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Teltow Ältestes Haus birgt Stadtgeschichte
Lokales Potsdam-Mittelmark Teltow Ältestes Haus birgt Stadtgeschichte
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09:07 30.04.2019
Im ältesten Haus von Teltow im Hohen Steinweg 13 hat der Heimatverein vor 25 Jahren ein Museum eingerichtet. Quelle: Stephan Laude
Teltow

Bis auf vier Häuser war alles zu Asche geworden in Teltow. Drei bis vier Stunden währte das Feuer, das am 16. Juni 1711 gegen 18 Uhr ausgebrochen war. Das verrät die Inschrift am Haus Hoher Steinweg 13. Es wurde danach „aus dem Grunde neu erbauet“ und gilt als das älteste Haus von Teltow. Bis Anfang der 1980-er Jahre war es bewohnt. Danach drohte mehr und mehr der Verfall. 1986 wurde das Haus in die Denkmalliste des Kreises Potsdam-Land eingetragen. Ein Jahr später begannen Sicherheitsarbeiten an den Fundamenten und am Dach.

Alles in Feierabendarbeit

Alles wurde in Feierabendarbeit ausgeführt, wie sich Eberhard Derlig erinnert, der als Leiter des Teltower Kulturzentrums von Bürgermeister Manfred Graulich kurzerhand zum Bauleiter ernannt worden war. Am 1. Mai 1994 konnte das Haus als Heimatmuseum eröffnet werden. Betrieben wird es vom 1991 gegründeten Heimatverein Teltow. Der hat für den 1. Mai 2019 zum 25-jährigen Bestehen des Museums ein beachtliches Programm vorbereitet.

Film zeigt die Eröffnung

Die Festveranstaltung im Hofgarten beginnt am 1. Mai um 12 Uhr.

Der Heimatverein stellt sein Buch „25 Orte in Teltow“ vor.

Die Eröffnung des Heimatmuseums am 1. Mai 1994 wird in einem Film gezeigt.

Die Rettung des ältesten Hauses schildert Eberhard Derlig im Gespräch.

Gebacken wird im historischen Holzofen des Heimatmuseums.

Geführt werden die Besucher auch durch Ausstellung „Historische Waschtechnik“.

Geöffnet ist von April bis Oktober, sonntags 14 bis 18 Uhr, in den übrigen Monaten 14 bis 17 Uhr, (Gruppen nach Vereinbarung).

Die Sammlung der Ausstellungsstücke begann mit der deutschen Wiedervereinigung. Damals wurde in Teltow, wie andernorts auch, viel weggeworfen, manchmal einfach auf die Straße. Peter Jaeckel, der erste Vereinsvorsitzende, und seine Mitstreiter sammelten alles ein, was geeignet schien, als Ausstellungsstück wieder Beachtung zu finden. Längst sind die kleinen Museumsräume voll. Nicht alles, was der Verein zusammengetragen habe, könne gezeigt werden, Vieles sei im Archiv untergebracht, berichtet Sibylle Langner, die Ende März zur Vorsitzenden des Heimatvereins gewählt wurde. Bei der Wahl ist der Vorstand deutlich verjüngt worden. Vier der fünf Mitglieder sind voll berufstätig. Alle arbeiten ehrenamtlich. Klar, dass der Verein auf Spenden angewiesen ist.

Für Konzerte nicht geeignet

Zu den Schätzen des Museums, die nicht ständig gezeigt werden, gehört eine Stockgeige. Sie sieht von außen tatsächlich nicht anders aus als ein Spazierstock. Deshalb sei sie nach dem Krieg, als die Russen sämtliche Musikinstrumente beschlagnahmten, nicht als solches erkannt worden, berichtet Anna Pehrs, die stellvertretende Vereinsvorsitzende. Das Instrument ist schätzungsweise 150 Jahre alt und stammt aus dem Nachlass des Musiklehrers Otto Schweizer.

Anne Pehrs, die stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins, hat diese schätzungsweise 150 Jahre alte Stockgeige wieder zum Spielen gebracht. Quelle: Stephan Laude

Der Knauf, der auch als Kinnhalter dient, ist mit einem Gewinde am Stock befestigt. Wenn man ihn abschraubt, kommt man an die Saiten. Der Steg muss jedes Mal neu aufgerichtet werden. Anne Pehrs führt vor, dass man auf dem Instrument durchaus spielen kann. Als Konzertgeige sei es allerdings ungeeignet. Die Tauglichkeit als Spazierstock ist gleichfalls eingeschränkt. Der Stock, der ja nicht nur die Saiten schützt, sondern auch als Resonanzkörper fungiert, ist nur wenig belastbar. „Die Stockgeige ist eine Kuriosität“, sagt Anne Pehrs. Aber auch heute noch gebe es Reiseins­trumente, etwa die Ukulele als Alternative zur vergleichsweise sperrigen Gitarre.

Die Vereinsvorsitzende Sibylle Langner mit einem Begleitschreiben, das einer Spende für das Museum beilag: einer Schmuckschatulle aus den 1920-er Jahren. Es handelte sich um ein Konfirmationsgeschenk. Quelle: Stephan Laude

Immer wieder werden dem Verein neue Gegenstände und Dokumente angeboten. Dafür ist er dankbar. Aber es muss auch alles archiviert und katalogisiert werden. Sonst wären die Stücke nicht nutzbar. „Das wäre schade“, so Anne Pehrs. Der Verein hat höhere Ansprüche, als einfach nur so viel wie möglich einzusammeln und übereinander zu stapeln.

Einmal im Monat will der Verein, dem 65 Mitglieder angehören, künftig einen Thementag veranstalten. Am 5. Mai geht es los. Im Mittelpunkt wird August Mattausch stehen. Mattausch war 1906 – weil er in Teltow seine große Liebe fand – als junger Künstler vom Bodenseegebiet in die Stadt gekommen. Sein Wunsch, für die neu gegründete Porzellanfabrik Zierporzellan und Geschirr gestalten zu können, erfüllte sich nicht; die Firma verlegte sich auf die Produktion von Porzellan für die Elektroindustrie. Für die Herstellung von Isolatoren brauchte man Ingenieure, keine Künstler.

Von August Mattausch für die Parfümfabrik Lohse entworfenes Flakon. Diese große Variante diente als Werbemittel. Die kleinen Fläschchen standen in den Badezimmern der etwas besser situierten Damen der feinen Gesellschaft. Quelle: Stephan Laude

Aber Mattausch hinterließ viele Spuren in der Stadt, zum Beispiel Schnitzereien in der Andreaskirche. Für die Parfümfabrik Gustav Lohse, die stolz auf ihren Status als Hoflieferant verweisen konnte, gestaltete Mattausch dunkelgrüne Glasflakons. Die großen dienten der Werbung in Parfümerien, die kleinen fanden sich zu Hause bei den Damen der „besseren Gesellschaft“, gefüllt mit Lohses Uralt Lavendel. Nach Mattausch ist seit 2010 der Teltower Bürgerpark benannt. Zur Namensgebung waren auch die Enkel des Künstlers angereist. Vor allem ihnen, so der langjährige Vereinsvorsitzende Peter Jaeckel, „verdanken wir unser Wissen über August Mattausch.“

Von Stephan Laude

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