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Potsdam-Mittelmark „Treffen sich zwei Parkis in der Kantine“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Treffen sich zwei Parkis in der Kantine“
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22:19 22.08.2017
Peter Huschke: „Wenn ich in mich gehen will, werden die Beatles eingelegt.“ Quelle: Jens Steglich
Wittbrietzen

Es war ein schleichender Prozess, in dem Peter Huschkes bisheriges Leben verloren ging. Erst fiel dem Elektromonteur der Schraubendreher öfter aus der Hand, dann sagte jemand im Wittbrietzener Posaunenchor: „Hier hängt immer einer hinterher!“ – „Das bin ich“, sagte Peter Huschke. Da wusste er allerdings noch nicht, warum seine Finger plötzlich nicht mehr so mitspielen wollten wie er. Der Wittbrietzener war Trompeter im evangelischen Posaunenchor, den sein Großvater 1926 mit gegründet hatte.

„Durch die Krankheit ist die Feinmotorik weg, die Finger schaffen es nicht mehr“, sagt er. Peter Huschke hat Parkinson. Sein Lebenstempo hat sich in den Jahren erheblich reduziert, seine Lebensfreude nicht. Der 60-Jährige hat seine ganz eigene Art, dem Drama zu begegnen: Er schreibt witzige Sketche über die heimtückische Krankheit. Seine ironischen Dialoge mit Parkinson werden bei Treffen in den Selbsthilfegruppen aufgeführt. Peter Huschke hat diesen lockeren Umgang mit der Tragödie eingeführt, als er Brandenburgischer Landesbeauftragter der Deutschen Parkinsonvereinigung war. „Wenn man es mit Humor trägt, ist das Leben lebenswerter“, sagt er. Man sollte aber auch wissen, wann man aufhören muss, fügt er hinzu. Im Posaunenchor hörte er auf, als Misstöne aus seiner Trompete kamen. Landesbeauftragter der Parkinsonvereinigung ist er nicht mehr, weil er kein Auto mehr fährt. „Man kann vieles per Telefon oder per Mail regeln. Die persönliche Begegnung ist aber bei kranken Menschen besonders wichtig“, sagt Huschke.

Um nicht andere zu gefährden, hatte er eines Tages selbst entschieden: „Du kannst kein Auto mehr fahren.“ Zu seiner Selbsthilfegruppe fährt ihn jetzt seine Frau. Mit dem Lachen und Sketcheschreiben hat er nicht aufgehört. Es ist seine Überlebensstrategie, schlechten Nachrichten mit Humor zu begegnen und seine Hoffnung, andere Parkinsonkranke damit anzustecken und mitzureißen. Lachen als Medizin, die hilft, nicht unterzugehen. So schreibt er für sich und seine Leute nachts, wenn er nicht schlafen kann, Sketche über das Leben mit Mister Parkinson oder über den Weg der vielen verschiedenen Tabletten im Körper, die man so einnehmen muss. „Zwei Parkis in der Klinik beim Frühstück“, hat er den Sketch überschrieben, in dem die Frage gestellt wird, woher die einzelne Tablette weiß, wohin sie muss, um Wirkung zu erzielen? „Es muss eine Tablettenverkehrsordnung im Körper geben.“ Bei Huschke stehen die Tabletten auch an der Bushaltestelle, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Ziel zu gelangen.

Huschke trägt draußen in der Welt gern einen Anstecker: „Ich habe Parkinson, welche Ausrede hast du?“ Der offensive Umgang beugt dummen Sprüchen vor, die sich Parkinsonkranke manchmal anhören müssen. Solche etwa: „Gib dem erstmal einen Schluck.“ Viele denken, man sei Alkoholiker, sagt Huschke. Werden Parkinsonkranke nervös, fangen sie an zu zittern. Der 60-Jährige hat einem Drängler an der Supermarktkasse mal gesagt: „Mein lieber Herr, ich habe Parkinson. Jetzt dauert es noch länger,weil sie mich nervös gemacht haben.“

Früher, im Leben davor, hat Peter Huschke Elektromonteur gelernt und Elektrotechnik in Wismar studiert. Beim Studium stellt er fest, dass die anderen derweil Geld verdienen. Er geht zurück in die Heimat nach Wittbrietzen und sucht sich einen Betrieb, in dem es mehr Geld gibt und Frauen arbeiten. Er will eine Frau kennenlernen und begegnet als Betriebselektriker des VEB Havelland in Beelitz seiner Frau. Mit ihr bekommt er zwei Söhne, mit ihr geht er der anderen Leidenschaft nach – dem Tanzen. „Wir waren immer die ersten auf der Tanzfläche.“

Später, als dem Elektromonteur häufiger der Schraubendreher aus der Hand fällt, muss er sich eine neue Arbeit suchen und fängt als Haustechniker in einem Pflegeheim an. „Die Schwestern dort haben gesehen, was mit mir los ist“, erzählt er. Sie raten ihm, zum Arzt zu gehen. Da weiß Peter Huschke noch nicht, was die Heimschwestern ahnen. Zum Neurologen sagt er noch: „Ich bin Elektriker und muss Fehler finden. Jetzt finden Sie mal den Fehler in meinem System.“ Nach der Diagnose bringt er seiner Familie ein Buch mit nach Hause und sagt: „Ich habe Parkinson, lest euch das mal durch, damit ihr wisst, was das bedeutet.“ Er sagt auch: „Ich bleibe euch noch erhalten.“

Der 60-Jährige hat sich vorgenommen, 100 Jahre alt zu werden. Er hat eine gute Begründung dafür: Mit Parkinson braucht man für alles viel länger Zeit. „Wir müssen sehr alt werden, um das zu schaffen, was wir noch vorhaben.“ Von Mister Parkinson wünscht er sich, dass er ihm noch ein Weile gibt, um mit seiner Frau zum Beispiel zu tanzen. Musik sei wie eine Therapie. „Das Tanzen funktioniert nur noch mit meiner Frau“, sagt er. „Wenn dann der richtige Rhythmus kommt, wackeln die Beine.“

Von Jens Steglich

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