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Potsdam-Mittelmark Tödlicher Unfall mit Zirkus-Tieren: Ein Appell an Merkel
Lokales Potsdam-Mittelmark Tödlicher Unfall mit Zirkus-Tieren: Ein Appell an Merkel
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00:21 03.02.2018
Auf der B 102 bei Treuenbrietzen erinnern frische Blumen an den tragischen Unfall mit Zirkustieren vom August 2017.       Quelle: Thomas Wachs
Treuenbrietzen

Der Schmerz sitzt noch immer tief. Auch gut sechs Monate nach dem tragischen Unfall auf der Bundesstraße 102 bei Treuenbrietzen ist der Verlust des Bruders nicht überwunden. In seiner noch immer tiefen Trauer hat Stefan Hoika jetzt einen Brief an prominente Bundespolitiker geschrieben, die in Berlin gerade über eine neue Bundesregierung verhandeln.

In seinem Schreiben, das der MAZ vorliegt, fordert Hoika von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Martin Schulz (SPD) und Horst Seehofer (CSU) ihren persönlichen Einsatz für ein Wildtierverbot in Zirkusbetrieben.

Den Verlust noch immer nicht überwunden

Im August 2017 ereilte unsere Familie ein schwerer Schicksalsschlag, als zwei Watussi-Wildrinder aus dem Winterlager eines Zirkusbetriebes in Treuenbrietzen ausbrachen und auf die Bundesstraße liefen. Mein Bruder kollidierte in seinem Auto mit den Tieren und er wurde tödlich verletzt“, schildert der 49-jährige Bruder des damals auf der B 102 getöteten Autofahrers. Er wurde nur 56 Jahre alt. „Wir haben den Verlust noch immer nicht überwunden“, schreibt Stefan Hoika aus Scharfenbrück (Teltow-Fläming) weiter im Namen der Hinterbliebenen nach Berlin.

Besonders traurig stimme es die Familie des Unfallopfers Thomas Hoika, dass seit vielen Jahren ein Wildtierverbot für Zirkusbetriebe zur Debatte steht, aber durch die Politik noch nichts unternommen worden sei. „Mein Bruder könnte noch leben, wenn die Politik entschlossener zum Schutz der Menschen gehandelt hätte“, glaubt Stefan Hoika.

Zwei Zirkustiere haben am 22. August 2017 bei Treuenbrietzen einen tragischen Unfall verursacht. Dabei starb ein 56 Jahre alter Autofahrer. Quelle: privat

„Der Unfall war vermeidbar“, sagt der Bruder im Gespräch mit der MAZ. Er hofft, „dass überhaupt jemand der Politiker den Brief liest, damit so etwas nicht noch einmal passiert“. Anderen Menschen solle „diese bittere Tragödie erspart bleiben“, heißt es weiter in dem offenen Brief an die Bundespolitiker.

Nachbarländer geben besseres Beispiel ab

Von der Tierrechtsorganisation „Peta“ habe er erfahren, dass solche Unfälle keine Seltenheit sind. „Schon 2015 tötete ein Elefant aus einem Zirkus in Baden-Württemberg einen Spaziergänger und immer wieder kommt es zu Ausbrüchen und Unfällen mit Wildtieren aus Zirkusbetrieben“, schildert der enttäuschte Bruder des Treuenbrietzener Unfallopfers. „Bitte schützen Sie die Bürger und die Tiere, indem Sie endlich handeln“, fordert Hoika abschließend in seinem Schreiben. In vielen Nachbarländern gebe es solche Verbote bereits. „Warum geht das nicht auch bei uns“, fragt sich Stefan Hoika gegenüber der MAZ.

Polizei räumte Fehler ein

Im Zusammenhang mit dem tödlichen Zusammenstoß des Autofahrers mit den Watussi-Rindern bei Treuenbrietzen hatte das Polizeipräsidium Potsdam interne Fehler der Notrufzentrale eingeräumt.

Wie die MAZ berichtete, gab es am Unglücksmorgen zwei Notrufe von Kraftfahrern. Sie informierten circa 20 sowie 15 Minuten vor dem gegen 5.45 Uhr erfolgten Unfall über die gesichteten Tiere an der Regionalbahnstrecke 33 sowie auf dem Radweg an der Bundesstraße 102.

Trotzdem waren keine Einsatzkräfte entsendet sowie keine Verkehrsmeldungen abgesetzt worden. Grund seien Kommunikationsprobleme sowie Missverständnisse zwischen Einsatzbearbeitern in der Leitstelle gewesen.

Wenige Verständnis hat der trauernde Bruder, „dass jetzt noch immer Zirkustiere auf dem Gelände des Fahrzeugwerkes in Treuenbrietzen gehalten werden“, aus dessen ehemaligen Produktionshallen die riesigen Watussi-Rinder in der Nacht zum tragischen Unglücksmorgen vom 22. August 2017 entlaufen waren. „Dass so etwas gestattet wird, verstehe ich nicht“, so Hoika. Nach seiner Ansicht „geht es den Tieren dort bescheiden“. „Für mich haben Nashörner und Elefanten generell nichts im Zirkus zu suchen“, sagt der Tierfreund.

Schuldfrage nur schwer zu klären

Die genauen Umstände des tragischen Unfalls sind bis heute nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt noch immer. „Das Gutachten zur Rekonstruktion des Unfallhergangs steht noch aus“, sagt Sprecher Christoph Lange am Mittwoch auf Anfrage der MAZ. „Schwer zu klären sein wird indes, wer genau für die aus dem Lager entlaufenen Tiere verantwortlich ist“, sagt der Staatsanwalt. „An Sicherungsgurten der Gatter, die nach Angaben des Zirkusbetriebes durchschnitten worden sein sollen, wurden zu viele DNA-Spuren gesichert, um eine eindeutige Zuordnung zu erhalten“, so Lange

Das Veterinäramt der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark kontrolliert einen aktuell in Treuenbrietzen kampierenden anderen Zirkusbetrieb „Henry“ in seinem Winterlager regelmäßig. Bislang gab es keine Beanstandungen.

INTERVIEW

Peter Höffken von der Tierschutzorganisation „Peta“. Quelle: Marcel Schlegelmilch

Peter Höffken ist Senior-Fachreferent „Tiere in der Unterhaltungsbranche“ bei der Tierschutzorganisation „Peta“. Im MAZ-Interview äußert er sich zu dem Unfall in Treuenbrietzen.

Welche Konsequenzen zum Tierschutz fordern Sie nach dem aktuellen Fall?

Peter Höffken: Seit Jahren beobachten wir schwere, teilweise tödliche Unfälle mit Wildtieren aus Zirkusbetrieben. Viele Länder haben reagiert und Wildtiere im Zirkus aus Sicherheits- und Tierschutzgründen verboten. Das erwarten wir nun auch hierzulande von der neuen Großen Koalition. Das Problem ist, dass die mobilen Zirkusbetriebe nur mit provisorischen Gehegen arbeiten, die leicht auf- und abbaubar sein müssen. Da bleibt die Sicherheit auf der Strecke. Vorschriften und Kontrollen gibt es kaum.

Wie lassen sich Unfälle mit Tieren allgemein besser vermeiden?

Wenn Wildtiere wie Tiger, Löwen und Elefanten 40-mal pro Jahr den Ort wechseln und in Innenstädten in mobilen Gehegen zur Schau gestellt werden, kann die Sicherheit nicht gewährleistet werden. Wegen der vielen bitteren Vorfälle in den jüngsten Jahren haben einige Städte Wildtiere im Zirkus verboten, um die Bürger vor unnötigen Gefahren zu schützen. Allgemein lehnen wir Tiertransporte ab, wenn die Tiere für kommerzielle Zwecke zum Schlachter, zum Pferderennen, zum Zirkusauftritt oder zum Tiermarkt gebracht werden. Dahinter steckt jeweils eine Tiernutzung, von der Menschen finanziell profitieren. Ein großes Problem sind auch Wildunfälle. Hier muss der Gesetzgeber besser Menschen und Tiere schützen, etwa durch Grünbrücken, striktere Geschwindigkeitsvorgaben und Wildkorridore.

Jüngst machten auch Meldungen von ganzen Kuhherden auf einer Autobahn sowie dutzenden ausgebüxten Pferden auf einer Bundesstraße in einem Ort die Runde. Müssen Tierhalter ihre Bestände besser schützen?

Jeder Halter ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Tiere in seiner Obhut vor Schaden zu bewahren. Ausgebrochene Pferde, Rinder oder auch Tiere aus dem Zoo und Zirkus bedeuten in der Regel, dass der Tierhalter seinen Pflichten nicht ausreichend nachgekommen ist. Leider werden solche Fälle von den Behörden nur selten hart bestraft, das wäre aber nötig, um den lässigen Umgang mit solchen Gefahren zu unterbinden. Der Zirkusdirektor, dessen Elefant 2015 in Baden-Württemberg einen Spaziergänger tötete, erhielt lediglich einen Strafbefehl über wenige Tausend Euro. Wir beobachten seitdem, dass die Elefanten in Zirkusbetrieben weiterhin sehr schlecht gesichert sind.

Von Thomas Wachs

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