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Teltow Windpocken: Ministerium verteidigt Schulverbot
Lokales Potsdam-Mittelmark Teltow Windpocken: Ministerium verteidigt Schulverbot
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02:15 25.03.2019
An der Waldorfschule in Kleinmachnow ist eine Siebtklässlerin an Windpocken erkrankt. Darüber muss die Schule informieren, ein Teil der Schüler darf nicht zur Schule. Quelle: Konstanze Kobel -Höller
Kleinmachnow

Schulverbot für nicht geimpfte Kinder – der Fall aus der Waldorfschule Kleinmachnow sorgt derzeit für Aufregung. Insgesamt 66 Kinder durften am Donnerstag wegen der Windpocken-Erkrankung einer Siebstklässlerin nicht in die Schule. Eine Überreaktion der Behörde? Oder übliches Vorgehen? Die MAZ hat nachgefragt.

Was genau ist passiert?

Eine Siebtklässlerin der Waldorfschule erkrankte an Windpocken. Das wurde vorschriftsgemäß an das Gesundheitsamt gemeldet. Dieses entschied ein Schulbesuchsverbot bis Ende März für alle Schüler, die nach 2004 geboren sind und keinen Impfschutz nachweisen können – entweder über ihren Impfpass oder mit Hilfe einer aktuellen Titerbestimmung. Insgesamt 240 Schüler der Waldorfschule sind am Donnerstag vom Gesundheitsamt überprüft worden, 66 von ihnen konnten zum dem Zeitpunkt keinen Nachweis erbringen – weil sie ihr Impfheft vergessen oder nicht gefunden hatten, weil sie nicht geimpft sind oder aus anderen Gründen. Sie wurden zunächst nach Hause geschickt.

Auf welcher rechtlichen Grundlage geschieht dies?

Gesetzliche Grundlage für das Vorgehen ist das „Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten“, Paragraf 34. Danach sind Gemeinschaftseinrichtungen verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich zu benachrichtigen, wenn Windpocken, Masern oder andere Infektionskrankheiten in der Gemeinschaftseinrichtung auftreten. Zu dem Fall in Kleinmachnow erklärt das Brandenburger Gesundheitsministerium: „Es handelt sich hier um die Überprüfung, ob die Schüler ansteckungsgefährdet sind oder die Windpocken weiterverbreiten können.“ Das sei eine normale Maßnahme von Gesundheitsämtern, die durch das Bundesgesetz geregelt sei und vom Robert-Koch-Institut empfohlen wird. „So etwas kommt beim Auftreten von Infektionskrankheiten in Gemeinschaftseinrichtungen, zu denen Kitas, Schulen oder Flüchtlingsunterkünften gehören, immer wieder mal vor“, erklärt Sprecherin Gerlinde Krahnert. Besteht kein ausreichender Impfschutz, könne das Gesundheitsamt im Fall der Windpocken einen Ausschluss vom Besuch der Gemeinschaftseinrichtung für die Dauer der mittleren Inkubationszeit (16 Tage) aussprechen.

Wie Windpocken wirken

Windpocken werden von Viren ausgelöst, die meist durch Speicheltröpfchen über die Luft übertragen werden. Auch die Flüssigkeit in den Bläschen ist hochinfektiös. Schon ein bis zwei Tage vor Auftreten des Ausschlages sind Windpocken ansteckend. Erst wenn die Bläschen völlig verkrustet sind, geht keine Gefahr mehr von ihnen aus – meist nach fünf bis sieben Tagen. Die Inkubationszeit liegt bei sieben bis 28 Tagen.

Bei Erwachsenen tritt oft eine Lungenentzündung als Nebenerkrankung auf, manchmal auch eine bakterielle Hautinfektion. Selten gibt es Reizungen der Hirnhäute oder Gleichgewichtsprobleme. Besonders gefährlich sind Windpocken für Schwangere: In den ersten sechs Monaten können sie – wenn auch selten – Missbildungen bei Ungeborenen auslösen oder sogar ihren Tod verursachen.

Wer mit einem Windpocken-Patienten in Kontakt gekommen ist, hat noch bis zu fünf Tagen danach Zeit, sich erfolgreich gegen die Erkrankung impfen zu lassen.

Gilt das für alle Schulen?

Die Entscheidung, wie das Gesundheitsamt vorgeht, ist völlig unabhängig davon, ob es sich um eine Schule in staatlicher oder privater Trägerschaft handelt, erklärt Kai-Uwe Schwinzert, Sprecher des Landkreises Potsdam-Mittelmark.

Wie viele Fälle von Windpocken gibt es im Landkreis?

Laut Robert-Koch-Institut gab es in Potsdam-Mittelmark seit 2017 insgesamt 68 gemeldete Windpocken-Fälle. Darunter 22 Kinder zwischen 0 und 4 Jahren, 27 zwischen 5 und 9 Jahren, sieben Kinder zwischen 10 und 14 und vier zwischen 15 und 19 Jahren. In den Altersgruppen darüber gab es nur vereinzelt Erkrankungen, der älteste Windpocken-Patient des Landkreises in den letzten beiden Jahren war 77 Jahre alt.

Wie oft ist das Gesundheitsamt Potsdam-Mittemark bereits in dieser Form bei Infektionserkrankungen vorgegangen?

Kreissprecher Uwe Schwinzert kann sich an keinen Fall an einer Schule im Landkreis erinnern, in dem der Impfstatus der Schüler überprüft wurde und Kinder oder Jugendliche ohne Immunität nicht mehr am Unterricht teilnehmen durften.

Wer ist in der Pflicht, eine Fall wie den in Kleinmachnow zu melden?

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark verweist zu dieser Frage auf die Meldepflicht für Ärzte, Larbore, Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kitas, Eltern und auch Dritte. Wer diese nicht befolgt, begeht laut Kreissprecher eine Ordnungswidrigkeit.

Von Konstanze Kobel-Höller

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