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Treuenbrietzen Im Hürdenlauf für einen Sitz im Landtag
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Im Hürdenlauf für einen Sitz im Landtag
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18:37 26.07.2019
Anja Schmollack aus Treuenbrietzen ist Direktkandidatin der CDU im Wahlkreis 18 für die Landtagswahl Anfang September. Quelle: Thomas Wachs
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Treuenbrietzen

Zur Politik kam sie in einem Alter, als das für die meisten ihrer Mitschüler noch kein Thema war. „Bis zum Abitur habe ich mein Interesse eher noch bedeckt gehalten, weil das ja nicht als so cool galt“, sagt Anja Schmollack.

Mit 19 Jahren ist die Treuenbrietzenerin dann in die CDU eingetreten und seit 2009 in verschiedenen Funktionen auch auf Landesebene aktiv. Nun ist die 38-Jährige Direktkandidatin der Christdemokraten im Wahlkreis 18.

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Er umfasst im Landkreis Potsdam-Mittelmark die Regionen der Städte Bad Belzig, Treuenbrietzen und Beelitz, der Ämter Brück und Niemegk sowie der Gemeinden Wiesenburg/Mark, Michendorf und Seddiner See.

Generationswechsel angestrebt

„Es wird Zeit, dass hier mal jemand anderes den Wahlkreis in Potsdam vertritt“, sagt Schmollack kämpferisch zu ihrer Motivation für das Direktmandat. Vom Sockel stoßen möchte die CDU-Ortschefin den langjährigen Direktkandidaten Günter Baaske (SPD).

Die Landtagswahl in Brandenburg steht am 1. September an. Quelle: Detlef Scheerbarth

Doch gibt es Hürden. Nach internen Reibereien in der Landes-CDU um die Plätze landete die Treuenbrietzenerin nun an 26. Stelle in der 44 Namen umfassenden Liste. Aktuell belegen die Christdemokraten 21 Sitze im Landtag. Sollte das neue Wahlergebnis also nicht deutlich besser ausfallen als zuletzt, könnte Anja Schmollack nur über den Direkteinstieg in den Landtag einziehen.

Damit das gelingt, habe sie sich Themen auf die Prioritätenliste geschrieben, die nach Ansicht der Treuenbrietzener Stadtverordneten „für viele Menschen in der ländlicheren Region hier drängend sind“.

Aktiv auf verschiedenen Ebenen

Anja Schmollack ist am 28. März 1981 in Treuenbrietzen geboren und aufgewachsen.

Nach dem Abitur im örtlichen Gymnasium „Am Burgwall“ ging es zum Studium für Jura und Betriebswirtschaft nach Berlin.

Seit 2001 ist Schmollack Mitglied der CDU und seit 2011 Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Treuenbrietzen sowie seit 2014 dort Stadtverordnete.

Seit 2015 ist die Treuenbrietzenerin Beisitzerin im Landesvorstand der CDU Brandenburg und seit 2017 Landesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft sowie Vorsitzende des Landesfachausschusses Rente & Pflege.

Privat ist Anja Schmollack aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Treuenbrietzen sowie Mitglied des Heimatvereins Treuenbrietzen.

Gescheitert ist nach ihrer Ansicht der Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg. Er lasse den Kommunen zu wenig Spielraum für eigene Entwicklung. „Das muss dringend geändert werden.“ Zudem stehle sich das Land aus der Verantwortung, was den Breitbandausbau für modernes Internet in allen Regionen angeht.

„Auch hier dürfen die Aufgaben nicht immer weiter nach unten geschoben werden“, sagt die Lokalpolitikerin, die seit Juni nun zum zweiten Mal in der Stadtverordnetenversammlung Treuenbrietzen sitzt und dort die CDU-Fraktion führt.

Nach unten durchgeschoben

Ganz direkt erlebe sie dort auch die Probleme um die Finanzausstattung der Kommunen und im Bildungssektor. Auch dort dürften Aufgaben aus ihrer Sicht „nicht immer nur auf den jeweiligen Träger einer Schule geschoben werden.“ Vielmehr müsse sich das Land insgesamt zu seiner Verantwortung für ein gleichwertiges Bildungssystem bekennen und finanzschwache Kommunen nicht im Stich lassen. „Mir fehlt da die Ehrlichkeit im Umgang mit den Kommunen“, sagt Schmollack.

Leasingkräften schlecht für Lohngefüge

Weiteren Handlungsbedarf sieht sie im Pflegesektor. Dort seien flächendeckende Tarifverträge unumgänglich. Der Trend zu immer mehr Leasingkräften sei schlecht für das Lohngefüge.

Einsetzen will sich Schmollack zudem für eine bessere Ausstattung von Feuerwehren. Selbst ist sie vor gut zwei Jahren der freiwilligen Truppe ihres Heimatortes beigetreten. Anlass waren Erfahrungen bei einem Autounfall, von dem sie betroffen war.

„Das Land muss zumindest eine ordentliche Grundausstattung für die Feuerwehr bezahlen, damit jeder Kamerad und jede Kameradin eine ordentliche Uniformen und Einsatzkleidung haben“. Auch sei es nicht zeitgemäß, dass in einigen Garagen noch heute Fahrzeuge aus DDR-Zeiten parken, die nur über Schläuche und eine Pumpe verfügen.

Anja Schmollack gehört in Treuenbrietzen seit gut zwei Jahren der Feuerwehr an. Quelle: privat

Die Erfahrung der Waldbrände vom vorigen Jahr bei Treuenbrietzen und aktuell auch wieder in weiteren Bereichen des Landes hätten gezeigt, dass es dort viel Nachholbedarf gibt. „Eine Jahresendprämie für die Feuerwehrleute allein bringt nichts. Sie machen das ja nicht wegen des Geldes“, sagt Schmollack.

Sie fordert auch ein Umdenken bei den Arbeitgebern, die ehrenamtliche Feuerwehrkräfte leichter für den Dienst an der Allgemeinheit frei stellen sollten, weil es Kommunen finanziell nicht allein schaffen würden, überall hauptamtliche Kräfte zu beschäftigen.

Verständnisvoller Chef

Persönlich habe sie als Mitarbeiterin einer Kanzlei für Wirtschafts- und Steuerrecht in Berlin „einen Chef, der Verständnis für meine politische Arbeit und auch die Feuerwehr hat“, sagt die Wirtschaftsjuristin.

Anja Schmollack ist in einer Berliner Kanzlei für Wirtschafts- und Steuerrecht tätig. Quelle: privat

In der Umweltpolitik plädiert Schmollack dafür, „den Protest der Jugend nicht zu belächeln“, die aus ihrer Sicht wichtige Energiewende „aber mit Augenmaß zu betreiben“. Beim Thema Windkraft ist die Lokalpolitikerin dafür, dass „Wälder tabu sein sollten für den Aufbau neuer Anlagen“ und größere Abstandsflächen zu Wohnbebauung endlich gesetzlich fixiert werden sollten.

„Wir brauchen dort mindestens das Zehnfache der Höhe der immer größer werdenden Anlagen“, so Schmollack. Bis die strittigen Fragen zu diesem Thema geklärt sind, sollte es einen Stopp neuer Anlagen geben. Das Ziel der Landesregierung, weitere zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft zu nutzen, „würde das Land zupflastern“, kritisiert Schmollack.

„Nicht von Gottes Gnaden gewählt“

Zu dieser Thematik plädiert sie auch dafür, die Strukturen der regionalen Planungsgemeinschaften zu ändern, „damit nicht nur die großen Kommunen über die kleinen entscheiden“.

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Politik verstehe die Lokalpolitikerin als „Dienstleistung für den Bürger“. „Die Politiker sind nicht von Gottes Gnaden gewählt“, sagt die Christdemokratin. Eine Amtszeit von höchstens drei Legislaturperioden hält sie für angebracht, „damit Politiker nicht nur zum Selbstzweck im Parlament sitzen.“ Gelernt habe sie in ihrer bisherigen politischen Karriere, „dass man dafür ein dickes Fell braucht“.

Meinung gefällt nicht jedem

Gerade auch in sozialen Medien. „Da vergessen viele sehr schnell, dass hinter einem Nutzernamen auch immer ein Mensch steckt.“ Dennoch nutze auch sie diese Medien persönlich intensiv, „weil ich transparent sein möchte.“ Sie wolle einerseits ihre „persönlich Seite zeigen“ und andererseits „auch im Internet klar machen, für welche Ziele ich politisch stehe“. Dass sie dabei selbst „gerne polarisiere“, sei ihr bewusst. „Auch weiß ich, dass meine Meinung nicht immer jedem gefällt.“

Bogenschießen ist ein Hobby von Anja Schmollack. Quelle: privat

Privat schätzt die 38-Jährige ihren Heimatort Treuenbrietzen. Dorthin kehrte sie nach dem Studium für Jura und Betriebswirtschaft in Berlin im Jahr 2009 bewusst zurück. Bogenschießen, Radfahren und Entdeckungstouren in der Heimatregion sowie bei Städtereisen gehören zu ihren Hobbys. Die bekleidet die 38-Jährige gerne mit ihrem Ehemann sowie auch mit Freunden und ihren Eltern. „Ich bin ein Familienmensch, auch wenn mein Mann und ich bisher noch keine Kinder haben“, sagt Anja Schmollack.

Von Thomas Wachs

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