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Teltow PCR-Ergebnisse kommen zu spät: Wieder Quarantäne für Anne-Frank-Schule in Teltow
Lokales Potsdam-Mittelmark Teltow

PCR-Ergebnisse kamen zu spät: Wieder Quarantäne in Teltower Anne-Frank-Schule

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21:17 17.11.2021
Wieder wurden fünf Klassen der Anne-Frank-Grundschule in Quarantäne geschickt.
Wieder wurden fünf Klassen der Anne-Frank-Grundschule in Quarantäne geschickt. Quelle: Dirk Pagels
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Teltow/Werder

Ein grobes Versagen, nein, Fahrlässigkeit werfen Eltern der Teltower Anne-Frank-Grundschule den Behörden vor: Ihre Kinder wurden ohne Vorliegen der Ergebnisse der PCR-Reihentests aus der Quarantäne wieder in die Schule gelassen. Als diese dann am Vormittag eintrafen, stellte sich heraus, dass es mehrere positive Fälle gab. Die Folge: Die Kinder von fünf Klassen mussten mittags wieder abgeholt werden.

„Habe die Situation einfach nicht mehr ertragen“

„Ich stand weinend vor dem Klassenlehrer, weil ich die Situation einfach nicht mehr ertragen habe“, erzählt eine betroffene Mutter der MAZ, die Kinder in der dritten und der fünften Klasse hat. „Alle Eltern haben ihre Kinder mehrere Tage lang betreut, haben dafür gesorgt, dass sie am Montag während der Arbeitszeit zur PCR-Testung kamen, waren am Dienstag mit ihnen beim zertifizierten Schnelltest – und das wird alles mit einem Schlag kaputt gemacht.“

Die Anne-Frank-Schule in Teltow wird erneut von Corona gebeutelt. Quelle: Madlen Pilz

Eine andere Mutter, die ihren Sohn aus der vierten Klasse abholen musste, fühlt sich hilflos, aufgeschmissen, wie ein Ping-Pong-Ball, der nur funktionieren muss. Zu allem Überfluss habe ihr Kind auch noch Sport in der ersten Stunde gehabt – ohne Maske. „Hätte man nicht sagen können, wir haben noch kein PCR-Ergebnis und Sie haben die Wahl, ob Sie Ihr Kind zuhause lassen?“, fragt sie frustriert.

Protest am Donnerstag um 7.45 Uhr

„Man hätte diesen Ausbruch verhindern müssen. Nicht können. Müssen“, sagt eine Mutter. Bereits zum dritten Mal seit August ist ihr Kind in Quarantäne. Offizielle Informationen gab es bis gestern Abend noch keine. „Das ist unverantwortlich. Man hätte die PCR-Ergebnisse abwarten müssen“, ist der Tenor. Jetzt seien wieder einmal die Kinder die Leidtragenden. Eltern und Familien hätten offensichtlich extrem wenig Lobby und Priorität, sagt eine Mutter. Heute wollen betroffene Eltern ihren Ärger aber um 7.45 Uhr vor der Schule mit einer Demo zum Ausdruck bringen.

Auf dem Schulhof wurden die Kinder einzeln den Eltern übergeben. Quelle: Dirk Pagels

Am vergangenen Donnerstag wurde die Schule wegen der unübersichtlichen Coronalage geschlossen. Am Montag wurde zum PCR-Test vorgeladen, am Dienstagnachmittag habe die Schule die Information verschickt, dass es noch keine PCR-Ergebnisse gebe, man aber davon ausgehe, dass sie in der Früh da sein würden, so die Eltern. Sollte es dann positive Fälle geben, würden sie am Eingang ausgesondert werden.

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Da es keine weitere Nachricht gab, sei sie davon ausgegangen, dass alles wie angekündigt laufen würde, sagt eine Mutter. Alle Kinder seien mit bestem Gewissen in die Schule geschickt worden. Und: „Das hat echt eine Tragweite für so viele Menschen.“ Insgesamt sind es jetzt wieder acht Klassen der Anne-Frank-Grundschule, die zuhause sind – weil sie noch in Quarantäne sind, oder weil sie gestern wieder heimgeschickt wurden.

Die Ergebnisse sollten am Dienstag ankommen

„Die Stimmung war total aufgebracht“, sagt ein Klassenlehrer, der die Kinder an die Eltern übergeben musste. Er empfing sie auf dem Schulhof und gab bekannt, welches Kind nach draußen geschickt werden sollte. „Manche Eltern waren wütend, andere haben geweint, manche haben nicht verstanden, was eigentlich geschieht.“ Die Absprache sei gewesen, dass die positiven Ergebnisse vom Gesundheitsamt am Dienstag an die Schule gemeldet würden. Bis spät in die Nacht habe die Leitung versucht, jemanden im Gesundheitsamt zu erreichen – erfolglos.

Wie es weiterging, darüber gibt es zwei Versionen: Die eine ist, dass die Schulleitung aufgrund der fehlenden Meldung davon ausging, dass es keine positiven Fälle gab und daher in den Regelbetrieb überging. Die andere, die vorwiegend unter den Eltern kolportiert wird, besagt, dass die Schule eigentlich gar nicht öffnen wollte, doch von einer übergeordneten Behörde dazu mit Verweis auf das Recht auf Bildung oder die Schulpflicht angehalten wurde.

Janina Kolkmann, Leiterin des Schulamtes, erklärte gegenüber der MAZ, ihres Wissens nach habe dazu kein Kontakt zur Schule stattgefunden. Wenn aber das Betretungsverbot oder die Quarantäneanordnung des Gesundheitsamtes ausgelaufen seien, hätte keine Rechtsgrundlage bestanden, die Schule nicht zu öffnen. Die Schule war am Mittwoch für die MAZ telefonisch nicht zu erreichen.

Ergebnisse lagen im Gesundheitsamt

Das Kreis-Gesundheitsamt gibt unterdessen an, dass die PCR-Ergebnisse bereits am Dienstagnachmittag vorlagen, jedoch erst am Mittwochvormittag weitergeleitet wurden. Weshalb, konnte nicht beantwortet werden. Fakt ist, dass das Amt permanent und drastisch unterbesetzt ist. Und auch viele der Eltern sehen hier ein Problem. Die Mutter einer Schülerin aus der dritten Klasse sagt: „Ich bin wahnsinnig verärgert darüber – glaube aber, dass das Gesundheitsamt sehr überlastet ist.“

Leere Flure in der Anne-Frank-Grundschule. Quelle: Dirk Pagels

Sie wünscht sich mehr Mut von der Schule, Menschenverstand gegen amtliche Beschlüsse abzuwägen. „Und kommunikationsmäßig läuft das von allen Seiten extrem ungünstig – vor allem vor dem Hintergrund, dass noch vier bis fünf Monate vor uns liegen.“ Die Mutter einer Fünftklässlerin sagt: „Wir fühlen uns wie Opfer der schlechten Organisation und nicht der Pandemie.“ Sie fühlt sich, als wäre sie „in eine Falle gelaufen.“

Teltows Bürgermeister Schmidt kommentierte die Vorgänge gestern gegenüber der MAZ ebenfalls mit Unverständnis: „Es macht mich sprachlos, dass die Schule geöffnet wurde, obwohl die Ergebnisse der PCR-Tests zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorlagen. Leider zeigt sich an dem ganzen Vorgang die Ohnmacht der kommunalen Ebene in dieser Pandemie auf drastische Weise. Denn die Stadt spricht weder Quarantänen aus und schließt Schulen – das macht das Gesundheitsamt -, noch kann die Stadt Einfluss auf die Schulleitungen nehmen – dafür ist das Staatliche Schulamt zuständig.“

Werderaner Schule soll heute öffnen

In der Karl-Hagemeister-Grundschule in Werder wurden am Mittwoch, 17. November, mehr als 400 Schüler getestet, nachdem die Einrichtung vorige Woche geschlossen worden war.

Laut Schulleitung muss ein negativer Befund von dieser Testung vorliegen, bevor die Einrichtung am Donnerstag wieder besucht werden kann.

Sobald Informationen über die Ergebnisse vorliegen, sollen Schüler und Eltern über die Schulcloud informiert werden. Das könne auch erst nach 8 Uhr sein, heißt es.

Unterricht wird am Donnerstag jedenfalls angeboten, jedoch keine Hort-Frühbetreuung.

Fakt sei, dass dieser Vorgang gegen alle Logik und gegen den gesunden Menschenverstand verstoße, da die Reihentestungen nur Sinn machen würden, wenn dann auf Basis der Ergebnisse Maßnahmen getroffen würden. „Hier ist fahrlässig mit der Gesundheit der Kinder umgegangen worden.“ Er appelliert deshalb an alle Verantwortlichen im Gesundheitsamt, im Staatlichen Schulamt und den Schulleitungen, dass dieser Fehler bei der gerade laufenden Reihentestung in der Ruhlsdorfer Grundschule nicht noch einmal gemacht wird, „damit sich ein solches Debakel nicht wiederholt.“ Auch diese Schule ist derzeit geschlossen.

Von Konstanze Kobel-Höller und Luise Fröhlich