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Stahnsdorf Wie man in der DDR zu einem Lkw kam – ein Spediteur in Stahnsdorf berichtet
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Wie man in der DDR zu einem Lkw kam – ein Spediteur in Stahnsdorf berichtet
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10:55 06.11.2019
Im Januar 1989 gründete Helmut Karpowitz sein Fuhrunternehmen. Heute gehören 18 Lastwagen zu seiner Fahrzeugflotte. Quelle: Brigitta Sonntag
Stahnsdorf

Als Helmut Karpowitz am ersten Arbeitstag des Jahres 1989 in Potsdam seine Gewerbeerlaubnis in den Händen hielt, hatte der damals 31-Jährige ein tatkräftiges „Geschafft!“ auf den Lippen. Die Dinge hatten sich für den gelernten Elektriker wie ein schwieriges Puzzle ineinandergefügt und ergaben nun das stimmige Bild: Ich habe ein Fuhrunternehmen und bin mein eigener Chef!

Schon Mitte der 1980er Jahre hatte sich Helmut Karpowitz im Potsdamer Gewerbeamt nach den Möglichkeiten erkundigt, selbstständig zu werden. Den Satz: „Ich möchte für die Volkswirtschaft tätig sein und Baumaterialien fahren“, hatte er sich gut überlegt. Er verfehlte seine beabsichtigte Wirkung nicht. Die Frau im Amt gab ihm noch den guten Rat zu versuchen, bei der „Deutsche Handelszentrale“ (DHZ) in Teltow einen Lkw aus den Alt-Beständen von NVA und Polizei zu bekommen.

Auto gegen Kleinbus gegen W 50

Auf nach Teltow. Als Helmut Karpowitz dort nachfragte, erntete er schallendes Gelächter und den Satz: „Kommen Sie in 15 Jahren wieder.“ Ein Fuhrunternehmen ohne Auto? Da kam einer der Puzzlesteine ins Spiel: die große Familie mit acht Geschwistern, die zusammenhielt, wenn es darum ging, den Alltag zu meistern. Und so bekam der angehende Unternehmer den Hinweis, dass der Ausreiseantrag eines Handwerker-Kollegen positiv entschieden worden sei und dieser wolle nun seinen Barkas-Kleinbus gegen einen Pkw tauschen. Das funktionierte. Kurze Zeit später folgte die nächste Tauschaktion, aus dem Bulli des Ostens wurde ein Lkw W 50 – 25 Jahre alt, mit Hänger.

Der stand nun schon auf dem inzwischen erworbenen Grundstück in Stahnsdorf. Ein Puzzlestein, der vor allem nach der Wende wichtig wurde, als in schlechten Zeiten die Bankmitarbeiter einsichtsvoll nickten, wenn sie auf der persönlichen Haben-Seite Haus und Hof sahen. Als Sylvia und Helmut Karpowitz das Grundstück kauften, war das eine Aktion, an der fünf Partner beteiligt waren. Aus dem einstigen Bungalow wurde ein schmuckes Haus, in dem heute auch das Büro des Fuhr-Unternehmens ist.

Ehefrau als Büromanagerin

Sylvia Karpowitz managt es. Die gelernte Fachkraft aus dem Gesundheitswesen arbeitete einige Jahre im VEB Elektronische Bauelemente „Carl von Ossietzky“ (CvO) in Teltow und absolvierte nach der Wende eine Umschulung zur Bürokauffrau. „Als ich 1988 ein paar Monate nicht arbeitete, sondern mich um das Haus kümmerte, fiel das gar nicht auf. Ich war also einer der wenigen Arbeitslosen der DDR und meine Frau arbeitete“, erinnert sich der Unternehmer, dem der Schritt in die Selbstständigkeit als Partner des VEB Kraftverkehr Potsdam sowie des staatlichen Chemiehandels gelang.

Helmut Karpowitz, Fuhrunternehmer aus Stahnsdorf. Quelle: Brigitta Sonntag

Nach der Wende brachen die aufgebauten Beziehungen zusammen, Doch Jammern liegt Helmut Karpowitz nicht: Er machte sich schlau, besuchte Kurse der gerade entstandenen Industrie- und Handelskammer (IHK), baute neue Kontakte auf. „Gebaut wurde ja viel und überall.“ Es dauerte nicht lange und der alte W 50 scheiterte am neuen TÜV. Da half nur ein Kredit. Das mitleidige Lächeln einer Bankmitarbeiterin und der abwertende Satz „Was sind denn das für Zahlen?“ haben sich eingebrannt. Er ging von Bank zu Bank und hatte – dank Haus und Hof – irgendwann den erhofften Kredit, um zwei neue Lkw anzuschaffen.

In guten Zeiten 30 Lkw mit der Aufschrift „Helly-Trans“

Die Bilanzen erstellt heute Ehefrau Sylvia Karpowitz. Zwei Finanzamtsprüfungen im Laufe der Jahre bestätigten, dass die Entscheidung richtig war, sich selbst um die Unterlagen zu kümmern. Das macht stolz.

Das wirtschaftliche Auf und Ab in all den Jahren kommentiert Helmut Karpowitz als Fünfjahrplan. In guten Zeiten rollten 30 Lkw mit der Aufschrift „Helly-Trans“ über die Straßen der Region und darüber hinaus. Wichtigster Kunde des Unternehmens waren und sind Bauunternehmen. Zwei davon verursachten auch die tiefen Krisen des Stahnsdorfer Betriebes, denn ausbleibende Zahlungen in fünf- beziehungsweise sechsstelliger Höhe brachten den Fuhrbetrieb an die Schmerzgrenze der Existenz. Aber da war ja der Puzzlestein Haus und Hof …

Die Helly-Trans-Fahrzeugflotte. Quelle: Brigitta Sonntag

Und heute? „Staatliche Restriktionen, zunehmende Bürokratie, Arbeitskräftemangel und steigende Kosten, die man dem Kunden kaum vermitteln kann, machen unserer Branche das Leben schwer“, resümiert der heute 62-Jährige, der beim Blick in die Bücher die prophezeite Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage schon wahrnimmt. „Die 18 Fahrzeuge müssen rollen“, weiß er und verweist darauf, dass viele seiner Mitarbeiter schon mehr als zehn Jahre für ihn fahren. „Da hat man Verantwortung.“ Auch wenn die manchmal den Schlaf raubt und die Freizeit auffrisst. Ein paar Jahre Unternehmer-Dasein hat sich Helmut Karpowitz noch vorgenommen. „Aber vielleicht habe ich ja Glück und werde 120 Jahre alt.“

Von Brigitta Sonntag

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