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Teltow Teltower Todesfahrt: Polizist zu Geldstrafe verurteilt
Lokales Potsdam-Mittelmark Teltow Teltower Todesfahrt: Polizist zu Geldstrafe verurteilt
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01:16 15.06.2019
Der Angeklagte (l.) hat am Steuer des Streifenwagens gesessen, als es auf einer Kreuzung in Teltow zur Katastrophe kam. Quelle: Bernd Gartenschläger
Teltow

Zu einer Geldstrafe von 6300 Euro hat das Potsdamer Amtsgericht den Polizeibeamten verurteilt, der im Herbst 2017 bei einer Einsatzfahrt unter Blaulicht und Martinshorn auf einer Kreuzung in Teltow das Auto eines Ehepaares mit dem Funkstreifenwagen gerammt und so den Tod der beiden Insassen verursacht hat. „Sie hatten zu viel Vertrauen und haben zu wenig Obacht gegeben“, begründete Richter Stephan Heinrichs seinen Schuldspruch, der der Forderung der Staatsanwaltschaft entspricht. Die Nebenklage plädierte für eine Freiheitsstrafe, die Verteidigung für einen Freispruch. Vom Entzug des Führerscheins und von einem Fahrverbot sah der Richter ab.

An der Kreuzung kam es zur Katastrophe

Der Dienstgruppenleiter hatte den Angeklagten (27) und einen Kollegen (26) am Morgen des 15. Oktober 2017 von der Potsdamer Wache aus als Verstärkung zum Bahnhof in Teltow geschickt, wo eine Kollegin angegriffen und verletzt, der Täter aber noch nicht festgenommen worden war. An der Kreuzung von Potsdamer- und Warthestraße kam es zur Katastrophe: Der VW-Kleinbus T6 raste mit 74 bis 87 Stundenkilometern in den Audi A3 der Eheleute. Der Mann (70) am Steuer und die Frau (60) auf dem Beifahrersitz waren sofort tot. Der Angeklagte und sein Kollege bergen die Leichen damals selbst aus dem Wrack.

Wie sehr ihn der Unfall belastet, ist dem Angeklagten anzumerken. Seine Augenringe sind tief, seine Stimme bricht, als er sich an den Sohn der Getöteten wendet: „Es tut mir unendlich leid.“ Es vergehe kein Tag, an dem er nicht daran denke – er fahre nicht mehr raus, arbeite nur im Innendienst: „Weil die Angst so groß ist, dass wieder etwas passiert.“ Er brauche psychologische Hilfe: „Ich bin fertig.“

Ja, er habe den Audi von links an die Kreuzung heranfahren sehen – auch, dass der Wagen „ein Stück langsamer“ geworden sei: „Daraus habe ich geschlossen, er hat mich wahrgenommen – ich habe die Situation als sicher eingeschätzt.“

Polizei und Opfer hatten beide Rot

Vierzehn Zeugen hatte das Gericht geladen – zum Unfallhergang konnten die wenigsten etwas sagen, denn wirklich gesehen hat den Crash nur ein Busfahrer. Er ist sich allerdings sicher, dass der Streifenwagen Rot hatte. Ein Autofahrer, der dem Audi gegenüberstand, sagt, dass er – und damit auch die Opfer – ebenfalls Rot hatten. Das Gericht folgte beiden Aussagen – die entscheidende Wendung. Zwar sind Polizisten bei einer Einsatzfahrt mit Blaulicht und Sirene nicht an die Verkehrsregeln gebunden, wahrnehmen müssen sie diese aber trotzdem – und besondere Sorgfalt walten lassen. Eine Kreuzung bei Rot mit Tempo 80 zu durchfahren, widerspreche laut Richter Heinrichs jeglicher Sorgfalt und Vorsicht.

Für das am Strafrahmen für eine fahrlässige Tötung gemessen recht milde Urteil nannte der Richter mehrere Gründe. So sei der Angeklagte nie zuvor straf- oder verkehrsrechtlich aufgefallen. Zudem habe der Fahrer des Audi den Unfall mit verursacht: „Hätte seine Ampel Grün gezeigt, wäre es eine Freiheitsstrafe geworden.“ Gegen das Urteil können binnen einer Woche Rechtsmittel eingelegt werden.

Von Nadine Fabian

Bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen dem Polizeibeamten, der im Herbst 2017 bei einer Blaulicht-Fahrt durch Teltow mit dem Streifenwagen in das Auto eines Ehepaars gerast war. Die Eheleute starben noch am Unfallort. Jetzt beginnt in Potsdam der Prozess.

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