Blumen und Stresstrainer für Treuenbrietzener Klinik-Teams
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Treuenbrietzen Blumengruß für Klinik-Teams und Stresstrainer für Führungskräfte
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Blumengruß für Klinik-Teams und Stresstrainer für Führungskräfte
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12:46 27.03.2020
Dank in der Corona-Krise: Blumenhändlerin Sabine Bittner (re.) hat dem Krankenhaus Treuenbrietzen einen Frühlingsgruß spendiert.
Dank in der Corona-Krise: Blumenhändlerin Sabine Bittner (re.) hat dem Krankenhaus Treuenbrietzen einen Frühlingsgruß spendiert. Quelle: Johanniter-Kliniken
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Treuenbrietzen

Es ist ein bunter Frühlingsgruß und ein großes Dankeschön, was Sabine Bittner da am Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen aus dem Transporter lädt. Die Inhaberin des örtlichen Blumenhauses Schumacher spendiert mehr als 100 Schnittblumen. „Es ist ein Dankeschön für die enorme Arbeit, die Pflege und Ärzte jetzt für uns alle leisten zur Bewältigung der Corona-Krise“, sagt die Geschäftsfrau der MAZ. Auch sie musste ihren Laden in der Stadt schließen. „Die Blumen konnten wir nicht mehr verkaufen, da sollen sie nun wenigstens im Krankenhaus noch für Patienten und Personal eine kleine Freude bereiten.“

Das müssen Sie zum Coronavirus wissen

Insgesamt erfährt das Fachkrankenhaus, das nun für die Aufnahme vieler Patienten mit schweren Covid-19-Erkrankungen vorbereitet ist, aktuell breite Unterstützung auch im direkten Umfeld.

„Ein wunderbares Zeichen“

„Mit der Stadtverwaltung Treuenbrietzen stehen wir in enger Verbindung. Unsere Hygieneabteilung nimmt an den wöchentlichen Lagebesprechungen im Rathaus teil“, erklärt Martin Spielhagen, der Ärztliche Direktor des Krankenhauses. So stellte die Kommune schnell auch ein größeres und vor allem stabileres Zelt für die Corona-Ambulanz auf dem Klinikgelände zur Verfügung. „Auch die Blumenspende ist ein wunderbares Zeichen, wir bedanken uns herzlich“, so Spielhagen.

Martin Spielhagen ist der Ärztliche Direktor des Johanniter-Krankenhaus in Treuenbrietzen. Quelle: Johanna Uminski

Aber es gibt weiterhin auch großen Grund zur Sorge. Vor allem wegen der inzwischen weltweiten Engpässe bei der Versorgung mit Schutzkleidung für medizinisches Personal. „Sehr entlastend“ gewesen sei daher ein spontanes Hilfsangebot der Abfallwirtschaftsgesellschaft Potsdam-Mittelmark (APM), „die uns 200 FFP2-Masken aus ihren Beständen gespendet hat. Auch dafür sind wir sehr dankbar“, sagt der Ärztechef.

Masken werden selbst genäht

Seit dieser Woche helfen Johanniter-Einrichtungen bei der Selbstversorgung. In der Tagesstätte des örtlichen Johanniter-Gesundheitszentrums wurde begonnen, bis zu 1000 waschbare Stoffmasken als allgemeinen Mund-Nasenschutz zu nähen, in Abstimmung mit der Hygieneabteilung des Krankenhauses. Einige Experten sehen darin inzwischen ein gutes Mittel, um die Ausbreitung des Corona-Virus in der Öffentlichkeit zu begrenzen.

In der Tagesstätte des Johanniter-Gesundheitszentrums Treuenbrietzen wurde begonnen, bis zu 1000 waschbare Stoffmasken als allgemeinen Mund-Nasenschutz zu nähen. Quelle: Johanniter-Kliniken

Thomas Krössin, Geschäftsführer der Johanniter GmbH, kritisiert in dem Zusammenhang die Abhängigkeit Europas von Lieferanten in Asien. „Es ist aus europäischer Sicht eine der dringendsten Fragen, die sich die nationalen Regierungen der EU nach der Pandemie stellen müssen, wie wir zukünftig die Abhängigkeit von den Warenlieferungen aus dem chinesischen Wirtschaftstraum zurückfahren“, sagt der Manager gegenüber der MAZ.

In Europa nicht einig genug

In der aktuellen Krisensituation seien alle, selbst bei der Beschaffung von Schutzkleidung, von Lieferungen aus der Volksrepublik China abhängig. „Die Wirtschaftspolitik des chinesischen Regimes mit dem Projekt der Seidenstraße bedroht den inneren Zusammenhalt der Europäischen Union“, so Krössin. „Jetzt zeigt sich, wie dünn der politische Kit des europäischen Zusammenhalts ist – jeder denkt aktuell an seine nationalen Interessen.“ Eine für alle Länder gültige europäische Pandemie-Strategie sei seitens der EU-Kommission nicht durchsetzbar.

„Wir sind im Verbund der Johanniter-Kliniken Deutschlands mit 200 Intensivbetten an die maximale Grenze unserer Kapazitäten gegangen“, sagt der Johanniter-Geschäftsführer aus Berlin.

Thomas Krössin ist Geschäftsführer der Johanniter GmbH, zu der auch das Krankenhaus Treuenbrietzen gehört. Quelle: Johanniter-Kliniken

Zur Seite stehe dem Management nun ein Corona-Kompetenz-Team mit Experten aus der Krankenhaushygiene und Infektiologie, das in fachlichen Fragen berät. Das sei dringend nötig. Denn „wenn die Prognosen der Epidemiologen zutreffen, werden wir in unseren Johanniter-Krankenhäusern – wie andere auch – an Grenzen kommen“, glaubt Thomas Krössin. „Noch ist der kritische Punkt, an dem eine Organisation umkippen kann, allerdings nicht erreicht. Wir sind uns aber sehr wohl bewusst, dass dies eintreten kann“, so der Doktor.

Stresstrainer für Führungskräfte

Eine Gegenmaßnahme sei ferner die verstärkte Zusammenarbeit mit Resilienz-Trainern, die an Johanniter-Kliniken nun starte. Die Experten zeigen Führungskräften Techniken auf, wie Ärzte und Pflege in einer Krise Stress beherrschen und die psychische Widerstandskraft erhöhen können.

Von Thomas Wachs