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Potsdam-Mittelmark Trauer um Antonio Ceseri
Lokales Potsdam-Mittelmark Trauer um Antonio Ceseri
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15:05 19.12.2017
Antonio Ceseri weilte 2015 zum letzten Mal an der Gedenkstätte in Nichel, wo er im April 1945 ein Massaker überlebte. Quelle: Thomas Wachs
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Treuenbrietzen

Mit Trauer und Anteilnahme ist in Treuenbrietzen die Nachricht zum Tod von Antonio Ceseri aufgenommen worden. Der Italiener verstarb am 15. Dezember im Alter von 93 Jahren in seiner Heimatstadt Florenz. Ceseri war der letzte von vier Überlebenden des Massakers vom 23. April 1945 bei Nichel. Bei diesem wurden 127 italienische Militärinternierte des Treuenbrietzener Arbeitslagers Sebaldushof von deutschen Militärs getötet.

Seit mehr als zehn Jahre hatte Ceseri durch regelmäßige Besuche zu den Gedenktagen im April die aktive Versöhnung gepflegt. Damit erfüllte er auch das Vermächtnis seines ebenfalls überlebenden Kameraden Edo Magnalardo, der bereits 2004 verstarb. Er hatte im Jahr 2002 eine Städtepartnerschaft zwischen seinem Heimatort Chiaravalle und Treuenbrietzen angeregt. Diese ist seit 2010 offiziell besiegelt und wir aktiv gepflegt.

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Antonio Ceseri bleibe vor allem auch den Akteuren der Geschichtswerkstatt des Gymnasiums „Am Burgwall” in Treuenbrietzen in Erinnerung. Sie beschäftigen sich mit der Geschichte des Zwangsarbeiterlagers Sebaldushof und pflegen dort eine Gedenkstätte. „So lernten wir auch den kleinen bescheidenen Mann kennen und sahen ihn alle Jahre wieder“, erinnert sich Katrin Päpke. „Bald erkannten er die Jugendlichen wieder und es entstand eine ganz besondere Freundschaft“, erzählt die Treuenbrietzenerin.

Auf Vorschlag der Geschichtswerkstatt Treuenbrietzen war Antonio Ceseri im April 2015 von der Stadt Treuenbrietzen besonders gewürdigt worden. Quelle: privat

Auf Vorschlag der Geschichtswerkstatt waren Antonio Ceseri im April 2015 von der Stadt Treuenbrietzen eine Ehrenurkunde und eine limitierte Ehrenuhr verliehen worden. Gewürdigt wurden damit die Verdienste des früheren Militärgefangenen um die Aufarbeitung des Massakers von Nichel.

Bürgermeister Michael  Knape (re.) und SVV-Vorsteher Michael Mrochen gratulieren Antonio Ceseri im April 2015 zur Ehrung der Stadt Treuenbrietzen.     Quelle: Thomas Wachs

Die Ehrung in Treuenbrietzen war das letzte Zusammentreffen. „Sein Wirken für die Versöhnung werden die Jugendlichen des Gymnasiums nicht vergessen. Sie sind froh, dass sie ihn kennen gelernt haben und viele Jahre ihm immer wieder begegnen durften“, so Katrin Päpke. Für seine Energie, für seine Sache einzustehen, hätten sie Ceseri stets bewundert. Sein Leben und Wirken wurde in mehreren Büchern und dem Filmprojekt „Im Märkischen Sand“ dokumentiert. Damit habe Antonio Ceseri „eine Würdigung erhalten, die er verdiente“, sagt Katrin Päpke.

Von Thomas Wachs

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