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Potsdam-Mittelmark Landesbetrieb Forst will am Samstag weiter sprühen
Lokales Potsdam-Mittelmark Landesbetrieb Forst will am Samstag weiter sprühen
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16:21 10.05.2019
Seit Anfang der Woche fliegen Hubschrauber in Potsdam-Mittelmark die Insektizideinsätze. Quelle: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa
Potsdam

Das Potsdamer Verwaltungsgericht hat am Freitag den umstrittenen Insektizid-Einsatz in Brandenburgs Wäldern vorläufig gestoppt. Bis zu einer Entscheidung des Gerichts über den Nabu-Eilantrag darf der Landesbetrieb Forst Brandenburg das Insektizid „Karate Forst flüssig“ in Schutzgebieten vorerst nicht mehr einsetzen, teilte das Gericht am Freitag mit.

Der Nabu-Landesvorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch sprach von einem „Teilerfolg“. Tatsächlich umfasst die Verbotszone, in der der Landesbetrieb Forst das Insektengift zunächst nicht mehr versprühen darf, nur etwa 75 Hektar, wie Hubertus Kraut, der Direktor der Behörde, sagte. Das gesamte Einsatzgebiet erstreckt sich aber über gut 7500 Hektar in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming. Die betroffenen Waldgebiete sind –bis auf 1000 Hektar Bundeswald auf einem Truppenübungsplatz –in Privatbesitz.

Weiter sprühen am Samstag

Nach Krauts Angaben wurden davon zwischen Dienstag und Freitagmittag etwa 1200 Hektar bereits mit „Karate-Forst flüssig“ besprüht. Auch am Samstag soll die Aktion weitergehen, sofern das Wetter mitspielt. Bei starkem Wind und Regen ist ein Einsatz nicht möglich. Bei einem Pressegespräch am Rande der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung plädierte Kraut zusammen mit dem Verband der Waldbesitzer abermals für den Einsatz von „Karate-Forst flüssig“. Er sprach von einem „kurzen Zeitfenster, in dem der Einsatz sinnvoll ist“. Das Gift mache dem Baumschädling Nonne („Lymantria monacha“) nur in einem frühen Larvenstadium, kurz vor der Verpuppung, den Garaus. „Danach wirkt es nicht mehr. Wir haben nicht unbegrenzt Zeit.“

Thomas Weber, der Vorsitzende des Waldbesitzerverbands, betonte, „Karate-Forst flüssig“ sei derzeit der einzige für diesen Zweck zugelassene Wirkstoff und von den Behörden zuvor streng geprüft worden. Es handelt sich um ein sogenanntes Kontakt-Insektizid –Insekten, die damit in Berührung kommen, überleben das nicht. Zudem ist „Karate Forst flüssig“ sehr ergiebig: Pro Hektar werden nur 75 Milliliter des Giftes gebraucht, das dann stark mit Wasser verdünnt und in einem feinen Sprühnebel vom Hubschrauber aus auf die Baumkronen geschossen wird.

„Akute Notsituation“

Weber sprach von einer „akuten, für Kleinwaldbesitzer ruinösen Notsituation“. Der Holzmarkt sei derzeit mehr als gesättigt, die Preise zum Teil nicht einmal kostendeckend. Eine Aufforstung sämtlicher derzeit von der Nonne befallenen Wälder in den beiden Landkreisen würde „mindestens 30 Millionen Euro“ kosten, so seine Schätzung.

Noch etwas dramatischer drückte es Gregor Beyer von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald aus: „Von einer Aufforstung profitieren erst unsere Urenkel. In der Zwischenzeit würde Brandenburg zur Steppe“, warnte er. „Wenn wir den Wald jetzt nicht retten, erübrigt sich die Frage nach einem Waldumbau.“ Damit spielt er auf die klagenden Naturschutzverbände an: Diese nennen den Gifteinsatz im Wald eine „Symptombehandlung“ und fordern stattdessen einen „Umbau der Kiefernmonokulturen in naturnahe Mischwälder“.

510 Waldbrände im vergangenen Jahr

In Brandenburg gab es im vergangenen Jahr 510 Waldbrände. Betroffen waren fast 1.700 Hektar Waldfläche, sagte der Waldbrandschutzbeauftragte des Landes, Raimund Engel, am Freitag in Potsdam . Elf Brände waren größer als zehn Hektar, vier davon größer als 100 Hektar. Sie richteten 88 Prozent des Gesamtschadens an. Der wirtschaftliche Schaden wird auf elf Millionen Euro geschätzt. In diesem Jahr wurden laut Engel bereits mehr als 100 Waldbrände landesweit verzeichnet. Dabei wurden über 36 Hektar Wald geschädigt.

Engel schlägt in seinem Jahresbericht die Anschaffung von Löschpanzern zum Einsatz auf munitionsbelasteten Flächen und von Drohnen zur Lageerkundung vor. Die Anschaffung von Löschflugzeugen findet er dagegen nicht notwendig. In Brandenburg gilt etwa ein Drittel des Waldes (280.000 Hektar) als munitionsbelastet.

Wie geht es in dem Rechtsstreit weiter? Die zuständige 4. Kammer des Verwaltungsgerichts hat den beteiligten Behörden eine Frist gesetzt, sich bis Montag zu äußern. Bis spätestens kommenden Freitag, 17. Mai wird die Kammer eine Entscheidung über den eigentlichen Eilantrag von Nabu und BUND fällen, die Sprühaktion zu beenden. Bei der jetzt gefällten Entscheidung handelt es sich lediglich um eine „Zwischenverfügung“.

Der Grünen-Politiker Benjamin Raschke nannte es „bitter, das nun Gerichte über den Einsatz von Karate Forst entscheiden müssen.“ Der Stoff sei nicht nur für den Nonnen-Schädling, „sondern für sehr viel mehr Arten giftig“, ergänzte er. „Zu verantworten hat diese Situation Umweltminister Vogelsänger, der über Jahre versäumt hat, Alternativen zu schaffen.“

Von Thorsten Keller

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