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Potsdam-Mittelmark Telefonzellen als Mini-Büchereien
Lokales Potsdam-Mittelmark Telefonzellen als Mini-Büchereien
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06:46 28.12.2018
Reckahner Kita-Kinder freuen sich mit den Landfrauen und Ortsvorsteher Klaus Perle auf die Bücherschränke. Seit dem Sommer haben die Landfrauen Geld dafür gesammelt. Quelle: privat
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Kloster Lehnin

Viele Literaturfreunde lesen ihre Bücher nur einmal, doch wohin dann damit: Die Landfrauen von Reckahn und Krahne haben da eine gute Idee. Sie wollen in ihren Orten zwei ausrangierte Telefonzellen aufstellen und mit Büchern ausstatten. Möglich machen das Spenden. Dafür kauften die Landfrauen nach Angaben ihrer Vorsitzenden Petra Müller von einem „Telefonzellen-Friedhof“ bei Michendorf zwei Exemplare. Ab dem Frühjahr sollen die beiden Häuschen als Leihbücherei für jedermann zum fleißigen Schmökern einladen. Unterstützt wird das Projekt von den beiden Ortsbeiräten. Auch anderswo in Deutschland gibt es bereits derartige öffentliche Bücher-Zellen. Auch in Michendorf, Blankenfelde und in anderen Regionen gibt es bereits Bücherboxen.

Die Idee: Jeder kann sich dort ein Buch zum Lesen herausnehmen und danach wieder zurückbringen. Auch ausgelesene Bücher können dort für den guten Zweck abgegeben werden. Die Romane, Krimis und Sachbücher sind für jede Altersgruppe ausgelegt. Auch Spiele für Kinder sollen die Bücher-Schränke enthalten. Die Telefonzellen sollen neben der Reckahner Feuerwehr und gegenüber dem Gerätehaus der Feuerwehr in Krahne postiert werden.

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Genug Bücher sind vorerst da

450 Euro plus Mehrwertkosten müssen die Landfrauen pro ausrangiertem Telefonhäuschen berappen. „Das Geld haben wir Dank vieler Spenden von Bürgern und Handwerkern zusammen bekommen“, sagt Petra Müller. Im Januar können die Telefonzellen abgeholt und für ihre neue Aufgabe umgerüstet werden. Dafür brauchen sie ein Fundament und Regalböden. Etliche Bücher sind bereits bei den Landfrauen abgegeben worden, es sind genügend für den Start. „Wenn wir noch welche brauchen, rufen wir dazu noch einmal auf“, sagt die Vorsitzende der Landfrauen in Potsdam-Mittelmark.

„Wir haben bei unseren Treffen gemerkt, dass die Frauen ihre Bücher untereinander tauschen. Die Bücher zu verkaufen, lohnt sich nicht, sie wegzuwerfen, wäre schade. So hat sich die Idee des Recyclings von Büchern entwickelt“, sagt Petra Müller. Die Bücherschränke sollen Treffpunkt im Ort werden. Da es in den beiden Dörfern natürlich keine Leihbibliotheken gibt, „wollen wir den Zugang zu Büchern erleichtern“.

Friedhof für Telefonzellen mitten im Wald

Angestrichen werden sollen die Telefonzellen-Bücherschränke in den Farben des Landfrauen-Vereins, Grün, Rot, Gelb. Die Landfrauen hoffen auch, dass die ausrangierten Telefonhäuschen ans Stromnetz angeschlossen werden können, damit sie beleuchtet sind. „Gerade in der dunklen Jahreszeit wird ja gerne gelesen“, sagt die Vereinsvorsitzende.

In Michendorf lagert die Telekom viele tausend ausrangierte Telefonzellen. Sie wurden schon vor Jahren im Handyzeitalter immer überflüssiger und deswegen fast überall in Deutschland abgebaut. Das Gelände mitten im Wald gehört zum Fernmeldezeugamt. Erwerben kann die ausrangierten Häuschen in magenta-grau oder in gelb jedermann. Doch das Angebot gilt nur für Selbstabholer. Doch dafür braucht es Muskelkraft: Rund 300 Kilo wiegt eine solche Telefonzelle.

Von Marion von Imhoff