Tourismus im Fläming: Touristische Nachfrage steigt, doch die Service- und Fachkräfte fehlen
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Potsdam-Mittelmark Tourismus im Fläming: Nachfrage steigt, doch die Service- und Fachkräfte fehlen
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Tourismus im Fläming: Touristische Nachfrage steigt, doch die Service- und Fachkräfte fehlen

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08:02 30.05.2021
Herzlich Willkommen: Touristen können ab dem 11. Juni wieder in die Brücker Pension „Am Schlossbuch" von Achim Liesecke einkehren.
Herzlich Willkommen: Touristen können ab dem 11. Juni wieder in die Brücker Pension „Am Schlossbuch" von Achim Liesecke einkehren. Quelle: Johanna Uminski
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Ab dem 11. Juni dürfen Hotels und Pensionen im Land Brandenburg wieder öffnen. Bei Achim Liesecke können Touristen dann wieder in seine Pension „Am Schlossbusch“ in Brück einkehren. In der Corona-Krise haben Monteure, Arbeiter und Dienstreisende seine Unterkunft angefahren. Dass in zwei Wochen wieder touristische Gäste aufgenommen werden dürfen, macht für ihn keinen Unterschied, sagt der 63-Jährige. „Der Betrieb läuft weiter, daher haben wir keine Hilfen beantragt.“ So entspannt kann Achim Liesecke sein, da er seinen Laden immer gut geführt hat, wie er betont.

Der Tourismusverband Fläming blickt positiv auf die Saison.

Seit dem Lockdown durften Touristen auch nicht ins Hotel „Zum Alten Ponyhof“ von Bernd Höhne in Niemegk einkehren. Auf die Öffnung für touristische Gäste ist er vorbereitet, da er seinen Betrieb ebenfalls voll am Laufen hat, sagt Bernd Höhne, der sein Hotel aktuell mit bunten Blumen verschönert. Bereits seit dem 21. Mai sind touristische Übernachtungen in Ferienwohnungen und Ferienhäusern in Brandenburg wieder erlaubt.

Nachfragen für Broschüren, aber auch Übernachtungsmöglichkeiten sind beim Tourismusverband Fläming massiv gestiegen, sagt Geschäftsführer Daniel Sebastian Menzel. „Die bereits geöffneten Ferienwohnungen und Ferienhäuser, die jetzt gebucht werden, sind alle voll. Es ist jetzt ganz schwierig, eine Ferienunterkunft zu finden.“ Daher blicke der Geschäftsführer sehr positiv auf die Saison. „Ich habe keinen Zweifel, dass wir als Region nachgefragt werden.“

Zahlen der Tourismusbranche Fläming 2019

13,1 Millionen Tagesreisende besuchten 2019 den Fläming.

Knapp 2,1 Millionen Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben (Hotels, Ferienunterkünfte)

Bei den Übernachtungen von „Freunden und Verwandten-Besuchen“ (visiting friends&relatives) kommt der Fläming auf 2,6 Millionen.

Die Reiseregion Fläming hatte Umsätze in Höhe von über 572 Millionen Euro. (Umsätze ergeben sich auf dem Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleistung)

Der Tourismusverband Fläming hat sich auf den Tourismus-Neustart vorbereitet.

Neben der Neuauflage des Reiseplaners „Einfach mal raus!“ und der Neustart-Kampagne „Fläminger Löwen“ gibt das Kreativnetzwerk „FlämingSchmiede“ Impulse für neue Tagungs- und Veranstaltungsangebote.

Weitere Informationen unter www.reiseregion-flaeming.de

Der Tourismusverbandsleiter ist überzeugt, dass der Fläming mittel- bis langfristig von der Krise sogar profitieren wird - im Gegensatz zu den Städten. Im ländlichen Raum habe die Region viel größere Chancen, weil man „teilweise auf mehreren Beinen steht und das Bewusstsein für Regionalität in der Pandemie gestiegen ist“, betont Menzel. „Wir sind ein Stück Hybridregion.“ Landwirte, die einen Hofladen, eine Pension sowie ein Restaurant führen und noch den Einzelhandel beliefern, sind aufgrund ihrer branchenübergreifenden Arbeit verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen, erklärt der Geschäftsführer. „Während der Hofladen stärker gezogen hat, wurden die anderen Bereiche eben heruntergefahren.“

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Dennoch schaue man nicht „blauäugig“ in die Zukunft, so der Chef des Tourismusverbandes, denn den Betrieben fehlen durch die Krise und der damit verbundenen Kurzarbeit teilweise Fach- und Servicekräfte. Ein großes Thema sei auch die Ausbildung in der Branche. „Im Moment möchte keiner im Tourismus arbeiten, weil es viel zu unsicher ist. Hier brauchen wir neue Ideen und Modelle, mit denen man die Leute für die Branche wieder begeistern kann“, sagt Daniel Sebastian Menzel.

Die Leute wollen raus und aktiv sein

Auf der anderen Seite steht die große Nachfrage an touristischen Aktivitäten, die die Tourismusbranche ausreichend bedienen muss. „Wir merken, dass die Aktiv-Themen wie Wandern und Radfahren enorm greifen und die Leute raus und aktiv sein wollen. Dafür ist die Region des Hohen Flämings mit dem super Wanderwegenetz gut geeignet, um Urlaube oder Tagesausflüge zu machen.“ Die Herausforderung der nächsten Monate und Jahre sei nun, die Branche für Arbeitnehmer wieder attraktiv zu machen. „In dem Beruf ist man viel in Kontakt mit Menschen und direkt am Gast. Das ist etwas, wonach sich die Menschen in solchen Zeiten sehnen.“

Mit dem Startschuss in die Saison 2021 hat sich auch der Tourismusverband Fläming vorbereitet und unter anderem die Neustart-Kampagne „Fläminger Löwen“ ins Leben gerufen, in der von Fläminger Persönlichkeiten und ihren Geschichten erzählt wird. Die „Fläminger Löwen“ stehen stellvertretend für alle Gastgeber des Flämings, erklärt Daniel Sebastian Menzel. „Das Ziel ist, die Leute und ihre Betriebe bestmöglich zu unterstützen. Die schwierige Zeit ist mit der Öffnung nicht vorbei, daher geht die Kampagne im Herbst weiter.“

Daniel Sebastian Menzel Quelle: Stefan Specht

Die „Fläminger Löwen“ repräsentieren den Mut und den Pioniergeist sowie die kreativen Ideen, denn das alles macht die Menschen im Fläming aus, so Menzel weiter. „Der Löwe ist Sinnbild für die Tapferkeit und den Mut der Akteure.“ Doch der Löwe hat im Fläming auch eine historische Bedeutung, wie der Geschäftsführer verrät. „Das Wappentier der Flamen ist der Löwe.“

Von Johanna Uminski