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Treuenbrietzen Achtung, Sammler: Experten erwarten Pilzschwemme in den kommenden Wochen
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Achtung, Sammler: Experten erwarten Pilzschwemme in den kommenden Wochen
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16:23 30.09.2019
Das Pilzfestival in Bardenitz traf auf großes Interesse. Experte Jürgen Neuendorf hatte viel zu beraten. Quelle: Thomas Wachs
Bardenitz

Nach dem erneut trockenen Sommer kam der Regen gerade noch rechtzeitig. Einer guten Pilzsaison in diesem Herbst stehe aktuell nichts mehr im Wege. „Wir können durchaus noch mit einer Pilzschwemme rechnen“, sagt Experte Ewald Gerhardt aus Berlin am Sonntag beim Pilzfestival in Bardenitz.

Wie ein kleines Volksfest gefeiert wird alljährlich das Pilzfestival in Bardenitz. Dort gab es jetzt wieder fachliche Beratung und Leckereien aus dem Dorfbackofen.

Dort hatten der promovierte Biologe und Autor mehrerer Pilzbücher sowie der Bad Belziger Pilzsachverständige Jürgen Neuendorf viele Fragen der Besucher zu beantworten. Ilse Wandel aus Treuenbrietzen beispielsweise hatte ein Körbchen mit weißen Pilzen dabei. „Obwohl sie daheim auf der Wiese wachsen, sind das wohl keine Champignons“, hat die Sammlerin schon vermutet. Jürgen Neuendorf bestätigte dies. „Das ist ein Rosablättriger Egerlings-Schirmling“, erklärt der Experte. Es sei kein Speisepilz, auch wenn er in Bestimmungsbücher durchaus unterschiedlich bewertet werde.

Allgemein rät der Sachkundige dazu, ältere Pilzbücher durch aktuelle Ausgaben zu ersetzen. „Bei der Einstufung von Pilzen kommt inzwischen durch moderne Techniken viel in Bewegung“, erklärt der Experte. So seien heute auch DNA-Analysen üblich.

Begeistert von netter Atmosphäre

Anja Lechle aus dem benachbarten Kemnitz hat zwei Pilze zur Bestimmung mitgebracht. „Einer ist giftig, der andere nicht, da habe ich wieder was dazu gelernt“, sagt die Sammlerin. Sie ist das erste Mal zum Festival gekommen und „begeistert von der netten Atmosphäre hier“.

Zum Pilzfestival in Bardenitz konnten gut 130 verschiedene Arte präsentiert werden. Quelle: Thomas Wachs

Schon am Sonnabend waren Jürgen Neuendorf und Ingo Höhne von der Naturwacht Nuthe-Nieplitz mit gut 20 Interessierten auf eine geführte Pilzwanderung gegangen in der Umgebung von Bardenitz. Die Ausbeute war groß und artenreich. Sogar auf den Waldbrandflächen vom vorigen Sommer wurden die Sammler fündig.

Vielseitige Auswahl präsentiert

Entsprechend vielseitig war somit die zur Pilzausstellung am Sonntag präsentierte Auswahl heimischer Arten. Ergänzt durch private Funde und Besonderheiten konnte Jürgen Neuendorf, der das Festival in der Tradition des einstigen Gründers Eduard Prinke aus Pechüle seit gut fünf Jahren fortführt, am Sonntag dann rund 130 verschiedene Pilzarten präsentieren.

„Die Leute staunen vor allem immer, dass viele Pilze, die richtig giftig aussehen, oft jedoch essbar sind“, erzählt Jürgen Neuendorf gegenüber der MAZ. Doch rät der Sachkundige dazu, es nicht auf eine Probe ankommen zu lassen und nur die Pilze zu essen, die sicher bestimmt werden können.

Zur Beratung aus dem Bett geklingelt

Neuendorf ist in der Fläming-Region inzwischen nur noch der einzige Sachverständige, der für den Brandenburgischen Landesverband tätig ist. Gar lebenswichtig ist diese Dienstleistung mitunter auch für Notfälle. „Wir sind auch beim Giftnotruf gelistet und helfen, wenn Krankenhäuser oder Privatpersonen Rat brauchen“.

Erst am Freitagabend kurz vor Mitternacht wurde Neuendorf aus dem Bett geklingelt, als eine Familie aus Golzow Bedenken hatte, weil ihr Kind nach dem Genuss von Pilzen Übelkeit verspürte. „Mit Hilfe von Fotos und Beschreibungen konnte ich aber Entwarnung geben“, erzählt Neuendorf. Der Junge hatte einen unbedenklichen Schirmpilz gegessen.

Zum Pilzfestival in Bardenitz lockten auch Kaffeetafel und Essen aus dem Dorfbackofen. Quelle: Thomas Wachs

Auf die Tische der zahlreichen Besucher des Pilzfestivals in Bardenitz kamen am Wochenende freilich keine Pilze sondern andere Beute aus heimischen Wäldern. Aktive vom örtlichen Hausboden-Verein, dem Veranstalter des jährlichen Festivals, hatten den Dorfbackofen am Gemeinschaftshaus angeheizt. Kuchen am Sonnabend und deftiger Wildschweinbraten am Sonntag sowie Pizza und Brot fanden reißenden Absatz. „Eine Gruppe von Männern im Verein hat sich inzwischen fachkundig gemacht und viel ausprobiert, um die richtige Temperatur und die ideale Backzeit für die verschiedenen Produkte zu kennen“, erzählt Edith Rettschlag, die Vereinsvorsitzende. Bis zu zwei Tage vor einem Backtag muss der Ofen angeheizt werden.

Von Thomas Wachs

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