Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Treuenbrietzen Feuerwehr schlägt Alarm: Brandschutz steht auf wackligen Füßen
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Feuerwehr schlägt Alarm: Brandschutz steht auf wackligen Füßen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:01 28.03.2019
Mit Aktionstagen wirbt die Feuerwehr Treuenbrietzen um dringend nötigen Nachwuchs. Quelle: Christin Iffert
Treuenbrietzen

Die Situation ist dramatisch, der Handlungsbedarf riesig und Lösungen sind teuer: Die freiwilligen Feuerwehren der Stadt Treuenbrietzen können aktuell nicht in allen Orten den Brandschutz gewährleisten. Das geht aus dem jetzt aktualisierten Gefahrenabwehrbedarfsplan hervor.

Die 100 Seiten umfassende Analyse zu Einsatzstärken, Ausrüstung und Investitionsbedarf der insgesamt 14 Ortswehren ist in den zurückliegenden Monaten vom Bürgeramt des Rathauses sowie von Stadtbrandmeister Olaf Fetz turnusgemäß überarbeitet worden.

Löschwassermangel ist größte Sorge

Größtes Problem ist die Versorgung mit Löschwasser. Starke Defizite gibt es in Pflügkuff, wo der auch für die Waldbrandbekämpfung vorgesehene Dorfteich ausgetrocknet ist, sowie in Dietersdorf. Dort gibt es lediglich ein altes Netz von Hydranten und marode Zisternen.

Alternativen gebe es nur im Sommer, wenn das Schwimmbad angezapft werden kann von der Feuerwehr. Voll gesichert werden könne die Wasserversorgung in beiden Orten nur durch den Bau neuer Löschwasserbrunnen, schätzen die Experten ein.

14 Ortswehren einsatzbereit

In den 14 Feuerwehren in Treuenbrietzen gibt es 261 aktive Brandschützer, darunter 27 Frauen. In der Jugendwehr gibt es 49 Aktive, davon 15 Mädchen.

Zur Alters- und Ehrenabteilung zählen 72 Männer und Frauen.

In den Gerätehäusern stehen 21 Fahrzeuge. Einzelne gehören dem Landkreis als Teil von Sondereinheiten.

Im vorigen Jahr wurden 84 technische Hilfeleistung und 81 Brandeinsätze absolviert.

Das gilt auch für Wohngebiete in Treuenbrietzen an der Bismarkstraße sowie in der Steinmühlenstraße. Dort wirke sich die nach Sturmschäden erfolgte Umverlegung der Nieplitz negativ aus, weil der Mühlteich nicht mehr als Wasserspeicher zur Verfügung steht.

Waldbrand zeigt Probleme auf

Bei der Löschwasserversorgung helfen könne die Anschaffung eines großen Tanklöschfahrzeuges. „Angesichts der großen Waldbrände im vorigen Jahr ist deutlich geworden, wie dringend ein solches Spezialfahrzeug mit 4000 oder 5000 Litern Wassertank für unseren Bereich nötig wäre“, erklärte Stadtwehrführer Olaf Fetz kürzlich im Fachausschuss für Ordnung und Sicherheit bei der Diskussion des Bedarfsplanes.

Er ist nun von den Stadtverordneten beschlossen worden und soll damit den Leitfaden bieten für kommunale Investitionen in den Brandschutz. Laut Prioritätenliste müssten fünf Tragkraftlöschfahrzeuge (TSF) angeschafft werden für Zeuden, Brachwitz, Lühsdorf, Niebel und Lobbese. Kosten pro Stück: Circa 45.000 Euro.

Großer Tankwagen auf Wunschzettel

Zur Einkaufs-Wunschliste hinzu kämen der große Tanklöschwagen für 400.000 Euro und auch die jetzt anstehende Generalüberholung der Drehleiter für gut 50.000 Euro. Der Gesamtbedarf für Fahrzeuge beläuft sich somit auf gut 675.000 Euro.

Wichtig sei die Umsetzung der Prioritätenliste auch, weil in den Garagen noch drei betagte Fahrzeuge vom Typ Barkas B 1000 parken. „Zudem sind auch die ersten Neuanschaffung aus der Nachwendezeit heute schon wieder mindestens 20 Jahre alt“, gab Olaf Fetz zu bedenken. So in Marzahna und in Pflügkuff.

Viele Gerätehäuser zu klein

Neue Fahrzeuge wiederum ziehen Investitionen für den Neubau oder die Erweiterung von Gerätehäusern nach sich. Bedarf gebe es in Zeuden, Lühsdorf, Frohnsdorf, Niebel, Lobbese und Brachwitz. Dafür wären in der Summe rund 1,15 Millionen Euro einzuplanen.

Völlig veraltet und viel zu klein ist das Gerätehaus in Lobbese. Quelle: Thomas Wachs

Auch für das Personal und dessen Ausbildung weist die aktualisierte Analyse großen Handlungsbedarf aus. Der Brand- und Katastrophenschutz rund um die Uhr könne „nur durch das Zusammenwirken mehrerer Ortswehren aufrecht erhalten werden“, heißt es.

Einsatzbereitschaft nicht mehr gegeben

Der demografische Wandel führe zu einem steten Rückgang der Zahl der heute noch 26o aktiven Kräfte. Angesichts der Altersstruktur vermuten die Feuerwehrchefs, dass in den nächsten zehn Jahren die Einsatzbereitschaft einzelner Wehren nicht mehr gegeben ist. „Von den heute 14 Ortswehren wären nur noch neun in der Lage, die Aufgaben zu erfüllen“, erklärte Olaf Fetz.

Einen weiteren Schwerpunkt sieht er in der Qualifizierung der Einsatzkräfte. Erhebliche Defizite gebe es, weil 44 Führungskräfte, vier Atemschutzgeräteträger und fünf Maschinisten fehlen. Allerdings gebe es auch Ortswehren, in denen der Qualifizierungsgrad höher ist, als es der Bedarfsplan vorzieht.

Stadtwehrführer Olaf Fetz sieht großen Handlungsbedarf in der Ausstattung der Treuenbrietzener Feuerwehren. Quelle: Thomas Wachs

Um für dringend nötigen Nachwuchs in Reihen der Brandschützer zu sorgen, will die Feuerwehr stärker die Werbetrommel rühren. Vorgeschlagen werden Arbeitsgemeinschaften in der Grundschule sowie Projekte mit der Gesamtschule.

Bürgermeister nimmt Land in die Pflicht

Um die umfangreichen Aufgaben und Investitionen in den Brandschutz realisieren zu können, sieht Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape (parteilos) auch die Landespolitik in der Pflicht. Sie müsse Anreize schaffen für Ehrenamtler und die Kommunen unterstützen bei der Finanzierung der Ausrüstung. „Der Gefahrenabwehrbedarfsplan gibt uns ein Gefühl dafür, vor welchen Herausforderungen wir stehen diesbezüglich“, so Knape.

Von Thomas Wachs

Auf 65 Ehejahre blicken Herta und Harry Hinze aus Lüdendorf zurück. Am Mittwoch feiern sie ihre eiserne Hochzeit. Viel Arbeit und ein Schicksalsschlag prägten die lange Ehe.

27.03.2019

Spare mit jedem Euro: Angesichts extrem klammer Kassen, spart die Stadt Treuenbrietzen jetzt auch Mitgliedsbeiträge ein und tritt aus Vereinen aus. Reduziert wird unter anderem die Tourismusarbeit.

26.03.2019

Manuela Bohmer verfolgt in Treuenbrietzen ihre neue Idee für ein Generationenprojekt. Mit Ehrenamtlern und Kindern möchte sie einen Besuchsdienst für einsame Senioren etablieren.

25.03.2019