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Teltow Und bald arbeitslos? So ist die Stimmung beim „Lila Bäcker“ in Teltow und Stahnsdorf
Lokales Potsdam-Mittelmark Teltow Und bald arbeitslos? So ist die Stimmung beim „Lila Bäcker“ in Teltow und Stahnsdorf
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01:18 05.07.2019
Filiale von „Lila Bäcker“ in Teltow. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
Teltow

„Wir wissen auch nicht, wie es weitergeht. Morgen haben wir erst mal wieder geöffnet, wie es aussieht“, antworten die Verkäuferinnen der Filialen von „Lila Bäcker“ in Teltow und Stahnsdorf ihren Kunden. Immer wieder werden sie gefragt, wie denn die Zukunft für sie aussehen wird.

Mitarbeiter erzählen

Das Unternehmen ist insolvent, die Mitarbeiterinnen hangeln sich durch, wissen nicht, ob sie nächsten Monat, nächste Woche, morgen noch einen Job haben. Seit mehreren Monaten geht das so. Rundherum werden Filialen geschlossen, die Einschläge kommen auch ganz nah: In Stahnsdorf gab es mal fünf Mitarbeiterinnen, jetzt sind es noch zwei.

Eine von ihnen kam erst vor wenigen Monaten aus der geschlossenen Lila-Filiale Kleinmachnow. In Teltow an der S-Bahn wurde die Stellenzahl von ehemals sieben halbiert, in der Potsdamer Straße wurde von drei auf zwei Kolleginnen gekürzt.

Filiale von „Lila Bäcker" in Stahnsdorf. Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Immer wieder kommen Gerüchte auf, am nächsten Monatsersten hätten „alle mit alten Verträgen“ die fristlose Kündigung im Briefkasten. Verkürzte Öffnungszeiten sind Standard, in der Potsdamer Straße wird normalerweise um 16 Uhr geschlossen, diese Woche wegen Urlaubs bereits um 11 Uhr – eine Alleinkämpferin schmeißt den Laden jetzt. An der S-Bahn wird wegen Urlaubs ab heute um 12 Uhr statt um 13 Uhr geschlossen. Wer noch da ist, hält durch. „Wir werden die Letzten hier sein, wir machen das Licht aus.“

Belegschaft bereits stark reduziert

Besonders dramatisch lief es in der Stahnsdorfer Filiale: Vor dem Wochenende wurden die Kunden davon informiert, dass noch nicht klar sei, wie es ab Dienstag weiterginge. Mit der endgültigen Schließung wurde gerechnet. Am Montagvormittag dann der erlösende Anruf: Es geht weiter! Dienstag und Mittwoch werden dort zwar künftig keine Backwaren verkauft, dafür aber von Donnerstag bis Montag, auch am Sonntag. Der Kompromissvorschlag kam aus der Filiale – besser so, als gar nicht mehr.

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Die beiden Mitarbeiterinnen, die dort noch beschäftigt sind, werden erst einmal weiterhin alle Hände voll zu tun haben, denn Kollegen fehlen an allen Ecken und Enden. Ein Kunde beschwert sich: „21 Minuten habe ich am Sonnabend warten müssen!“ Die Verkäuferin erklärt ihm freundlich: „Das werden Sie am Sonnabend jetzt immer. Wir tun, was wir können, wir sind einfach nicht genug Leute. Aber Hauptsache, es gibt uns, oder?“

Auch Kunden mit Angst vor Schließungen

Dem schließen sich die meisten Kunden an, sie sind verständnisvoll. Manfred Ressel und seine Frau sind Stammkunden in der Stahnsdorfer Filiale. „Das ganze Viertel kommt her“, sagt er. Er erinnert sich zurück, wie sehr sich alle gefreut haben, als sich dort endlich ein Bäcker ansiedelte. Sollte sich das wieder ändern, wird der Weg zu frischen Brötchen für den 80-Jährigen wieder deutlich länger. Auch andere Kunden in den „Lila Bäcker“-Filialen schließen sich an: „Wir wären sehr traurig.“ Sie schätzen die große Auswahl. Doch in den Filialen kommt nicht mehr an, was bestellt wird, oft sind es andere Produkte oder auch weniger. „Wir kommen jeden Tag in der Früh und müssen sehen, was da ist“, berichtet eine Mitarbeiterin.

Genaues über den Stand der Dinge weiß niemand, offen gesprochen werden darf sowieso nicht, und der Informationsfluss ist zäh – Unwichtiges kommt doppelt, die Nachricht vom Tod des Insolvenzverwalters Rolf Rattunde erfuhren die Verkäuferinnen aus den Nachrichten – und die Fahrer flüstern, es ginge noch bis August. „Keiner weiß was, keiner sagt was. Wir bekommen seit Wochen keine Informationen, nicht einmal vom Betriebsrat. Wir treten jetzt auch geschlossen aus der Gewerkschaft aus“, so eine frustrierte Mitarbeiterin gegenüber der MAZ.

Das Sanierungskonzept

Die Bäckereikette „Lila Bäcker“ arbeitet in Insolvenz. Von derzeit 405 Filialen in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sowie rund 2450 Mitarbeitern hofft die Insolvenzverwaltung, 252 Standorte und 2000 Jobs erhalten zu können.

„Solange die Banken Geld geben, geht der Betrieb weiter“, so Jochen Mignat von der zuständige Kanzlei Leonhardt Rattunge.

Das Sanierungskonzept müsse umgesetzt werden, danach wollen die Banken das entschuldete Unternehmen kaufen. Gespräche mit Interessenten für einzelnen Filialen gehen weiter.

Produziert wird künftig in Neubrandenburg und Pasewalk. Dahlewitz wird nur noch als Logistikstandort betrieben.

Die Mitarbeiter würden über die Entwicklungen unter anderem per E-Mail-Verteiler informiert, heißt es.

Sie sind sauer, haben das Gefühl, niemand hilft ihnen, während sie vor Ort die Stellung halten, die Arbeit von mehreren übernehmen. Zuhause müssen Kinder ernährt werden, teilweise sind die Verkäuferinnen alleinerziehend, oder in einem Alter, in dem sie nicht mehr leicht einen neuen Arbeitgeber finden. „Wir lieben unseren Job und hoffen. Aber irgendwann geht es nicht mehr. Wir sind alle mit den Nerven fertig.“

Von Konstanze Kobel-Höller

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