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Potsdam-Mittelmark Neue Telefonzellen-Bücherei eingeweiht
Lokales Potsdam-Mittelmark Neue Telefonzellen-Bücherei eingeweiht
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15:26 05.10.2018
In Jeserig/Fläming ist jetzt eine Bücher-Telefonzelle eröffnet worden. Regine Schönenberg ist dafür verantwortlich.
In Jeserig/Fläming ist jetzt eine Bücher-Telefonzelle eröffnet worden. Regine Schönenberg ist dafür verantwortlich. Quelle: Christiane Sommer
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Jeserig/Fläming

Knapp 200 Bücher standen zur offiziellen Einweihung der Jeseriger Mitnehm-Bibliothek – einer ausgemusterten Telefonzelle – bereits in den Regalen. 80 Prozent des Bestandes stammen aus den Bücherregalen der Einwohner selbst.

Doch damit nicht genug: Im Verlauf des Eröffnungsnachmittages sind immer mehr Dorfbewohner mit gefüllten Körben gekommen, um den Bestand weiter zu vergrößern. Am Ende sind es mehr Bücher, als die Regale fassen können. „Ich sehe schon, es wird keinen Mangel an Büchern geben“, freut sich Regine Schönenberg.

Weitere Zelle steht in Reetz

Bereits im Sommer des vergangenen Jahres hatte sie sich spontan bereit erklärt, Verantwortung für die Mitnehm-Bibliothek zu übernehmen. Künftig ist sie nun gemeinsam mit Wiesenburgs Bibliothekarin Irina Seeger dafür verantwortlich.

Wiesenburgs Bürgermeister Marco Beckendorf (Linke) hatte damals allen Dörfern der Großgemeinde eine Telefonzelle in Aussicht gestellt, die, als Bücherzelle genutzt, ein kleines Plus an Lebensqualität bescheren sollte. Während man in Jeserig und Reetz das Angebot freudig annahm, winkten die Ortsbeiräte in den übrigen Dörfern jedoch ab.

Anschaffung kostete 350 Euro

Die Kosten für die Anschaffung der ausgedienten Telefonzelle beliefen sich auf rund 350 Euro.

Das Fundament baute das Team des Wiesenburger Bauhofes.

Der Bücherbestand wird künftig auch durch die Gemeindebibliothek ergänzt.

Literatur, die dort in regelmäßigen Abständen aussortiert werden muss – obwohl noch in gutem Zustand – wird den Selbstbedienungsbüchereien in den Dörfern zur Verfügung gestellt.

Bei frisch gepresstem Apfelsaft und leckeren Waffeln entwickelte sich die Indienststellung der Mini-Leihbücherei zu einem geselligen Beisammensein und die „TeleBib“, wie sie im Dorf genannt wird, bestand ihre Bewährungsprobe. Felix Lenz war einer der ersten, der das neue Angebot nutzte. Er entdeckte im Bestand Rick Riordans Fantasy-Roman „Percy Jackson – Im Bann der Zyklopen“.

„Ich lese eigentlich gerne. Den ersten Band kenne ich schon“, sagt der 13-Jährige und radelt mit der Lektüre unter dem Arm wieder nach Hause. Andere Dorfbewohner nehmen sich mehr Zeit. Sie freuen sich über die neue Errungenschaft und haben zudem ihre Freude am Nachwuchs, der die prall gefüllten Regale der „TeleBib“ sprichwörtlich unter die Lupe nimmt.

Die Regale der neuen Leihbücherei waren von Anfang an prall gefüllt. Quelle: Christiane Sommer

„Es ist anders, als man denkt. Es wird doch noch gelesen“, so Regine Schönenberg. Immer wieder erfährt die Verwirklichung der Mitnehm-Bibliothek anerkennende Worte. Mit Dirk Albrecht, Roland Haag und Regine Schönenberg zeichnete ein Jeseriger Trio dafür verantwortlich. Für das jetzt auffallend bunte Outfit der ausgemusterten Telefonzelle sorgte wiederum Roland Haag in Eigenregie.

Über drei Wochen nahm die Verwandlung der ursprünglich magenta-grauen Hülle in Anspruch. Nach erfolgter Grundierung griff der 63-Jährige zu Pinsel und Farben. Das Ergebnis: Die Jeseriger „TeleBib“ am neuen Spielplatz hat Wiedererkennungswert. An den Scheiben wachsen Birken mit Bücher tragendem Laub.

Anlässlich der Einweihung der Bücherzelle haben viele Dorfbewohner vorbei geschaut. Quelle: Christiane Sommer

Und noch etwas macht sie besonders: Die kleine Leihbücherei im 200 Einwohner zählenden Dorf hat sogar elektrische Beleuchtung. Geht im Ort die Straßenbeleuchtung an, wird es auch in der „TeleBib“ hell. Die Buchausleihe ist damit an keine Stunde gebunden.

Regine Schönenberg hofft, dass die Bücherzelle auch künftig rege genutzt wird und es weiter viele Bücherspenden gibt. „Dafür sollte die Bücherspendenkiste in der Zelle genutzt werden, in der die Spenden abgelegt werden können“, erklärt sie.

Von Christiane Sommer