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Teltow Gespräch mit einer Helferin: Wenn das Haustier plötzlich weg ist
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16:18 03.01.2020
Tiersucherin Melanie Jobs (42) mit ihrer Boerboel-Hündin Amera. Quelle: Privat
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Region Teltow

Heute ist es ein Hund, der auf Teltows Straßen herrenlos herumläuft. Melanie Jobs (42) wird gerufen, um den Halter des Tieres zu suchen – in Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming ist sie die erste Ansprechpartnerin für solche Fälle. Der Husky ist gechippt und registriert, doch der Halter erklärt, er habe den Hund abgegeben. Der neue Halter hat das Tier aber anscheinend nicht im bundesweiten Haustierzentralregister der Tierschutzorganisation Tasso angemeldet. Eine Freundin nimmt sich vorübergehend des Hundes an und Jobs beginnt mit ihrer Recherche: Sie sucht nach vermissten Hunden in sozialen Medien und bei Ebay-Kleinanzeigen und stellt auch selbst Texte und Fotos ins Internet.

Tiere leben nicht immer noch

Doch nicht immer leben die Tiere noch, wenn Jobs angerufen wird. Oft wird sie von Polizeidienststellen, Straßen- oder Autobahnmeistereien kontaktiert, weil eine Katze oder ein Hund den Zusammenstoß mit einem Fahrzeug oder einem Zug nicht überlebt hat. „Wenn es möglich ist, fahre ich sofort mit Chiplesegerät, Handschuhen und einer Kiste für den Transport los. Außerdem nehme ich Laken, Decken und Tücher mit, damit ich das Tier nicht zu unpersönlich übergeben muss.“ Begleitet wird die 42-Jährige dabei oft von ihren beiden Kindern, elf und fünf Jahre alt, und von ihrem Mann Oliver. „Meine Kinder sollen wissen, dass der Tod auch dazugehört.“ Natürlich versichert sich die Mutter erst, in welchem Zustand das Tier ist. Aber dann sei es für die Kinder immer sehr spannend, ob die Katze oder der Hund gechipt ist. Das sei bei rund 60 Prozent der Tiere der Fall, zu denen sie gerufen wird. Doch das heißt nicht, dass damit auch die Besitzer gefunden werden. „Viele lassen ihre Tiere zwar chippen, aber nicht registrieren“, so Jobs. Hier kann dann leider auch Tasso nicht weiterhelfen. Ihre Erfolgsquote bei nicht-registrierten Tieren liege bei rund einem Viertel, schätzt die Ludwigsfelderin, die in Teltow in der Hauskrankenpflege arbeitet. Eine Woche hat sie dann Zeit, um den Besitzer eines Tieres zu finden – solange werden die sterblichen Überreste vom Teltower „Tierhimmel“, der sie bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit unterstützt, gekühlt aufbewahrt. Sollte sie bis dahin erfolglos geblieben sein, gibt es eine Sammeleinäscherung. „Ich hatte auch schon einen Fall, wo sich die Besitzerin erst nach zwei Wochen gemeldet hat. Sie war aber trotzdem froh, dass sie wusste, wo ihr Tier ist – als Asche über der Wiese am Tierfriedhof verstreut.“

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Noch nie beschimpft worden

Auch wenn es ihre Aufgabe sei, den Herrchen und Frauchen zu sagen, dass das Haustier nicht mehr lebt und sie es ihnen übergeben möchte, so würden die Leute ihre Rolle verstehen. Beschimpft sei sie noch nie worden – aber sie habe schon ganz viel Dankeschön erhalten, versichert sie. Die Mehrheit der Halter würden die Tiere auch selbst bestatten wollen. „So haben die Leute noch die Möglichkeit, sich von ihren Tieren zu verabschieden“, erklärt Jobs ihre Motivation. „Das ist mir das Wichtigste.“ Die Polizei habe gar nicht die Zeit dafür, den Besitzer ausfindig zu machen. Schon als Kind sei sie immer ganz aufgeregt gewesen, wenn Leute ihre Tiere gesucht hätten, erzählt die 42-Jährige. „Allein der Gedanke, nicht abschließen zu können …“ Schlimm seien allerdings die Fälle, bei denen Kinder beteiligt sind. „Die dann schreiend weglaufen, weil ihr geliebtes Kätzchen überfahren wurde.“

Auch ungewöhnliche Erlebnisse hatte Jobs bei ihren Einsätzen schon: Etwa, wenn jemand etwa den gestreiften Schwanz eines Waschbären mit dem einer getigerten Katze verwechselt und sie daher gerufen wird. Auch Wildschweine oder Füchse können für Verwirrung sorgen – aber Wildtiere sind Sache der Jäger und Förster. Manchmal hat sie es sogar mit Fällen von Tierquälerei zu tun, etwa im Fall eines großen Schäferhundes in einem Gully, der dort nicht von allein reingepasst hätte. Doch die meisten Tiere werden überfahren, andere sterben völlig geschwächt oder weil sie von Wildtieren angefallen wurden.

Silvester und Urlaub sind Hoch-Zeiten

Normalerweise muss Jobs im Schnitt alle zwei bis Wochen einen Besitzer ausfindig machen – aber es gibt Zeiten, in denen sie mehr als sonst zu tun hat. Zum einen rund um Silvester: „Weil die Leute ihre Hunde nicht richtig sichern und dann erschrecken sie sich vor den Knallern und laufen weg.“ Und zu Beginn der Sommerferien. „Wenn den Leuten einfällt, dass sie in den Urlaub wollen, aber einen Hund haben.“ Zwei Kätzchen, die sie mit der Flasche aufgezogen hat, sind auch ausgesetzt worden, erzählt Jobs.

Der Fall des Teltower Huskys findet übrigens ein Happy End: Tasso kann den neuen Besitzer ermitteln, der den Hund übernimmt. So bleibt dem Husky dank Melanie Jobs die Vermittlung ins Tierheim erspart.

Der Chip hilft, den Halter zu finden

Wenn ein Tier gechipt wird, wird ihm ein sogenannter Transponder eingesetzt.

Dabei handelt es sich um ein zwölf Millimeter oder kleineres passives Funk-Kommunikationsgerät, das auch einfach Chip genannt wird. Genaugenommen ist der Chip aber nur ein Teil des Transponders.

Auf dem Chip ist eine einmalige 15-stellige Nummer, die entweder mit einem Code des Herstellers oder mit einer Länderkennung beginnen sollte.

Der Transponder wird durch einen Tierarzt flach unter die Haut an der linken Halsseite eingesetzt und soll schnell mit dem Gewebe verwachsen, damit er an der vorgesehen Stelle bleibt.

Der „Chip“ enthält keine Energiequelle. Er wird erst durch ein geeignetes Lesegerät aktiviert, an das er dann die gespeicherte Nummer sendet.

Diese Nummer kann nur dann dem Besitzer des Tieres zugeordnet werden, wenn nach dem Chippen auch eine Registrierung bei einer zentralen Datenbank – Tasso – erfolgt ist.

Von Konstanze Kobel-Höller

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