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Teltow 76-Jährige lebt im Abrisshaus
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01:16 10.05.2019
Das Doppelhaus in Teltow ist bereits bis zur Hälfte abgerissen. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
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Teltow

„Die Wände haben gezittert, es war sehr laut und der Boden hat gebebt“, beschreibt Solweig Mebus (76), wie es in den vergangenen Wochen war, in ihrer Doppelhaushälfte in der Teltower Leibnizstraße zu leben. Der Grund: Die andere Hälfte des Hauses wird abgerissen. Zuerst wurden Anfang April einige Bäume gefällt, zwei Tage später rückte der Bagger an. In mehreren Etappen arbeitete er sich vor, heute ist nur noch eine Ruine vorhanden. Stahlträger stehen meterlang heraus, Restwände geben einen Einblick in das Innere, im Obergeschoss ist eine Tür offen. „Alle sind fassungslos“, sagt Nachbarin Anne-Katrin Bartsch (52), die wie viele andere Mebus unterstützt, „die Bewohner der Siedlung, die Spaziergänger. Wildfremde Leute klingeln sogar und fragen, ob da noch wer wohnt.“

Solweig Mebus (l.) und Anne-Katrin Bartsch sind fassungslos über das Vorgehen der Immobilienfirma. Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Natürlich ist Mebus nicht komplett überrascht, dass Änderungen anstanden. Das Unternehmen NoLex VV Drei GmbH hatte das Haus und zwei angrenzende Grundstücke 2013 vom Land gekauft. Schon bald ließ es über Projektleiter Peter Träger (74) ankündigen, dass das Anfang der 1950-er Jahre errichtete Doppelhaus abgerissen und ein Mehrfamilienhaus errichtet werden soll, sobald die beiden Bewohnerinnen mit lebenslangem Wohnrecht gestorben seien. Pläne für einen modernen Neubau wurden vorgelegt: Links drei Wohneinheiten, rechts zwei bis drei, dazwischen eine Verbindung. Vierteljährlich wurde Mebus nun gefragt, ob sie nicht doch eine kleine barrierefreie Wohnung in dem neuen Mehrfamilienhaus beziehen wolle, mit Terrasse und Grünstreifen. Vierteljährlich lehnte Mebus ab. „Mein Garten ist mein Lebensinhalt.“

Beide Seiten fühlen sich schlecht behandelt

Auch könne man die Miethöhe nicht auf Dauer garantieren und zudem wären es zwei Umzüge – schließlich müsste sie lange raus, bevor das neue Haus bezugsfertig wäre. Träger: „Dort hätte sie alles auf einer Ebene, aber das hat sie wegen des eigenartigen Zustandes, der entstanden ist, abgelehnt. Man muss eben auch akzeptieren, dass man einen alten Baum nicht verpflanzt.“ Beide Seiten fühlen sich schlecht behandelt. Träger äußert sein Unverständnis: „Ich verstehe nicht, wie man so gegenseitige Fronten aufbauen kann, wenn es um ein Bauvorhaben geht, wo Wohnungen geschaffen werden sollen.“ Er betont, die Rechte von Mebus „minutiös“ einzuhalten und anzuerkennen, dass sie unkündbar sei.

Im Moment herrscht ein Abrissstopp

Bartsch kritisiert insbesondere die mangelnde Kommunikation: Mebus war zwar versprochen worden, dass sie drei Wochen vor Abrissbeginn informiert wird, doch das war komplett vergessen worden. Die Baustelle sei zudem unzureichend gesichert. Es gebe keinen ordentlichen Zaun, keine richtige Zufahrt. Bartsch fragt sich, ob der Abriss mit einem Bagger bei einem bewohnten Haus überhaupt erlaubt ist – zumal es keine Pläne dafür gibt.

„Wir mussten vermuten, dass es die damals übliche Statik aufweist, aber das war überhaupt nicht so“, bestätigt Träger Er berichtet von unterschiedlich hohen Stahlträgern. „Es wurden eben die Materialien verwendet, die verfügbar waren. Darauf reagieren wir jetzt.“ Im Moment herrscht Abriss-Stopp, am Donnerstag gibt es einen Termin mit der Bauaufsicht. Durch die freie Innenwand und die Verzögerung ist es in Mebus‘ Wohnung kälter geworden, sie musste die Heizung immer höher drehen und wartet auf die versprochene Isolierung. „Die kommt“, verspricht Träger. „Doch erst muss eine glatte Fläche her.“

Stadt hatte kein Vorkaufsrecht

Teltow habe nicht von einem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht, moniert Bartsch. Das kritisiert auch Martin Emmendörffer (Bündnis 90/Grüne), der die Sache an die Öffentlichkeit gebracht hat. Hier hätten eigene städtebauliche Ideen mit den Nachbarn umgesetzt und der Charakter dieser einmaligen Siedlung erhalten werden können. Teltows Stadtsprecher Jürgen Stich hofft, dass für Mebus alles gut ausgeht, stellt aber klar: „Wir hatten für das Doppelhaus nie ein Vorkaufsrecht, das ist ein Irrtum.“

Von Konstanze Kobel-Höller

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