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Teltow Benefiz für ein Klavier: Dieser Pianist vertont sein Leben in Liedern
Lokales Potsdam-Mittelmark Teltow Benefiz für ein Klavier: Dieser Pianist vertont sein Leben in Liedern
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07:48 15.01.2020
Sein Leben in Form von Klavierstücken erzählt der Teltower Hermann Lamprecht in einem Konzert am 14. Januar. Quelle: Dirk Pagels
Teltow

Sein ganzes Leben in Form von Klavierstücken – so hat der Teltower Hermann Lamprecht seine Autobiografie gestaltet. Und das Werk stellt der 83-Jährige als Konzert am 24. Januar vor. Den Abend, an dem er sein Publikum von Florida bis Russland und von Paris nach Rhodos führt, würzt er mit Anekdoten, alten Fotos, Toneinspielungen und Liebeserklärungen, etwa an seine verstorbene Frau Kari.

Benefizkonzert: Spenden statt Eintritt

„Mir ist wichtig, dass ich kostenfrei Freude verbreite“, sagt der Musiker. Schon allein deswegen plane er keine Klassik an diesem Abend. „Da ist kein großer Komponist dabei – kein Beethoven, kein Mozart, kein Chopin.“ Spenden sind dennoch willkommen – sammelt Lamprecht doch seit Juni 2017 für die Finanzierung des Flügels im Teltower Rathaus. Von den rund 27.000 Euro fehlen noch etwa 8000, schätzt er. Auch wenn er jetzt schon darauf seinen Abend gestaltet, sagt er: „Ich möchte noch zu Lebzeiten das Dankeschönkonzert darauf geben.“

„My Way“ von Harald Juhnke – wenn er beschwipst war

Das Programm für diesmal möchte Lamprecht spontan entscheiden. 15 bis 20 Stücke könnten es werden, je nach Stimmung ausgewählt – selbst, dass er auf Zuruf etwas spielt, schließt er nicht aus. Ein Tipp dafür wäre etwa „My Way“, eines seiner Lieblingslieder: „In der Version von Harald Juhnke – wenn er schon ein bisschen angesoffen war, dann war das so wehmütig.“ Fix ist allerdings, dass der Anfang dem Preußenkönig Friedrich II. gewidmet ist – schon allein, weil das Konzert am 308. Geburtstag des „Alte Fritz“ stattfindet.

Hermann Lamprecht mit einer Büste von Friedrich II. – er schlüpft gern mal in die Rolle des Alten Fritz. Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Schon seit Anfang der 1970er Jahre beschäftigt sich Lamprecht mit Friedrich dem Großen – seit ihm ein Arbeitskollege mehr oder weniger im Scherz vorgeworfen hatte: „Sie behandeln ja Ihre Kinder wie der alte Soldatenkönig seine Kinder.“ Das Leben des Königs hatte ihn seitdem nicht mehr losgelassen und wurde sogar zu seinem Alter Ego: Lamprecht tritt in königlicher Kleidung bei Veranstaltungen auf und verkörpert den Preußen, als hätte er nie etwas anderes getan. Nun soll das erste Stück „Marcha Royal“ sein, die spanische Nationalhymne, der das Gerücht nachhängt, ihr Komponist sei Friedrich II. von Preußen gewesen.

Hermann Lamprecht als Friedrich II. Quelle: Christel Köster

Viele seiner Lebenserinnerungen verknüpft Lamprecht mit dem Flügel und mit Klavierstücken. Ihnen widmet er diesen Abend. So erzählt er etwa davon, wie er in Malta auf dem Flughafen auf einem Public Piano „On the Sunny Side of the Street“ spielte, um zwei Mädchen davon abzuhalten, mit ihren Fäusten auf das Instrument einzuhämmern.

Er berichtet davon, wie er in einem Palazzo im italienischen Alba die Möglichkeit hatte, auf einem wunderbaren alten Flügel die Tasten anzuschlagen. „Was spielst du hier in diesem altehrwürdigen Ambiente?“, fragte er sich – und entschied sich für „Feelings“, bekannt unter anderem als Song von Shirley Bassey. „Weil – ich hatte ja diese Gefühle.“

Erinnerungen beim Klavierspiel an seine Ehefrau

Der Titelsong von „Doktor Schiwago“ erinnert ihn an seine Moskau-Reise mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau Kari, die er stets liebevoll „meine Göttin“ oder „meine Kleine“ nennt. Nach einem tollen Abend „wie in einer anderen Welt“, mit Kaviar, Wodka und Tanz, kamen die beiden mit ihrer Reisegruppe in ihr Hotel zurück, wo im Foyer ein Petrof-Flügel stand. Als die anderen ihn aufforderten, etwas zu spielen, spielt er das Thema jenes Films, der zu diesem Zeitpunkt gerade in den Kinos lief.

Hermann Lamprecht am Flügel im Teltower Rathaus, für den er Spenden sammelt. Quelle: Stadt Teltow

Und ja, auch in Gedenken an seine Frau, an die ihn zahlreiche Fotos in der ganzen Wohnung erinnern, wird Lamprecht etwas spielen. „Aber da kann es sein, dass mir beim Spielen die Tränen zu laufen anfangen“, warnt der 83-Jährige. „Wenn ich Klavier gespielt habe, kam es vor, dass sie aus der Küche kam, sich gegen den Türrahmen gelehnt und gesagt hat: Spiel doch ‚Sonny Boy‘ für uns.“ Ein sentimentales Lied, das im Film „The Singing Fool“ der Hauptdarsteller für seinen sterbenden Sohn sang. Dazu singen wird Lamprecht jedoch nicht: „Ich will doch nicht den Saal räumen!“

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Das Konzert von Hermann Lamprecht findet am 24. Januar um 19 Uhr im Ernst-von-Stubenrauch-Saal im Teltower Rathaus statt. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Von Konstanze Kobel-Höller

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