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Stahnsdorf Wildschweine graben Garten um und töten Hund Kessy
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Wildschweine graben Garten um und töten Hund Kessy
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21:15 04.12.2019
Besitzer Hans-Joachim Gohl ist fassungslos. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
Stahnsdorf

5 Uhr in der Früh war es am Dienstag, als der Entlebucher Sennenhund Kessy in der Stahnsdorfer Friedrich-Naumann-Straße nach draußen in den Garten wollte. „Sie hat immer ihre Runde den Zaun entlang gedreht“, sagt Hans-Joachim Gohl (67), ihr Herrchen. Alles war wie immer, morgendliche Stille, kein Bellen, kein Winseln.

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Nur die Dauer des Ausfluges ist ihm aufgefallen. „Sie kam sonst immer zur Haustüre, aber gestern hat das zu lange gedauert. Also habe ich aus dem Schlafzimmerfenster geschaut – und dort die Wildschweine entdeckt. Sie waren sehr aufgeregt, so ein Gegrummel, die Bache hat sehr gegrunzt.“ Das Muttertier und mindestens sechs Jungtiere, wurde später vom Ordnungsamt vermerkt, hatten sich im Garten des Hundebesitzers eingefunden und waren hier auf den altersschwachen Hund gestoßen. „Da wusste ich aber noch nicht, dass sie Kessy in der Mangel haben“, so Gohl, der erst einmal zur Haustüre ging und das Licht anschaltete.

Wunde am Hinterbein

Das schreckte die Tiere wohl auf. „Da sind drei oder vier an mir vorbeigerannt.“ Mit einer Taschenlampe ist er dann nach draußen gegangen, doch der Spuk war schon vorbei. „Die Schweine waren weg – aber Kessy lag im Gras. Ich habe eine Decke geholt und sie nach drinnen gebracht.“ Auf den ersten Blick war der Hund nicht schlimm verletzt, nur eine rund zehn Zentimeter lange Wunde auf einem Hinterbein hatte sie, erzählt Gohl. Doch es muss wohl doch mehr gewesen sein, denn nach einer halben Stunde schloss Kessy ihre Augen für immer. „Totgebissen, totgetreten“, sagt Gohl.

Am Nachmittag hat Gohl dann seine beiden Töchter gebeten, nach Stahnsdorf zu kommen, er wolle ihnen etwas zeigen. Als Sarah Gohl (35) ankam und den von den Wildschweinen umgegrabenen Garten sah, dachte sie, das sei die Neuigkeit. Die tatsächliche Nachricht sei dann schlimm gewesen. Auch wenn Kessy schon alt gewesen sei und nicht mehr gut gesehen und gehört habe, hätten sie doch nicht damit gerechnet, dass es so tragisch endet. „Das ist es wohl, was einen dann so bestürzt“, sagt die Krankenschwester, die durchaus eine Veränderung der Wildschwein-Situation im Ort sieht. „Wir sind hier als Kinder mit dem Fahrrad herum gefahren, haben im Wäldchen gespielt – und hatten nie Kontakt mit Wildschweinen“, sagt sie.

Bache mit Jungen darf nicht geschossen werden

Noch in der Früh hatten Nachbarn die Polizei gerufen. Diese rückte mit dem Ordnungsamt und dem zuständigen Jäger an und nach Sperrung eines Abschnittes der Straße wurden die Wildschweine schließlich vom Nachbargrundstück vertrieben. Geschossen durften die Tiere nicht werden, weil es sich um eine Ortslage und um eine Bache mit ihren Jungtieren handelte – die genießt Schutz, so Peter Hemmerden, einer der beiden Jagdpächter für Stahnsdorf und Kleinmachnow. Ordnungsamt oder Polizei könnten zwar Jäger von solchen Regeln freistellen, eine klassische Notwehrsituation sei hier aber nicht mehr gegeben gewesen, da sich die Tiere schon zurückgezogen hatten.

„Das Problem wurde hier gelöst – aber an einer anderen Stelle ist es wieder da“, so Gohl, der appelliert, dass dringend etwas geschehen müsse. „Ich sage mal, diesmal war es nur ein Hund. Ich möchte nicht wissen, in welcher Situation Stahnsdorf und der Bürgermeister sind, wenn mehr passiert. Wir haben hier direkt daneben Schulen und Kitas.“ Auch in der eigenen Wohngegend sei das Problem nicht neu.

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Zäune sind für Schweine kein Problem

Obwohl zur Straße hin kompakte Zäune stehen – wenn die Wildschweine erst einmal in einem Garten sind, überwinden sie die Maschendrahtzäune zwischen den Grundstücken ohne Probleme. „Da springen sie ganz elegant drüber.“ Die Absicherung sei nur so gut wie das schwächste Glied in der Kette, sagt auch Hemmerden. „Es braucht nur einmal ein Türchen nicht ganz fest zugemacht sein und die Tiere drücken es auf.“

Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) hatte schon zuvor angekündigt, möglichst rasch mit dem neuen brandenburgischen Landwirtschaftsminister das Gespräch suchen zu wollen. „Dass jetzt mit einer Hündin erstmals ein Lebewesen durch die Wildschweine getötet wurde, zwingt uns zur Nutzung aller denkbaren Möglichkeiten, die Wildschweinpopulation zu senken.“ Er fordert nun die unverzügliche Bewilligung der Bogenjagd in der Ortslage.

Jagdpächter würde gerne scharf schießen

Das sei aber nur ein Aspekt, so Hemmerden. Er hofft auch auf eine Genehmigung für die Jagd mit Spezialmunition in Ortslage. Dazu sei ein Gutachten in Auftrag gegeben worden. Außerdem plädiert er für einen verstärkten Einsatz der Lebendfallen an kritischen Stellen, etwa nahe Schulen, Kitas oder Sportanlagen. „Das hat natürlich wenig mit Jagdromantik zu tun – im Mondschein im Hochsitz dem Uhu lauschen. Das ist aber nicht unsere aktuelle Aufgabenstellung.“ In diesem Jagdjahr seien bisher rund 70 Stück Schwarzwild erlegt worden. „Das war das Ergebnis des gesamten letzten Jagdjahres, dafür prognostiziere ich diesmal weit über 100.“

Ehrenamtliche Jäger für akute Fälle

14 Jäger – zwei Jagdpächter, die von zwölf Jägern unterstützt werden – versuchen derzeit, die Wildschweinpopulation in Stahnsdorf und Kleinmachnow in den Griff zu bekommen.

Stahnsdorf hat seit einigen Monaten zwei ehrenamtliche Gemeindejäger im Einsatz, um solche Akut-Einsätze wie am Dienstag abdecken zu können.

Derzeit wird in Stahnsdorf eine Lebendfalle im Umfeld einer Schule eingesetzt. Bisher wurden darin sechs Wildschweine gefangen. Jagdpächter Hemmerden möchte weitere Fallen aufstellen.

Ein Antrag auf den Einsatz von Spezialmunition für die Jagd in Ortslage wurde eingebracht.

Auch die Bogenjagd, die im Juni abgelehnt wurde, soll noch einmal beantragt werden.

Hemmerden ist sehr betroffen von den Ereignissen in Stahnsdorf: „Ich bin auch Hundebesitzer und war sehr traurig, als ich das gehört habe. Wenn jemand seinen Hund verliert, der ja auch irgendwie zur Familie gehört, ist das schon ein schlimmes Unglück.“

Von Konstanze Kobel-Höller

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