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Potsdam-Mittelmark Toter nach Explosion noch nicht identifiziert
Lokales Potsdam-Mittelmark Toter nach Explosion noch nicht identifiziert
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17:56 18.01.2015
Am Morgen danach: die Küche der Erdgeschoss-Wohnung.
Am Morgen danach: die Küche der Erdgeschoss-Wohnung. Quelle: Thomas Wachs
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Treuenbrietzen

Zwei Tage nach dem tragischen Brandunglück in Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) war am Sonntag immer noch unklar, um wen es sich bei dem Toten aus dem zerstörten Haus handelt. Am späten Freitagabend war in der Bäckerstraße 11 bei einer Explosion und dem Brand in einem kommunalen Mehrfamilienhaus ein Mensch ums Leben gekommen. Rettungskräfte konnten ihn nach umfangreichen Löscharbeiten nur noch tot aus einer Wohnung im Erdgeschoss bergen. Um zu klären, ob es sich bei der bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leiche um den 50-jährigen Mieter handelt, wurden von Angehörigen des Mieters DNA-Proben genommen. Sie sollen die Identität der Leiche zweifelsfrei festzustellen

Betroffen von dem Brand sind sechs weitere Menschen. Vier der insgesamt sieben Mieter gelang es, sich noch selbst aus dem binnen Sekunden völlig verqualmten Haus ins Freie zu retten. "Zwei weitere konnten wir nur mit der Drehleiter über Fenster im zweiten Obergeschoss retten", sagt Einsatzleiter Jens Heinze von der Feuerwehr Treuenbrietzen.

"Das Treppenhaus war ja schon völlig verqualmt, da war kein Durchkommen mehr", erzählt Oliver Dohrmann. Mit Lebenspartnerin Gabriele Vetter hatte sich der 49-Jährige gerade auf seine Lieblings-Show im Fernsehen gefreut, "als plötzlich dieser enorme Knall durch das Haus ging und alles bebte", erzählt der Mieter noch immer geschockt. "Ich bin sofort raus und habe die Polizei angerufen", erzählt sein Nachbar Wolfgang Jetzischek (68). Er wohnt schon 25 Jahre in dem Haus.

Nach einer Explosion mit anschließendem Brand in einem Mehrfamilienhaus in Treuenbrietzen (Landkreis Potsdam-Mittelmark) ist am Freitagabend ein Mensch ums Leben gekommen.

"Zwischenzeitlich drohten die Flammen aus den Fenstern der Erdgeschosswohnung heraus in das erste Obergeschoss überzuschlagen", beschreibt Olaf Fetz von der Feuerwehr die besonderen Herausforderungen für die Löschtrupps.  Für sie war es "seit Jahrzehnten der größte Brandeinsatz, den wir überhaupt mal hatten", erzählt Stadtbrandmeister Jens Heinze. Der Einsatz der rund 80 Feuerwehrleute aus fast allen Ortswehren Treuenbrietzens sowie auch aus Niemegk und Buchholz dauert bis 2 Uhr in der Nacht an.

Immer wieder müssen sich die Träger von Atemschutzgeräten bei den körperlich anstrengenden Löscharbeiten abwechseln. Die Nacht hindurch folgt eine Brandwache. Experten des Landeskriminalamtes (LKA) sichern nachts und am frühen Samstagmorgen Spuren, die Aufschluss über die Brandursache geben könnten. "Bisher gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Brand oder die Explosion von außerhalb des Hauses initiiert wurde", teilt Polizeisprecher Heiko Schmidt der MAZ mit. Hinweise auf eine Gasexplosion werden geprüft.

Die über Nacht obdachlosen Bewohner kommen in der benachbarten Senioren-Tagespflegestelle "Rosendiele" sowie bei Verwandten unter. Hilfe erfahren sie in der Unglücksnacht auch von Nachbarn, der Stadtverwaltung sowie der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau). Ihr gehört das stark in Mitleidenschaft gezogene Mietshaus. "Es ist bis auf Weiteres unbewohnbar", sagt Wobau-Chefin Petra Heinrich am Samstag am Rande einer Mieterberatung der MAZ. Bei der Explosion gingen zahlreiche Fensterscheiben zu Bruch. Wände bekamen Risse. Ruß und Löschwasser trug das Übrige zur Verwüstung im Haus bei, in dem fünf der sieben Wohnungen derzeit belegt sind. "Dort müssen zunächst die Statik geprüft und Versicherungsfragen geklärt werden", sagt Heinrich.

Am Samstagmorgen können die Mieter nach einer Sicherheitskontrolle der Feuerwehr die nötigsten Sachen sowie Unterlagen und Medikamente aus ihren Wohnungen holen. Die örtliche Tafel hat sofort Hilfe angeboten und stellt Essen und Kleidung kostenlos bereit. Bürgermeister Michael Knape (parteilos) vermittelt Kontakte zu Ärzten, Apotheken und Krankenkassen. Die Rosendiele bietet vor erst weiter Unterkunft, während die Wobau Ersatzquartiere für ihre Mieter sucht. Sie könnten am Montagmorgen vergeben werden, kündigte die Geschäftsführerin an.

Im Bürgerhaus beantworteten Wobau-Chefin Petra Heinrich und Bürgermeister Michael Knape die Fragen der Mieter. Quelle: Thomas Wachs

Was die Explosion ausgelöst hatte, bleibt zunächst unklar. Die Wohnungen haben nach Angaben von Petra Heinrich keine Gasanschlüsse. Kochherde werden elektrisch betrieben, geheizt wird offiziell mit Kohleöfen. Dennoch waren wohl auch Gasgeräte in Gebrauch. Zumindest sicherte die Feuerwehr mehrere Propangasflaschen. Eine davon war verbrannt.

Das dreigeschossige Haus  in der Bäckerstraße grenzt dicht an die Nikolaikirche. Diese wurde bei der Explosion und dem Feuer nach ersten Erkenntnissen nicht beschädigt. Gleiches gilt für das direkte Nachbargebäude in der Bäckerstraße. Der Gesamtschaden konnte noch nicht beziffert werden.

Von Thomas Wachs

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