Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Stahnsdorf Wildschwein-Plage: Stahnsdorf will einen eigenen Jäger
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Wildschwein-Plage: Stahnsdorf will einen eigenen Jäger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:22 22.02.2019
Wildschweine kommen zu weit in die Gemeinde. Quelle: dpa
Stahnsdorf

Als wohl erste Gemeinde Brandenburgs möchte Stahnsdorf einen Gemeindejäger berufen, der innerhalb des Siedlungsbereichs Tiere erlegen darf. Das wurde von den Gemeindevertretern am Donnerstagabend beschlossen.

Dies soll beim Expertentreffen kommenden Dienstag konkretisiert werden. Derzeit ist weder klar, ob der Jäger eingestellt werden oder ehrenamtlich tätig sein soll, noch, welche Aufgaben er genau erfüllen soll. Die Verpflichtung soll jedenfalls in Abstimmung mit den Jagdpächtern erfolgen. Dennoch machte Fachbereichsleiterin Andrea Rennebarth deutlich klar, dass die Gemeinde es sich nach Auskunft der Unteren Jagdbehörde aussuchen kann, wer in befriedeten Gebieten mit Ausnahmegenehmigung jagen dürfe – dies müssten nicht die Jagdpächter und ihre Jäger sein.

Offene Frage: Jäger haupt- oder ehrenamtliche?

Experten sind sich jedoch ziemlich einig, was sie der Gemeinde empfehlen: „Um das Problem in Stahnsdorf zu lösen, wäre zu überlegen, ob man nicht einen Berufsjäger einstellt“, sagt etwa Mario Gersonde vom Jagdverband Potsdam. Diese hätten eine besondere Ausbildung und auch ausreichend Zeit, sich um das Thema ausgiebig kümmern zu können. „Stahnsdorf und die Region ist aber ein ganz spezielles Thema, sicher auch ein bisschen hausgemacht.“

In die gleiche Kerbe schlägt Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg. „Ich habe das für Stahnsdorf immer präferiert: ein Berufsjäger, der auch die Kommunikation zu den Bürgern aufrecht hält und ihnen erklärt, wie man die Wildschweine fern hält. Ehrenamtlich reicht nicht“, ist er überzeugt, „die Frage ist: Will man ein Problem lösen – oder nicht?“

30 Stadtjäger in Berlin und einer in Potsdam

Mit einer entsprechenden Entscheidung könnte Stahnsdorf nun tatsächlich Vorreiter in der Region werden. „Wir wüssten von keinem angestellten Berufsjäger“, sagt Anja Semmele vom Landesjagdverband. Allerdings müssten die Gemeinden sie nicht darüber informieren, dies sei nicht zustimmungs- oder genehmigungspflichtig. Auch sei der Begriff nirgends konkret verankert. Stadtjäger würden in befriedeten Gebieten – etwa auf Sportplätzen oder Flugplätzen – in beschränktem Maße eine bestimmte Wildart erlegen, die reduziert werden soll, erklärt sie.

Ehrenamtliche Stadtjäger sind bereits in der näheren Umgebung tätig. So gibt es etwa 30 in Berlin und laut Auskunft der Pressestelle einen in Potsdam. Und auch in anderen Teilen Deutschlands geht man diesen Weg: So hat der baden-württembergische Landwirtschaftsminister gerade diese Woche bekannt gegeben, eine rechtliche Regelung zu planen, damit künftig überall in seinem Bundesland Städte und Gemeinden Jäger mit Zusatzausbildung beauftragt werden können, auch in Siedlungsbereichen Wildtiere zu erlegen.

Experte empfiehlt die Fallenjagd

Wellershoff empfiehlt Stahnsdorf neben dem Gemeindejäger auch die Fallenjagd: „Das ist gerade in so einem Gebiet ein hervorragendes Mittel, wenn man jemanden hat, der weiß, was er tut.“ Er spricht davon, dass damit das Problem innerhalb von zehn Monaten in den Griff zu bekommen wäre. Die Bogenjagd wäre eine weitere Methode, die sich durch eine „relativ geringe Drittgefährdung“ auszeichne und die bereits in 17 europäischen Ländern durchgeführt werde. Er empfiehlt Stahnsdorf das ganze Paket – in der Intensität, in der man der Sache Herr werden möchte, wie er betont.

Vier Wildschwein-Fallen stehen bereit

Anfang dieses Jahres hatten mehrfach Filme von Wildschweinen, die in Rotten durch Kleinmachnow liefen, bundesweit für Aufregung gesorgt.

Anfang Februar stürmte ein verletztes Wildschwein einen Stahnsdorfer Friseurladen und sorgte dort für Schäden.

Ein Hauptgrund dafür, dass immer mehr Wildschweine die Siedlungsbereiche in den Kommunen aufsuchen, ist, dass sie dort reichlich Futter finden. Wegen der extremen Trockenheit im Sommer gibt es weniger Mais oder Eicheln in der freien Natur.

Neben der bewussten Fütterung durch Anwohner bedienen sich die Tiere auch an Kompost und Müll oder Würmern und anderen Kleinlebewesen in den gut gewässerten Rasenflächen.

Auch ist im Siedlungsgebiet die Jagd durch Erschießen aus Sicherheitsgründen kaum möglich.

Zur Fallenjagd stehen in der unteren Jagdbehörde vier Sauenfänge zur Verfügung, die nach Absprache genutzt werden können. Eine entsprechende Genehmigung für die Fallenjagd ist möglich.

Ein Antrag der Jagdpächter zur Genehmigung der Bogenjagd in Stahnsdorf wurde am 24. Januar eingereicht.

Damit rennt er in der Gemeinde jedenfalls offene Türen ein, denn neben dem Gemeindejäger wurden Donnerstagabend unter anderem die Unterstützung des Einsatzes der Lebendfallenjagd und die Bogenjagd beschlossen. Zusätzlich werden künftig den Jagdpächtern Abschussprämien in Höhe von 35 Euro pro Tier bis zu einem Gewicht von 30 Kilo ausbezahlt, wenn es auf dem Gemeindegebiet Stahnsdorf erlegt wurde. Auch in Zukunft möchte man außerdem für geeignete Grundstücke im befriedeten Bezirk Ausnahmeanträge für die Jagd stellen, verstärkt im Ort das Fütterungsverbot durchsetzen und die Bevölkerung aufklären.

Jüngst erst hatte die Jagdgenossenschaft die Verträge mit Peter Hemmerden und Jörg Fenske als Jagdpächter für die Gemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf für weitere fünf Jahre verlängert. Die SPD hatte ihnen zuvor noch vorgeworfen, zu wenig gegen Wildschweine zu unternehmen.

In den vergangenen Monaten wurden Wildschweine verstärkt in den Gebieten von Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf gesichtet. Sie rannten in Rotten durch die Kommunen, verirrten sich in einen Frisörsalon und rannten eine Frau um.

Lesen Sie mehr auf unserer Themenseite „Wildschweine in Brandenburg“.

Von Konstanze Kobel-Höller

Ein Foto von einer fast nackten Schülerin geistert durch die Netzwerke einer ganzen Stadt: Folge von Sexting in Brandenburg. Die MAZ hat darüber mit Sozialarbeitern und Schulleitern in der Region gesprochen.

22.02.2019

Die erste Heimpartie der Rückrunde gegen den FSV Groß Kreutz muss abgesagt werden. Der Grund, Wildschweine das gepflegte Grün umgewühlt.

20.02.2019

Mehrere Quadratmeter Kupferdach sind von Grabstätten auf dem Stahnsdorfer Südwestfriedhof gestohlen worden. Vor Ort ist man entsetzt über die kriminelle Energie. Und es war nicht das erste Mal.

22.02.2019