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Teltow Linken-Politikerin fordert Frauenhaus für den Kreis Potsdam-Mittelmark
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12:33 07.01.2020
Frauenhäuser sind oft die letzte Zuflucht für Frauen, die vor häuslicher Gewalt flüchten. Quelle: Sophia Kembowski/dpa
Teltow

Potsdam-Mittelmark ist der einzige Kreis in Brandenburg ohne eigenes Frauenhaus“, klagt die Teltower Stadtverordnete Iris Bonowsky (Linke) an. Es gebe zwar Mittel vom Land, diese würden aber an andere Kommunen weitergegeben. Doch die die Frauenhäuser in Brandenburg/Havel und Potsdam meldeten seit zwei Jahren, dass sie komplett ausgelastet seien und sogar wiederholt Betroffene abweisen und an andere Einrichtungen verweisen müssten. In Potsdam konnten 2018 etwa 77 Frauen nicht aufgenommen werden.

Iris Bonowsky (2. v. l., hier mit dem Linken-Vorstand in Teltow) fordert ein Frauenhaus für Potsdam-Mittelmark. Quelle: privat

„Ich habe es mir auf die Fahne geschrieben, dass etwas passieren muss.“ Die Teltower Stadtverordnete hat nun ein erstes Treffen unter anderem mit Vetretern der Polizei, einem möglichen Träger, der Landesgleichstellungsbeauftragten Monika von der Lippe und Landtagsabgeordneten auf die Beine gestellt. „Ich möchte das jetzt durchkriegen“, sagt sie. „Ich glaube, dass es Anklang finden wird.“

Kreis-Pressesprecher Kai-Uwe Schwinzert bestätigt, dass der Zuschuss für Potsdam-Mittelmark bislang aufgeteilt wird. „Der Landkreis erhält jährlich einen Zuschuss vom Land Brandenburg, der anteilig an die Schutzeinrichtungen in Brandenburg/Havel und Potsdam weitergeleitet wird, da sich die Kooperation mit den kreisfreien Städten seit Jahren bewährt hat.“ 2019 habe es sich dabei um 111.888 Euro gehandelt. „Die Frauen bevorzugen zudem die Anonymität in den Städten“, so der Sprecher weiter. Im Jahr 2018 sei dieses Angebot von 14 Frauen aus Potsdam-Mittelmark mit 18 Kindern genutzt worden, für 2019 liegen noch keine Zahlen vor.

Kreis: Kooperation hat sich bewährt

Darüber hinaus würden beide Einrichtungen mit Mitteln des Kreises bezuschusst, die der Beratung und Unterbringung der in Potsdam-Mittelmark lebenden Frauen und Kinder dienen. Auch an jenen Kosten, die den Frauenhäusern für Bewohnerinnen aus anderen Landkreisen oder auch anderen Bundesländern entstehen, beteilige sich der Landkreis Potsdam-Mittelmark.

„Zusätzlich finanziert wird eine ambulante Beratung für von Gewalt betroffene Frauen speziell für den Landkreis“, zählt Schwinzert die weiteren Leistungen auf. So bestünde die Möglichkeit, sich anonym in Wohnortnähe zu Themen wie Konflikten, Krisen und Gewalterfahrungen in der Familie beraten zu lassen. Da sich die Kooperation mit den Einrichtungen in Brandenburg und Potsdam bewährt habe, gab es bisher keine Versuche, ein eigenes Frauenhaus zu installieren, so Schwinzert, und es gebe auch keine Planungen, ein solches einzurichten. 

Marion Höne ist Gleichstellungsbeauftragte in der Gemeinde Kleinmachnow. Quelle: Linus Höler

Gleichstellungsbeauftragte beklagt Desinteresse

Marion Höne, Gleichstellungsbeauftragte in Kleinmachnow, sieht andere Gründe dafür: „Das Thema interessiert die Verantwortlichen nicht wirklich.“ Häusliche Gewalt werde zumindest dort bisher negiert, sagt sie: „Aus meiner beruflichen Praxis weiß ich, dass häusliche Gewalt keine Frage des Geldbeutels oder des Bildungsstandes ist.“ Es brauche mehr Initiativen, um das Thema zu enttabuisieren, und den politischen Willen, ausreichend Mittel für neue Einrichtungen bereitzustellen. „Schicke Hochglanzbroschüren“ gebe es zu diesem Thema genug, doch das Geld für die Praxis fehle, kritisiert sie.

Frauenhäuser seien sehr kostenintensiv und die Mittel dafür seien in den vergangenen Jahren oft gekürzt oder zumindest nicht aufgestockt worden. Das Netzwerk brandenburgischer Frauenhäuser zeigte 2018 auf, dass es etwa in 18 von 19 Einrichtungen im Land keine eigenen Stellen für eine psychosoziale Betreuung von Kindern gebe, obwohl mit den Frauen durchschnittlich noch einmal die gleiche Anzahl Kinder mit aufgenommen werde.

Mitarbeiterinnen verdienen unter Tarif

Die Gehälter der Mitarbeiterinnen lägen zudem oft weit unter den für ihre Tätigkeit vorgesehenen Tariflöhnen, so werde etwa die Übernahme der Rund-um-die-Uhr-Rufbereitschaft oft unzureichend vergütet – oder teilweise komplett ehrenamtlich geleistet. Es fehlten zudem die Mittel für Übersetzungsleistungen sowie für eine barrierefreie Gestaltung der Frauenhäuser. Frauen mit Behinderungen können meist nicht aufgenommen werden, obwohl diese vergleichsweise häufig von Gewalt betroffen seien.

Drei von vier Tätern sind Männer

Im Jahr 2018 gab es in Brandenburg laut Angabe des Landeskriminalamtes 4466 Fälle häuslicher Gewalt. Die meisten Opfer sind weiblich.

89,7 Prozent der Straftaten erfolgen gegen die sexuelle Selbstbestimmung und 77,4 Prozent gegen die persönliche Freiheit.

Körperverletzungen an Frauen machten 69,3 Prozent der Fälle aus. In 75,9 Prozent aller Taten waren die Verdächtigen männlich.

Das Autonome Frauenzentrum (www.frauenzentrum-potsdam.de) in der Potsdamer Schiffbauergasse 4H bietet Beratung, ein Frauenhaus mit einer geheimen Adresse in Potsdam sowie eine Notwohnung und einen Mädchentreff an.

Beratung gibt es auch beim Verein Lösungswege in Teltow. Der Landkreis Potsdam-Mittelmark bietet Beratungen vom Jugendamt und andere familienunterstützende Leistungen an.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter 0800/116 016 oder www.hilfetelefon.de erreichbar. Auch über E-Mail oder Sofort-Chat wird beraten. Innerhalb von 60 Sekunden kann eine Dolmetscherin in einer von 17 Sprachen zugeschaltet werden.

Im Rathaus Kleinmachnow wird es nun ab Februar immerhin einmal im Monat eine Beratung durch das Autonome Frauenzentrum Potsdam geben, so Höne. „Es ist ein klitzekleiner Schritt, aber es ist einer“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

Sie vermutet, dass es unverfänglicher und einfacher für Betroffene sei, zur Beratung in ein Rathaus anstatt in eine spezielle Einrichtung zu gehen. Auch eine monatliche Familienberatung durch das Sozial-Therapeutische Institut Berlin Brandenburg (Stibb) sowie Beratung für Blinde, Sehbehinderte und Senioren gebe es, ergänzt Höne.

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