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Teltow Im Sabersky-Park fallen Bäume
Lokales Potsdam-Mittelmark Teltow Im Sabersky-Park fallen Bäume
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19:44 26.11.2018
Ein Bagger räumt im ehemaligen Sabersky-Park in Teltow-Seehof auf – angeblich wegen der geforderten Waldbewirtschaftung und -pflege. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
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Teltow

„Der ehemalige Gutshofgarten hat den Status eines Waldes im Sinne des Gesetzes. Die Eigentümer kommen gegenwärtig nur ihrer Pflicht einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung nach und betreiben Waldpflege“, erklärt Florian Lewens, Anwalt der Erbengemeinschaft Max Sabersky, die Eigentümer des ehemaligen Sabersky-Parks in Teltow-Seehof ist. Dort hatte es am Wochenende Aufregung und Misstrauen bei den Anwohnern gegeben, weil eine Firma mit Baumfällungen begonnen hatte. Es würde nur Totholz herausgenommen und tote Bäume gefällt, damit sich erhaltenswerter Baumbestand wieder gut entwickeln könne, betont Lewens. Außerdem würden die Eigentümer der berechtigten Forderung der Stadt nachkommen, dafür zu sorgen, dass von dem Waldbestand keine Gefahren für die Bevölkerung ausgehen.

Noch ist die Abholzung nicht verboten

Diese Ansicht teilt auch Holger Hendtke, Leiter der Oberförsterei Potsdam, der sich mit Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD), einem juristischen Vertreter der Eigentümer sowie Mitarbeitern der beauftragten Firma am Montagvormittag zu einem Lokaltermin traf. Momentan seien die Maßnahmen mit den Vorschriften konform, bestätigte Hendtke. Er habe jedoch unmissverständlich klar gemacht, dass das Verbot des Kahlschlages berücksichtigt werden müsse. Ein solcher sei jetzt aber noch nicht vorgefunden worden. Beurteilt werde dieser nach freilandähnlichen Verhältnissen, bei denen keine Lichtungen entstehen dürfen, der durchgängigen Kronenüberschirmung oder auch, ob ganze Gruppen von Bäumen herausgeschnitten würden. Zudem müsse man gerade bei einer solchen Insellage vom Rand her behutsam vorgehen.

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Bürger stellen sich Bagger in den Weg

Generell sei es aber ganz normal, dass bei Waldpflegearbeiten auch dicke Bäume geschnitten würden, da diese innen durchaus hohl sein können, erklärt Hendtke. Sollte es trotzdem zu einem ungenehmigten Kahlschlag kommen, so würde die Eigentümer ein Bußgeldverfahren erwarten sowie die Aufforderung zur sofortigen Einstellung der Arbeiten und zur Aufforstung innerhalb von 36 Monaten. „Die Waldfläche ist dann nicht umgewandelt“, betonte Hendtke.

Für Unruhe hatte auch der Zeitpunkt der Arbeiten gesorgt: „Es ist unverständlich, dass sie am Freitagnachmittag mit dieser Aktion anfangen und sie am Samstag und sogar am Totensonntag fortsetzen“, kommentiert Teltows Stadtsprecher Jürgen Stich das Vorgehen. Anwalt Lewens begründet, dass die Betriebe derzeit unheimlich ausgelastet seien und es große Probleme gebe, überhaupt jemanden zu finden. Er kündigt an, dass die Arbeiten bis zum Dienstagabend abgeschlossen sein sollen, „wenn es keine weiteren Behinderungen durch verrückte Anwohner mehr gibt.“ Aufgebrachte Bürger hatten die Arbeiten verhindern wollen, indem sie sich in dem Wald dem Bagger in den Weg zu stellen versuchten.

Eigentümer wollen mit Stadt über Bauvorhaben reden

Das Areal an der Lichterfelder Allee wurde nach dem Kauf durch die Brüder Max und Albert Sabersky ab 1872 für Parzellierung und Bebauung beplant. Im Anschluss an den Gutshof entstand ein Garten, der vom Königlichen Oberhofgärtner in Potsdam, Theodor Carl Gustav Nietner, geplant worden sein soll.

2011 wurde der ehemaligen Gutshofgarten unter Denkmalschutz gestellt, wogegen sich die Eigentümer aber wehrten, so dass er 2017 wieder aus der Denkmalliste gelöscht wurde.

Die Stadt Teltow möchte den Wald als Grünfläche erhalten. De Eigentümer haben aber bereits vor Jahren Bauvorbescheide beantragt, von denen die meisten abgelehnt wurden. Einer sei rechtskräftig, so Lewens, zwei Verfahren würden noch laufen und könnten jederzeit reaktiviert werden.

Was gebaut werden soll, darüber würden die Eigentümer gern mit der Stadt Teltow reden, so der Anwalt.

In Teltow ist man skeptisch. Die Stadtverordnetenversammlung hatte im Mai einen Grünordnungsplan für den Park beschlossen, um ihn zu sichern. Für entsprechende Planungen hatten die Stadtverordneten 20 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Im Juni entschied sich das Gremium dann für die Aufstellung eines Bebauungsplanes, in dem der Bereich als öffentliche Grünfläche deklariert wird.

Stadt will den Wald retten

„Wir wollen auf jeden Fall den Wald retten“, sagt Stich. Da es sich aber um Privatbesitz handle, könne die Stadt nur die Untere Forstbehörde alarmieren, was schließlich auch geschehen sei. „Für Pflegearbeiten brauchen sie keine Extra-Genehmigung.“ Mittel- und langfristig hat die Stadt Instrumente wie den Flächennutzungsplan, den Bebauungsplan oder eine Veränderungssperre über das Areal in der Hand. „Im Moment geht es aber nur um den Wald und dass nach dem Waldgesetz gearbeitet wird.“

Von Konstanze Kobel-Höller