower Region eine Trauergruppe für Kinder aufbauen. Erste Helfer haben sich schon gemeldet. Doch sie braucht weitere Unterstützung.
Sabine Elvert aus Stahnsdorf will in der Teltower Region eine Trauergruppe für Kinder aufbauen. Erste Helfer haben sich schon gemeldet. Doch sie braucht weitere Unterstützung. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
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Region Teltow

„Das vergangene halbe Jahr war echt anstrengend – aber schön anstrengend, weil sich wirklich viel getan hat“, resümiert Sabine Elvert aus Stahnsdorf die vergangenen Monate. Seit sie mit ihrem Vorhaben, eine Kindertrauergruppe zu gründen, über die MAZ an die Öffentlichkeit gegangen ist, war sie nicht nur mit der Vorbereitung des Projektes weiter beschäftigt, sondern hat etwa auch in Schulen und in der Erzieherakademie über das Thema selbst gesprochen. „Es hat sich ganz viel getan in der Öffentlichkeit, es wird viel mehr darüber gesprochen“, sagt sie erfreut.

Kinderhilfe übernimmt Trägerschaft

Zu den wichtigsten Entwicklungen gehört sicher, dass Elvert einen Träger für ihr Vorhaben gefunden hat: Die Kinderhilfe Potsdam, für die sie als Familienbegleiterin ehrenamtlich Eltern und Geschwister von schwer- und todkranken Kindern unterstützt, hat sich von der Begeisterung und der Entschlossenheit der 45-Jährigen anstecken lassen und angeboten, dass die Gruppe unter ihrem Dach gegründet werden kann. Nun ist Elvert selbst auf der Suche nach Ehrenamtlichen: „Bis jetzt sind es fünf Frauen im Alter von 25 bis 50 Jahren, die mitmachen möchte. Man könnte starten, aber es wäre eng“, so Elvert.

Die meisten von ihnen wollen schon immer etwas machen, alle mögen Kinder, lieben es zu basteln, sind aufgeschlossen, neugierig und natürlich auch der Trauerarbeit gegenüber positiv eingestellt, erzählt sie. Alle sind übrigens pädagogische Laien – Hausfrauen, Mütter, Büroangestellte, doch keine Lehrerinnen oder Therapeutinnen. Elvert hätte aber auch sehr gern Männer, die mitmachen. „Die sind ganz, ganz dringend gewünscht“, sagt sie, da Jungs anders trauern als Mädchen.

Unterstützung wird noch dringend gebraucht

Die Kindertrauergruppe für die Region Teltow möchte im kommenden Sommer starten, die Ausbildung der ersten Gruppe beginnt im Juni. 20 Personen können daran teilnehmen. Der Kurs für Trauerbegleiter geht über zehn Samstage sowie ein bis zwei weitere Termine für den Zusatz „Kinder“.

Auch Kooperationspartner für einzelne Projekte werden gesucht – Filzen, Basteln, Vorlesepaten, Begleitomas. Alle Ideen werden gern angenommen.

Wer die Initiative mit dringend benötigten Materialien unterstützen möchte, kann dies über die Amazon-Wunschliste „Kindertrauergruppe TKS“ machen.

Parallel zu den Kindergruppen werden auch die Eltern betreut. Anmeldungen für Kinder und Eltern sowie Informationen sind möglich bei Sabine Elvert unter: sabine@trauerkinder.de oder 0151/41 26 72 82, Internet: www.Trauerkinder.de

Bevor es losgehen kann, müssen die künftigen Betreuer noch zu Trauerbegleitern ausgebildet werden. 6000 Euro kostet der Kurs für die gesamte Gruppe – trotz des günstigen Angebotes ein hoher Preis für Elvert. Doch sie hat Glück: „Ich durfte meine Gruppe in der Veranstaltung „Rock am Kanal“ vorstellen. Das war unglaublich toll und hat viel Spaß gemacht“, schwärmt sie. „Die Rocker sind unheimlich kinderfreundlich.“ So kommt es, dass sich die Organisatoren des Events dazu entschieden haben, die Initiative von Sabine Elvert zu unterstützen, indem sie die erste Ausbildung finanzieren. „Das nimmt uns eine große Sorge“, ist sie erleichtert. Der Kurs soll vor dem nächsten Sommer stattfinden. Danach geht es mit der Betreuung los.

Es ist allerhöchste Zeit, mit der Arbeit anzufangen: Fünf Familien haben schon Kontakt aufgenommen. Sechs Schulkinder, die ein Elternteil verloren haben, sind schon vor dem Start angemeldet worden. Damit ist die erste Gruppe schon beinahe voll. Denn mehr als acht Kinder sollen nicht gleichzeitig betreut werden. Auch zwei Mädchen haben schon nach einer Jugendgruppe angefragt. „Wir hoffen, dass wir das auch bald leisten können, wenn wir genügend Ehrenamtliche haben.“

Für den Anfang ins „Philantow“

Wichtig ist Elvert, dass alle Teilnehmer einer Gruppe immer das gleiche Thema haben: So sollen zunächst nur Kinder betreut werden, die tatsächlich schon ein Elternteil, eine Schwester oder einen Bruder verloren haben. Denn Kinder, die einen Suizid in der Familie erlebt haben, oder jene, die etwa weit entfernt lebende Großeltern oder eine Freundin verloren haben, müssen ganz unterschiedliche Erfahrungen verarbeiten. Wie viele Gruppen tatsächlich angeboten werden können, hängt natürlich davon ab, wie viele Begleiter Elvert noch findet, aber auch, wie es mit der finanziellen Unterstützung weitergeht.

Bei den drei Kommunen Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf wurden finanzielle Hilfen beantragt. Der Teltower Sozialausschuss hat bereits seine generelle Unterstützung zugesagt. Für den Anfang hat sich das Teltower Familienzentrum „Philantow“ bereit erklärt, der Trauergruppe Platz zu geben. Doch spätestens mit einer Jugendgruppe braucht es andere Räume, andere Materialien. „Da kommt man mit Basteln nicht mehr unbedingt weit“, ist sich Elvert bewusst.

Von Konstanze-Kobel-Höller