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Potsdam-Mittelmark Steinadler begleitet Steinsetzer zur Arbeit
Lokales Potsdam-Mittelmark Steinadler begleitet Steinsetzer zur Arbeit
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00:21 19.11.2017
Während der Steinsetzer Naumann pflastert, ruht Steinadler Frieda  auf dem Sitzbügel. Der junge Rauvogel  des Hobbyfalkners soll sich an Menschen und Geräusche gewöhnen.
Während der Steinsetzer Naumann pflastert, ruht Steinadler Frieda auf dem Sitzbügel. Der junge Rauvogel des Hobbyfalkners soll sich an Menschen und Geräusche gewöhnen. Quelle: Andreas Koska
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Brück

Frieda sitzt ruhig auf ihrem gepolsterten Bügel. Der Kopf des Raubvogels folgt den Bewegungen auf der Straße und dem Bürgersteig. Meist blickt Frieda zu ihrem Herrchen, Uwe Naumann. An zwei, drei Tagen in der Woche begleitet die ein halbes Jahr junge Steinadler-Dame den Steinsetzer zur Arbeit. Naumann ist gerade dabei, die Nebenanlagen in der Straße des Friedens in Brück zu pflastern. „Ich nehme den Jungvogel mit, damit er mit den Umweltgeräuschen klar kommt“, sagt der 58-jährige Hobbyfalkner.

Daheim in Heinsdorf zwischen Jüterbog und Dahme im Niederen Fläming hat er eine kleine Falknerei mit einem weiteren Adler, mehreren Falken und einem Uhu. Wenn er in einigen Jahren in Rente geht, will er eine Zucht betreiben, erzählt Naumann beim Baustellenbesuch der MAZ. Daheim besuchen kann man den Falkner nicht. „Die Vögel leben in Zuchtvolieren und sind wie alle Wildvögel sehr geräuschempfindlich“, erklärt der Experte. Deshalb gibt es bei ihm keine Besichtigungen und Führungen. Auch Vorführungen bietet er nicht an. „Es sind Jagdvögel, die ich auf die Jagd mitnehme“, betont Naumann.

Schüler wollen Frieda besuchen

In Brück ist der Greifvogel schon zur kleinen Sensation geworden. Es gibt erste Anfragen von Schulklassen, die Frieda besuchen wollen. „Solange es meine Tätigkeit nicht stört, sind die Kinder willkommen“, sagt Naumann. Denn er will auch Aufklärungsarbeit leisten und vielleicht den einen oder anderen Schüler für sein Hobby interessieren.

Immer in Sichtkontakt: Während Bauarbeiter Uwe Naumann Steine verlegt, behält Adler-Dame Frieda alles im Blick. Quelle: Andreas Koska

Dass er mit seinen Raubvögeln am Arbeitsplatz Aufsehen erregt, ist Naumann gewohnt. In der Regel gebe es keine Probleme. Einzig in Weimar habe er mal häufiger Besuch vom Veterinäramt gehabt. „Man befürchtete Schäden durch Abgase für den Vogel“, erzählt der Steinsetzer. „Dabei saß er rund acht Meter von der Fahrbahn entfernt, während ich direkt an der Straße kniete und Abgase einatmete“, so Naumann. Das jedoch habe niemanden gestört, berichtet der Bauarbeiter.

Nur Jäger können Falkner werden

Um Falkner zu werden, muss man zunächst Jäger sein. Danach kann man sich in einem einwöchigen Seminar, das mit einer Prüfung abschließt, zum Falkner fortbilden.

Bestandteil der Prüfung. sind die Themen Naturschutz sowie Wild- und Greifvogelkunde.

Im Hohen Fläming gibt es eine öffentliche Falknerei auf Burg Rabenstein im Naturpark. Betrieben wird der Betrieb von Dirk Grabow, der gelernter Forstwirt, Revierjagdmeister und Berufsfalkner ist. Er bietet auch Flugvorführungen an.

Uwe Naumann fasziniert es, die Vögel bei der Jagd zu beobachten. „Jeder Greifvogel kann das von Natur aus, er jagt von allein“, berichtet der Falkner. „Das Schöne ist jedoch, dass er uns daran teilhaben lässt und wir es beobachten können“, erläutert Naumann den Reiz der jagdlichen Falknerei. Er verwahrt sich gegen Vorwürfe, die Vögel auf andere Tiere zu hetzen. „Das ist nicht so, wir müssen uns auch an die Schonzeiten halten und deshalb den Vogel möglichst nah an die erlaubte Beute führen, das Jagen macht er schon allein“, sagt Naumann. Sein Hobby sei „zeitaufwendig aber sehr schön“.

Falknerei ist Weltkulturerbe

Gerade im Winter bleibe wenig Zeit für die Arbeit im Freien mit den Tieren. „Wenn ich zur Arbeit fahre, ist es noch dunkel, wenn ich wiederkomme auch schon wieder “, sagt der Bauarbeiter. Trotzdem beschäftigt er sich täglich mit seinen Vögeln. Deshalb ist nun Frieda jeden zweiten Tag mit dabei am Arbeitsplatz. Der junge Vogel soll die Geräusche kennenlernen und merken, dass sie da sind, ihm aber nichts geschieht. Dadurch werde das Fluchtverhalten unterdrückt. „So fliegt sie bei der Jagd nicht einfach davon, sondern kommt wieder“, erklärt Friedas Besitzer. „Die Falknerei gehört zum immateriellen Weltkulturerbe und trotzdem haben wir Probleme mit dem Nachwuchs“, bedauert der passionierte Falkner.

Adler-Dame Frieda hat in Brück einen entspannten Arbeitstag. Quelle: Andreas Koska

Er glaubt, dass dies auch an der körperlich schweren Tätigkeit liegt. Immerhin wiegt ein Adler zwischen drei und fünf Kilogramm, ein Falke immer noch knapp ein Kilogramm. Beide Vogelarten müssen auf der Jagd über Stunden auf dem Arm getragen werden. Da sind Kraft und Ausdauer nötig. Als Steinsetzer und Pflasterer verfügt Uwe Naumann über genügend Kraft. Mit dieser setzt er weiter Stein um Stein in das neue Brücker Pflaster. Und der Kopf seines Raubvogels Frieda folgt aufmerksam allen Bewegungen.

Von Andreas Koska