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Teltow Stadt lehnt neue Windräder strikt ab
Lokales Potsdam-Mittelmark Teltow Stadt lehnt neue Windräder strikt ab
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14:20 23.11.2018
Teltower Stadtverordnete wollen eine weitere „Verspargelung“ ihrer Region nicht zulassen. Zwei Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung lehnen bereits die Aufstellung von zwei neuen Anlagen ab. Quelle: Jens Büttner/DPA
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Teltow

Gegen die Errichtung von zwei Windrädern im Windpark „Ruhlsdorf II“ im Windeignungsgebiet 30 „Genshagener Heide“ hat sich der Teltower Hauptausschuss jüngst einstimmig ausgesprochen, weil die Mitglieder mit der Höhe der Masten nicht einverstanden waren. Die beiden Energieanlagen sollten mit Sockel 237 und 244 Meter hoch werden. Mit einer Höhe von 175 Meter hätte Teltow leben können, hatte es bereits im Umweltausschuss geheißen. Auch er lehnt die Windräder ab.

„Die tun uns nichts“

Berndt Längrich (SPD) erklärte als Ortsbeirat für Ruhlsdorf, dass die Leute bereits bei einer Höhe von 175 Metern sehr skeptisch gewesen wären. Man habe mit einer Höhe von 125 Metern zu diskutieren begonnen. Zugestimmt wurde bei 175 Metern und jetzt ginge es um eine weitere Erhöhung. „Bei 60 bis 70 Metern mehr werden sie sicher nicht einverstanden sein“, zeigte er sich überzeugt. „Es ist ja nicht so, dass wir die zwei Masten brauchen. Es stehen ja schon genügend in der Gegend herum.“ Sieben Windkraftanlagen sind in der Umgebung bereits vorhanden. Vier davon stehen in direkter Nähe zu den jetzt beantragten Türmen.

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Dem widersprach Eberhard Adenstedt (Bündnis 90/Die Grünen): „Wir brauchen die Anlagen für den Klimaschutz und die zwei Windräder tun uns nichts. Es ist vielleicht unverantwortlich, dagegen zu sein.“ Vor einer Zustimmung hätte man jedoch wohl besser die Bürger befragen müssen, räumte er ein.

Kein Einvernehmen der Stadt

Beate Rietz (SPD), Teltows Vizebürgermeisterin, wandte ein, dass die Gemeindevertreter sich bei Anträgen von Wohnhäusern oft um Abweichungen von nur fünf Zentimetern streiten. Außerdem sei man bei allen Untersuchungen von 175 Metern ausgegangen. „Der Unterschied ist so eklatant, dass man nicht weiß, ob die Ergebnisse noch stimmen“, argumentiert sie.

Die Stadt hat den Bau der zwei Windkraftanlagen der Typen Vestas V150-4.2 MW und Vestas V136-3,6 MW damit allerdings nicht zwingend verhindert, sondern nur ihr gemeindliches Einvernehmen nicht hergestellt. Diese Stellungnahme geht jetzt an das Landesamt für Umwelt. Dort wird in einem emissionsschutzrechtlichen Verfahren endgültig über die Genehmigung der Windenergieanlagen entschieden.

Teilplan nochmal auslegen

In seiner Argumentation geht Teltow auch auf das Landschaftsbild ein. Dieses kann dabei wohl direkt als schlagkräftige Begründung herangezogen werden, ist doch dem Bericht über die voraussichtlichen Umweltauswirkungen (UVP-Bericht) zu entnehmen, dass sich die „land- und forstwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft zu einer Energie-Landschaft entwickelt.“ Diese Veränderung sei seit Jahren im Gange und stehe in Einklang mit der regionalplanerischen Ausweisung von Windeignungsgebieten. Dies streitet die Stadt prinzipiell auch nicht ab. Doch die aktuellen Anlagen seien deutlich höher, als die bisher in Teltow bewilligten Windräder mit einer Höhe von 175 Metern.

Die sichtbare Wirkung würde weit über das Landschaftsbild hinausreichen, sodass durchaus von einer Beeinträchtigung der natürlichen Landschaft und ihres Erholungswerts oder sogar von der Verunstaltung des Orts- und Landschaftsbildes auszugehen sei, so die Stadt. Betrachtungsgrundlage bei der Erarbeitung des sachlichen Teil-Flächennutzungsplanes Windenergienutzung sei aber eine Höhe von 175 Metern gewesen. Dieser Plan müsste sicherheitshalber neu ausgelegt werden, um die neuen Anlagen genehmigungsfähig zu machen, ist der Umweltausschuss der Ansicht.

Von Konstanze Kobel-Höller