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Potsdam-Mittelmark Straßenbau muss wegen Wucherpreis warten
Lokales Potsdam-Mittelmark Straßenbau muss wegen Wucherpreis warten
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11:41 23.03.2018
Der erste Bauabschnitt auf der B 2 wird weiter fertiggestellt. Die Bauarbeiten verzögern sich allerdings bis Ende August. Grund dafür: das unbeständige Wetter der letzten Wochen. Quelle: Christin Iffert
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Treuenbrietzen

Der Ausbau der B 2 am Ortsausgang Treuenbrietzen im Bereich Berliner Chaussee ist aufgeschoben. Die Auftragsvergabe zur Erneuerung des Schmutzwasserkanals wurde vom Wasser- und Abwasserzweckverband Nieplitztal (WWN) ausgesetzt. „Bei der Ausschreibung hat sich nur ein Unternehmen beteiligt. Der Preis übersteigt die geschätzten Baukosten um 263 Prozent“, teilte Bürgermeister Michael Knape bei der Treuenbrietzener Stadtverordnetenversammlung diese Woche mit.

Die Kosten waren mit rund 600 000 Euro bereits hoch kalkuliert. Das Bauunternehmen veranschlagte aber 1,6 Millionen Euro. „Wir haben im Vorstand des Zweckverbandes entschieden, dass dies für die Anleger, Kunden und auch für den Verband unzumutbar ist.“ Schließlich hätte das Auswirkungen auf alle Kunden im Verbandsgebiet mit 40 Cent Kostenerhöhung pro Kubikmeter gehabt. Anlieger hätten Kosten von 1600 Euro pro laufenden Meter stemmen müssen, Investitionen im Verband wären gestrichen – und es gäbe eine hohe Neuverschuldung.

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Mischwasserkanal kann nur noch wenige Jahre genutzt werden

Nichtsdestotrotz muss der vorhandene Mischwasserkanal zurückgebaut werden. Mit kleineren Reparaturen könnte man damit noch drei, vier Jahre auskommen. In dem Zeitfenster hofft der Bürgermeister auf einen günstigen Moment für eine neue Ausschreibung. Die übernahm der Landesbetrieb Straßenwesen. Angebote für den Straßenbau überstiegen übrigens ebenso die geplanten Kosten, bestätigte der Landesbetrieb der MAZ. „Die sollen doppelt so hoch sein“, beziffert Knape das Angebot genauer.

Volker Thomas verfugt Steine am erneuerten Durchlass in Treuenbrietzen. Das Angebot des ersten Abschnitts lag finanziell im Rahmen. Quelle: Christin Iffert

Wie also soll es weitergehen mit dem Bau des Abschnitts? Würde die Straße gebaut, müsste sie in wenigen Jahren wieder aufgerissen werden. „Das wird nicht geschehen“, teilte Cornelia Mitschka vom Straßenbetrieb mit. Die einzige Möglichkeit ist nun, das Verfahren aufzuheben. Der Landesbetrieb hat das bereits angeschoben, allerdings hätten alle Beteiligten Fristen zur Anhörung, weshalb man sich nicht abschließend äußern könne. Vor dem Frühjahr 2018 bräuchten Anwohner nicht mit dem Baustart des Abschnitts rechnen – wenn nicht sogar später, glaubt Knape.

Stadt beschließt Ausbau der Seitenbereiche

Unterdessen haben die Stadtverordneten mit zwölf Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und sechs Enthaltungen den Ausbau der Seitenbereiche rund um die geplante Ausbaustrecke und das Berliner Dreieck beschlossen. Die Stimmung war bei der Versammlung aufgeheizt. Immer wieder wurden Radwege thematisiert. Die liegen jedoch in der Hoheit des Landesbetriebs und werden mit einem durchgehenden Schutzstreifen und einer Breite von rund 1,50 Meter realisiert. Antje Schmollack von der CDU-Fraktion sprach sich vorab für den Beschluss aus: „Es geht hier nur darum, die Nebenanlagen zu bescheiden – nicht um Radwege oder Ampeln. Das ist ein Beschluss, der mit den Bürgern zusammen erstellt wurde und dem Bürgerentscheid entspricht.“ Die Fraktion hatte das vorab auch von einem Rechtsanwalt prüfen lassen. Die Bushaltestelle etwa bleibt, wo sie ist. Dafür muss das Berliner Dreieck jedoch um 16 Meter gekürzt werden, sonst kommt der Bus nicht durch. Die Bürgerinitiative ist diesen Kompromiss eingegangen, hatte sie doch gefordert, das Dreieck zu belassen.

Mit dem Beschluss ist die BI zufrieden. „Im Rahmen der Möglichkeiten konnten wir mit beidseitigem Entgegenkommen viel schaffen“, sagt Ute Niendorf. Durch den Entscheid seien die Menschen indes aufmerksamer geworden – und auch die Stadt habe etwas dazugelernt.

Daran wird die Stadt bauen

Treuenbrietzen baut ausschließlich die Seitenbereiche der Ortsdurchfahrt auf der Berliner Chaussee – von der Nieplitzbrücke zum Ortsausgang Richtung Potsdam.

Erneuert werden die Gehwege. Das Mosaikpflaster weicht Betonsteinpflaster. Gleichzeitig werden Grundstückszufahrten und Sicherheitsstreifen realisiert.

Mauer und Geländer am Zindelmühlengraben müssen sicherer werden. Während die Mauer instandgesetzt wird, muss das Geländer komplett erneuert werden.

Die Straßenbeleuchtung wird erneuert und erweitert. Statt Freistromleitungen gibt es künftig ein neues Kabelsystem.

Das Berliner Dreieck bleibt bestehen. Es werden jedoch 16 Meter abgetragen, damit der Bus auch künftig um die Kurve kommt.

Radwege oder Ampeln fallen nicht in die Bauhoheit der Stadt, sondern in die des Landes.

Von Christin Iffert